Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i Du zogst doch aber aus, um zu erleben, Rafael? Meister, ich hatte keine Zeit. . Keine Zeit? Wie verstehe ich da??. Ja, Meister, ich ging in die Stadt hinab, und wie ich so ging, dachte ich : Warst lange nicht bei deinen alten Elfern, Rafael. Sag ihnen Guten Tag«, ehe du .dein Tagewerk tust! Wie ich aber in die Hütte trat,, war die Mutter krank, und der Alte mühte sich, ihr aqi Herd eine Suppe zu kochen. -Laß mich, Aiter,«' $agte ich und nahm ihm die Mühe ab und kochte die Suppe. Dann plauderte ich einige Zeit; schließlich ging ich meines Weges und dachte nach, wie sich wohl die arge -Welt ^bessern ließe. Meister,, es ist viel Störung in der Welt. Sieh, als ich so ging, kam ich an einem Sandhaufen vorbei, auf dem Kinder spielten. - Die Kinder stritten sich, denn sie spielten im Sande^uchen-. backen und-stritten sich um die hölzernen Formen, mit denen sie spielten. Da mußte ich denn Frieden stiften und den Größeren sagen, daß sie den Kleinen'das Vorrecht ließen. Und dann? .fragte der Meister ernst. Es ist wirklich viel Störung in der Welt, sagte Rafael, Du glaubst nicht, wie [viel! Als ich nämlich weitergirtg und auf den Markt kam, — ich dachte nämlich, auf dem Markte ließe sich am besten zu den Leuten reden — da sah ich, wie einer alten Hökerfrau: der Korb mit den Aepfeln hingefallen war. Da mußte ich doch helfen, das Obst einzusammeln, über das die Gassenbuben schon hergefallen waren.« Das ist dieselbe Frau, Meister, die all die schlimmen Jahre, als die Leute nichts zu essen hatten, mit ihren Aepfeln wucherte, und dem armen Volke noch nicht den Blick darauf gönnte 1 rief Gabriel dazwischen. . »Die Frau jammerte aber, das weiß ich genau, erwiderte .Rafael, »was sollte ich tun?;— Damit war es aber schon wieder Mittag geworden. Ich hatte meinen Alten versprochen, einmal wieder zu Hause zu essen, und so aß ich zu Hause und versorgte die kranke Mütter.« Rafael, Rafael!« sagte mit ernstem Kopfschütteln der Meister. »Nein, Meister* ich weiß, was du sagen willst. Abef es ist nicht so, ich hatte wirklich keine Zeit. Auch am Nachmittage — ich hatte jmir fest vorgenommen, auf dem Markte mein .Heil mit! der. Leuten zp versuchen—Uurde ich aufgehaljen. Ich hörtejplötzlich aus einem Hause lautes Geschrei, und sah durch das offene Fenster, wie ein Arbeitsmann feine Frau schlug. Recht unbarmherzig schlug, Meister. Es tat mir weh um das Weib, wiewohl sie esjan dem schuldi *en Gehorsajm wohl mocht: haben' fehlen lassen. Da lehnte ich mich ins Fen >ter, tat, als wenn ich nichts gesehen und gehört hätte, und fragte den M;inn ob er mir wohl einen guten.Schuster sagen kör nte Zuerst wandte er sich grimmig nach mir um, iber als ich so ganz ahnungslos tat und sachte ein Wort zum anderen fugte, das Weil» auch die Gelegenheit benutzt Hatte, um aus d;r Stube zu laufen, beruhigte er siah sichtlich. Als ich das sah, bat ich ihn sofort, mi ■ gegen eine Belohnung der Weg zu zeigen, was < r auch tab Aul dem \!/eg( kani ich vom Reden ins Scherzen; als er aber lächle, schickte ich Ihn nach Hause, denr ich wußte, nun würde er seiner Frau nich :s mehr (tun Laß mich gehen, Meister!« Uriel erhob sich vom Brunnenrand: Laß uns gehen! Er redet und redet und kommt nicht zum Ende!« »Still, Uriel! Npch eine letzte Frage an ihn, ‘dann gehe auch ich!; Der Meister erhob sicn und schaute Rafael mit (einem Blicke in die Äuget, von dem man nicht vj/ußte, war er stipng oder w;is war er? »Rafael,« sigte er, »du meinst, cjaß cs Störungen gebe im Leben. Rechnest du zu diesen Störungen auch, daß man am Abend schäkernd mit einem Mädcheß ain Brunnen stehen muß? Rafael wurde bljutrot im Gesich t. Dann sagte er leise: »Meister, ,Üu hast‘"nicht gesehen, wie häßlich und alternd das Mädchen war! Meister,« sprangGabriel auf,»dieserScfjwät;:er ist nie dein Schülejgewesen, gehen wh he m, denn die Nachtßst da!«; Nein, Gabriel Mit leuchtenden At sondern.die Sonne geht aujf? gen trat der Meister aujf Ra ael zu, schloß ihn in di: Arme,[küßte ihm Augdn, S irn und Mund und segnete ihn unter den (Sterten Uriel mürrisch dreinsahen, sprach der Meister ein letztes Wort> (»Drei Jünger der Menschenliebe zogt ihr aus j .in den leuchtenden Tag. Was bist du hinajusgestürmt, Gabriel, und lehrtest wieder trunken und selig? Und du, L riel? düsterer, ewig Suchender, was fliehst du die We t? Geht hin!und tut, wie) er getan! .Denn wißi : Groß ist Üie Menschheit, aber der Mansch ijst lplein!