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Der Orden Bne Briss · 1924-01-01 · Nr. 1/2 - Januar-März (1.1924) · p. Seite 13

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 1/2 - Januar-März (1.1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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r wurde ihm das Versprechen abgenommen, seine Pläne wenigstens bis zum Verlassen der Hochschule aufzugeben. Aber sein innerer Drang war stärker als alle Vorsätze und Versprechungen. 7 Jahre arbeitete er i m stillen weiter, verbesserte den ersten Entwurf, jrüfte und probte, übersetzte, dachte, dichtete in seiner Sprache und schrieb schließlich das erste Lehrbuch des bis auf den heutigen Tag unverändert gebliebenen Esperanto Im Jahre 1885 vollendete er sein Studium und wurde Arzt. An mehreren Orten versuchte er vergebens ein« auch nur bescheidene Praxis zu finden, überallhin folgte ihm der Ruf, daß er ein Träumer, ein weltfremder Mensch sei, dem man praktische Lebensaufgaben nicht anvertrauen könne, jm Jahre 1837 ließ er. sich in; Warschau nieder und verheira ete sich mit Klara Silbernik. Die lohnende Praxis blieb aber weiterhin aus, nach zwei Jahren wandertje er neuerdings von Ort zu Ort, um seine n Lebensunterhalt zu finden, bis er 1897 nach Warschau zurückkehrte, wo er sich als Augenarit allmählich einen Ruf erwarb und bis an sein Lebensende eine nicht gerade reichliche, aber imnu rhin auskömmliche Existenz fand. i Im Jahre 1887 gab er, nachdem er zwei Jahre lang vergebens einen Verleger gesucht hatte, im Selbstverlag ein Lehrbuch! seiner internationalen Sprache unter dem Scheinnamen Dr. Esperanto (der Hoffende) heraus und veröffentlichte gleichzeitig die Erklärung »Die internationale Sprache ist«- wie jede nationale, allgemeines Eigentum, der Autor entsagt für immer allen persönlichen Rechten an ihrX Nun begann ein harter Kampf für den kühnen Denker. 2 amenhof rief die ganze Welt zur Mitarbeit duf, aber der Widerhall blieb aus, nur ganz allmählich gelang es ihm, Mitstreiter und in den! einze nen Ländern für sein Werk Boden zu gewinnen. In Deutschland wirkte noch der .Mißerfolg des Volapük nach, das zuerst bei zahlten Anhängern die größte Begeisterung gefunden, sich aber in kurzer Zeit als unbrauchbar, nanentlich für den mündlichen Oebrauch erwiesen hattej Es ist nun bewunderungswürdig, wi<! Zamenhof mit1 einer nur dem Genie eigenen Seelenkraft, aller Anfeindungen, Verspottungen, Anzweifelungen und materiellen Nachteile ungeachtet, bei allen Schwierigkeiten und Fehlschi igen den Glauben an seine Idee und an sein Werk aufrechterhielt und nicht nachließ in seinen Bemühungen,,ihr Anerkennung zu verschaffen. Die erste unzweideutige .Bestätigung seiner Zuversicht erhielt er im Jahre 1905, als deij erste Weltesperantokohgreß etwa 900 Esperantisten in Boulogne-sur-mer zusammenführte. Die durchweg in Esperanto, geführten Verhandlungen und die Leichtigkeit, mit'der die aus mehr als 20 Sprachgebieten zusammengekommenen Teilnehmer sich mittels des Esperanto verständigen konnten, lieferte diesen, aber« auch der Aussenwelt den Beweis, daß die von den Wissenschaftlern als »Retortensprache« verhöhnte Schöpfung Zamenhofs genau so wie jede lebende Sprache für den schriftlichen und mündlichen Austausch der Gedanken auf allen Gebieten der( sinnlichen und der Geisteswelt tauglich ist. In d«r Folgezeit fand alljährlich in einem änderen Lande eine Heerschau der Esperantisten auf einem Weltkongresse statt, dessen zunehmender Besuch" den Beweis erbracht«, daß die Weltsprachenbewegung in immer neuen Ländern Wurzel faßte, besonders in Frankreich, England ui|d Deutschland viele Tausende von, Anhängern gewann und auch bei den amtlichen Stellen und int den Schulen immer mehr Anerkennung und Eingang fand. Durch den Krieg; wurde die Weltsprachenbewegung wie jedes andere auf internationale Beziehungen angewiesene Geistessfreben empfindlich unterbrochen. ‘Zamenhof, der gütige Menschenfreund, starb,, ohne den Sieg seiner Idee, ohne die Befreiung seines Vaterlandes Polen, ohne den von ihm so heiß ersehnten Frieden, dem letzten Endes sein ganzes Liebenswert galt, geschaut zu haben, infolge eines Herzleidens am 14. April 1917 in Warschau. | Wie die Esperantisten sein Andenken ehren und hochbalten, beweisen jlie eingangs angeführten Sätze. Zamenhof hat während seines Lebens bei seinen Gesinnungsgenossen ebensoviel Liebe wie Bewunderung genossen. Gerade durch seine persönlichen Eigenschaften stellte H einpn * nachahmungswürdigen .Typ des moderner!, geistig gerichteten Juden dar. Der in dem letzten Jahrzehnt seines Lebens von Tauslenden mit überschwenglichen Huldigungen, von zahlreichen Regierungen mit Auszeichnungen bedachtet Denker, der sich der Bedeutung seines werksl ganz genau bewußt war, blieb sein Leben dang ein bescheidener, stiller und anspruchsloser Mann. Allen Dank und alle Ehren suchte er - 13 -

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