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Der Orden Bne Briss · 1923-10-01 · Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923) · p. Seite 109

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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I, gangen und halle dort; einfach zu reden angefangen. Leute) hatten sich um ihn gesammelt, die seinen Worten ^lauächten, und da mit den Worten ihm der Worte Leidenschaft gekommen war, so hatten! Hörer sich zu Hörern gesellt und schließlich; war e|ne unübersehbare Menschenmenge derj Gewalt seiner' Rede! erlegen. }Sie haben geweint, Meister, sie haben alle geweint! Sie haben mir die Hände geküßt, sie haben mich auf den Schultern getragen! Meister, sie haben mich auf den Schultern getragen!« »Und was sagtest du ihnen?« fragte der Meister. »Der Mensch ist gut! rief ich in die Menge hinein und rief es immer wieder: Der Mensch ist gut! Und c ieser Krieg ist eine Lüge, ein Traum, ein Schlaf, ein; Abdruck der schlafenden Menschheit! Wicht äuf zur Oüte, Menschen, wacht zum Menschen «auf! Menschheit, zur Menschlichkeit! Und dann, was sägtest du da^in?< fragte der Meister. »Und dann!1 Hörst du denn nieiht, was ich sage? Ich rief die Menschheit zur j Menschheit zurück. Ich sch lug den Haß mit der Rute der Menschenliebe, der ewigen, großen, herrlichen Menschenliebe! Meister! Derselben Menschenliebe, die du un:i gelehrt!« »Wohl«, sagte der Meister, »ich verstehe . dich und bewurdere die Kraft deiner Rede, die die Menschen bezwang, woran ich nicht zweifele, > Sie werden noch lange Von dir reden, Gabriel.« »Sie haben mir die Hände geküßt, Meister, und mich auf di:n Schultern getragen.« Du bist b< geistert, wie du begeistert hast. Ruhe dich aus, Gabriel«, sprach der Meister. Gabriel ging. Als er zur Tür hinaus wollte, öffnete sie sich leise, und herein trat Uriel. fr kam nicht allein. Eine Anzahl Jünglinge und Männer in ärmlicher Kleidung folgten ihm und hielten sich in scheuer Entfernung. »Nun, Uriel? fragte der Meisteir. Uriel lächelte, und der Meister bemerkte, daß er glücklicn, wenn auch ein bischen müde aussah. Er begann zu reden, und seine Stimme : Entsagung. über den Markt, feister, und; durch alle Gassen. Ich sah in die Heimstätten der Menschen hinein und jauschte lihren Reden; unter dem ToreJ Aber wohin ich kam, trat mir war voll sanfter »Ich ging Selbstsucht entgegen, ich sah, wie die Oroßen die kleinen drückten und sah im Auge, aller den Haß gegen alle. Die Großen waren klein und noch kleiner die Kleinen. Keiner traute keinem, und alle wucherten mit allem. Nicht nur Geld wollten sie,- sondern auch ihr Wort, ihre Miene, ihr Lächeln, ihr Ja und Nein sollte ihnen Zinsen tragen. Ich' wollte reden, aber ich vermochte es nicht. Die Lippen waren mir wie versiegelt. Wahrlich, Meister, ich bin nicht geschaffen, um zur Buße! zu rufen, aber ein Leben in Liebe zu leben, dazu bin ich geschaffen. Ich suchte nach Augen, die mein Auge suchten, und ich fand die Augen der Suchenden, und der Sehnenden 'Atem mischte sich mit meinem. Meister, laß mich diese lmJ> lose Welt verlassen und mit den Freunden, die ich fand, die Einsamkeit sucheri. Wir wollen die Liebe verwirklichen im Stillen und das Menschliche im Frieden der Wälder.«:" Uriel schwieg. IWo bleibt Rafael?« fragte der Meister. Die Sonne sank, Rafael kam nicht. Gabriel wollte hinaus, ihn zu suchen, Uriel drängte es, mit. seinen Jüngern Abschied zu nehmen. Der Meister hielt beide zurück: »Wartet«, sagte er, er ist stets der Langsamsten einer gewesen, ich wußte, daß er der Letzte von euch sein Würde. Darum habt Geduld, denn Geduld ist Liebe, und um Liebe willen habe ich euch gesandt.« Als aber die Dämmerung gekommen war," und Rafael immer noch ausblieb,' machte sich der jMeister selber auf, ihn. zu suchen. Die Schüler schlossen sich ihm an. Und auch Uriels Jünger folgten ihm nach. Sie wanderten durch die c unklen Oassen und fanden, ihn schließlich an e nem Brunnen bei einem M&dchen stehen, dem |er lächelnde Worte sagte. •! {»Rafael!« rief der Meister. Der Angerufene fuhr, herum und stand rot übergössen vör seinem Meister, während das Mädchen scheu entwich. »Hast du die Zeit vergessen?, Was bleibst du so lang?« \ . ^O, Meister«, sprach Rafael, und seine Augen glänzten, »o^ -Meister, wie schöh ist die Welt, in di(e du mich sandtest!« i " r l»Ist sie wirklich so schöiji?««fragte defr Meister. »Wohlan, setzen wir! uns auf den Brunpenrand/und erzähle du uns, was du erlebt.« Ich habe nichts erlebt,’ Meister/« * . 109

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