Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar-März (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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I /* ursprüngliche 'Absicht, ein geschlossenes Heim (Hotel, Pension oder dergl.) zu diesem Zwecke zu mieten, ließ sich trotz aller Mühe nicht verwirklichen. Dagegen gelang es in | Herrenalb, diesem . herrlich gelegenen Schwarzwaldörtchen, eine Anzahl nebeneinanderliegender: Häuschen mit je 4 Betten zu mieten. Diese Dezentralisierung die anfangs unerwünscht erschien, erwies sich späterhin in mancher Beziehung als Sjehr vorteilhaft. Einmal in finanzieller Hinsicht, weil es uns dadurch möglich war» bei Vermehrung der Kolonie die Zahl der Betteji nach Bedarf zu ^'vermehren und ebenso beim Abbau der Kolonie die Häuschen wieder einzeln abzugeben. Noch wichtiger war der Vorteil in hygienischer Beziehung, weil auf diese Art der in Ferienkolonien sp sehr gefürchteten Einschleppung von Infektionskrankheiten viel leichter begegnet werden konnte. Zudem bekam der Aufenthalt der Kinder in den Familien der überaus liebenswürdigen Hauseigentümer einen mehr familiären Charakter und manche Freundschaft zwischen Wirtsleuten und Kind hat sich bis heute noch warm erhalten. Besonders erfreulich war, daß in 2 von den Häuschen (wir hatten später im ganzen 7Häuschen) Ställe mit Kühen waren, und es läßt sich denken, mit welcher Freude die Kinder die Gelegenheit benützten, um du Milch unverfälscht und kuhwarm zu trinken. , Für die Verp legung, die natürlich streng rituell sein sollte, w urden bindende Abmachungen mit dem dortigen Schwarzwaldhotel getroffen, dessen Besitzerinnen sich während der ganzen Dauer der Kolonie als aufmerksame und liebenswürdige Wirtinnen erwiesen. Am 17. Juni konnte die Kolonie mit 5 Kindern eröffnet werden. Ihre Zahl stieg dann während der Ferienmonate auf 20, ja eine Zeitlang sogar auf 26 Kinder an. Dr. Zlocisti war In der Frau unseres Rabbiner es uns gelungen, eine ganz hervorragend geeignete Leiterin für das Heim zu gewinnen, die während der ganzen Dauer der Kolonie, unterstützt von einer Kindergärtnerin, mit großer Liebe ahd Hingabe und besonderem pädagogischen Geschick ihre Aufgaben erfüllte. — Die Anmeldungen von seiten der Logen liefen außerordentlich zahlreich ein, es wurden von 30 Logen ca. 130 Kinder für das Ferienheim angemeldet, ein beredtes Zeichen dafür, welch dringendem Bedürfnis die Stiftung der Augustin- — n Keller-Loge für die deutschen Logen entsprach. Leider konnte nur ein Teil der Gesuche berücksichtigt werden. Es würden im ganzen 54 Kinder je 3-4 Wochen lang uhtergCbracht. Sie wurden übeiwiesen von 24 Logen, darunter manche weitentiegene, wie (Lübeck,. Dresden, Breslau, Hindenburg. ~ Es waren 32 Buben und 22 Mädchen. Dem Alter nach waren über. 10 Jahre 37 und unter 10 Jahren 17 Kinder. .— Von- Interesse ist auch eine Betrachtung der Berufe der Eltern, weil sie ein bezeichnendes Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse unserer j?eit 'wirft. Von den Eltern der Kinder wären 15 Kauf|eute, 29 gehörten freien Berufen an, und zwar 8 Lehrer, 2 Rabbiner, 2 Hochschullehrer, J Aerzte, 2 Zahnärzte, 1 Apotheker, 3 Rechtsanwälte, 2 Ingenieure, 'T Inspektor, 1 Künstler. 9 Kinder waren Waisen und, zwar meist Kriegswaisen.! ’ ’! Dasl Leben in Hejrenalb verlief für die Kinder sehr unterhaltend und anregend. Spielen auf der Wiese, Baden im Bach wechselten mit größeren Spaziergängen ab. Zeitweise gab es auch schöne Unterhaltungsabende mit Aufführungen, bei denen ' die Kleinen ihre Begabung zeigen konnten..— Die Verpflegung war ganz vorzüglich und ins-^; besondere sehr reichlich. — In gesundheitlicher Beziehung waren die Ergebnisse durchweg zufriedenstellend. Die Kinder, die von mir zeitwefse ärztlich untersucht wurden, erholten sich in der. herrlichen Luft und bei der guten Kost zusehends. Das Geivicht, das am Anfang und Schluß der Kur ffestgestellt wurde, ergab fast in. allen Fällen Zunahmen von 2—4 Pfund. An Krankheitsfällen kamen Im ganzen 3 Fälle vor, von denen mit Sicherheit festgestellt werden konnte, daß ihre Quellt ip der Heimat gelegen war. 16 allen drei Fällen gelang es durch sofortige und gründliche. p Absperrungsmaßnahmen eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhüten. . Uni noch kurz die finanzielle Seite des Unternehmens zu berücksichtigen, so gelang es uns^ trotz der ständigen Teuerung, mit der Stiftungssumme; auszukommen. Insbesondere peshalb, weil es sich ein Teil der Väter nicht nehmen ließ, für die Unterhaltungskosten ihrer ^Kinder wesentlich beizu steuern. Zum Schluß darf noch ausgesprochen werden, daß die Kinder in Herrenalb im Orte,, wie bä den Wirtsleuten den besten Eindruck hinterlassen lt