Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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am Kunstschaffen ihres Landes und ihrer Zeit' Unter Berücksichtigung der Tatsache, j daß wir Juden in den westeuropäischen Ländern nilr einen kleinen Teil der Bevölkerung bilden, ist hiermit schon — man braucht nur an einige Namen voi^ künstlerischem Range zu denken — der Beweis erbracht, daß wir die Befähigung haben, in der Kunst Bedeutendes zu leisten. Die erste der eingari^s aufgestellten Fragen ist durch diese allgemein anerkannten Tatsachen beantwortet. Die zweite ist schwerer zu beantworten, ist doch die Beschäftigung mit freier Kunst bei uns noch zu jungen Datums und schon bei oberflächlicher Betrachtung der ausgesprochenen Typen unter den jüdischen Künstlern findet iman eine außerordentlich große Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit an seelischen und geistigen Kräften; es wird wohl späterem Urteil überlassen bleiben jüdischen Künstlern eirje Eigenart festgestellt werden kann. müssen, ob lunter den Von einer jüdischen noch nicht gesprochen volle Ansätze zu ihr sind jedoch zu bemerken, man denke an Werke w e den »Thoraschreiber« von Josef Israels und an seinen »Sohn des alten Volkes«, odejr an S hifszenberg?»Ooluth Kunst aber kann heute werden. Verheißungsalles Werkle, die £o nur und empfunden Werden von Juden geschaffen 'konnten. Auch in der Buchkunst und in der angewandten Kunst bei der Gestaltung von jüdischen Kultusgegenständen sind wir Sicherlich au: dem Wege zu eigenartigen Leistungen. Es erscheint mir ohne Zweifel, daß von jüdischen Zentren, sei es aus Osteuropa oder Vom Lande unserer Väter ausgehend, Entwicklijngsfpoglichkeiten gegeben sind, die in steigendem Maße auch auf die jüdischen Künstler in anderen Ländern befruchtend wirken werden. Die zahlreichen Kräfte, die heute in ernstem Schaffen überall am Werk sind, zeigen mit dem starken_J£ustrom der Jüngsten einen geradezu elementaren Drang bei unsi,‘ sich bildnerisch zu betätigen, und wenn die Lpgen ihren Grundsatz, Wissenschaft und Kunst zu fördern — was die Kunst anbelangt nicht auf dem Papier stehen lassen wollen, so bieten sich reiche Möglichkeiten hierzu. Bis jetzt' ist von seiten der Logen hierin nicht viel gescheiten: Es ist deshalb besonders zu begrüßen, daß’ diese Festnummer dem Gedanken einer Förderung der Kunst gewidmet sein soll. Der Weg zur'Ärbeit im Logensinne wird von anderer Seite gezeigt werden. Von einem Werke möchte ich nqch sprechen, dasmir so recht geeignet erscheint, die Möglichkeit zu zeigen, die eine jüdische Kunst bringen könnte. Es ist das Rembrandts Segen Jakbbs« (Cassel). Der große Meister hat -das jüdische Milieu gekannt und geliebt; der Zauber, der ihn als Zeugen der häuslichen Szene beim Kindes* segneni einst ergriffen haben muß, ist in seinem Werke aufgegangen und vielleicht steht uns dieses Werk so nahe, weil Wir das selbst an uns erlebt haben. . Fördern die Logen die jüdischen Künstler, die wie alle geistigen Arbeiter heute schwer zu ringen haben, dann fördern sie Ansehen und Ehre unseres Judentums. . -1 * Die große und die kleine Menschenliebe.) Eine Legende von Br. Emil Cohn- Bonn (Rheinland-Loge). seine Lehre, sondern sein volles'Leben. Er hatte sie schon als Knaben zu sich .'genommen, lebte mit ihnen in seinem alten, hohen Hause und verbrachte in der edelsten und liebevollsten Gemeinschaft mit ihnen seine Tage. Die Schüler dieses! weisen Mannes aber waren ihrer Natur und Art nach ganz verschieden. Es war einnfial ein weiser Manri, der hatte drei Schüler, unid menr wollte er nicht haben. Aber auch nicht weniger. Denn er pflegte zü sagen: »Ein Schüler — kein Schüler, zwei Schüler -Jhalbe Schüler, drei Schüler — ganze Schüler, -pjvier Schüler — kein Lehrer.« Diese drei» Schüler nun liebte er von ganzem Herzen und ganzer Seele und widmete ihnen nicht nur Gabriel, der älteste, war ein feuriger Jüngling, 107