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Der Orden Bne Briss · 1923-10-01 · Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923) · p. Seite 105

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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jenes Ringen nach innerlichem Freiwerden, das .vallein das Kriterium der Kunst ist. Dahingegen sind so übermenschliche Entladungen, wie sie zum Beispiel bei Dalumier zu gewissen Ueberspannungen, bei Toulouse-Lautrec oder andern zu scheinbar unmögljichen Verzerrungen führten, nicht Aeußerungen des Nichtkönnens, sondern Ausdrücke wildester seelischer Bewegung. Und was bei Michelangelo ein ungehemmtes Ueberladen scheint, bei den Präraffaeliten ein unmögliches In-die-Länge-zjehen, ist nur (fas Zeichen stärkster ^Empfindung, die diese Mitfel als einzige Ausdrucksmögljchkeit ließen. Das ist eben Stil: wenn gin starkes inneres Erleben seine reinste, logische, adäquate Außenforni gewönne^ hat. Seele und Erscheinung ist eins geworden. Das| aber zu unterscheiden, wo ursprünglich Schöpferisches im Menschen zu bildhafter Realisierung drängt, in scheinbar oder wirklicher Sprengung der Grenzen, bleibt Sache auserwählter Geistei!, deren Fühlen sich in jenen Regionen zu bewegen gewohnt ist. Dem Fernerstehenden wird ein wertvolles Urteil kaum gelingen, und Sicherheit ist sehr beschränkt Dingen gegenüber, deren Leben aus dem unerforschlichen Urgrund allep Seins entstammt, aus jenem geheimnisvollen Boden, aus dem alle Schöpfung entspringt. Hier kapn auch die exakt^ Forschung nicht zur Erleuchtung werden, umsbweniger je exakter sie ist, una es ist zu beklagjen, daß, wo dort die Unerfahrönheit schnell fertig mit dem Wort ist, hier oftmals einseitige i s s e n s - Voreingenommenheit am wirklichen Wesen vorbeigehf > l Es soll hier nicht auch auf handwerklich technische Schaffensbedingungen eingegangen werden, es sei nur angedeutef, . daß das M a - t e r i a I an sich seine starken Gesetze hat, die nicht verkannt werden dürfen, es gehe denn auf’ Kosten der inneren geistigen Struktur des Werkes. Es hat sich gezeigt, daß sich alle großen Künstler der Materie gebeugt haben, nachdem sie ihre Gesetze erkannt hatten. _ Das eben ist einer der wesentlichsten Momente des künstlerischen Schaffens, daß das innere Gesicht des. Künstlers, seine Phantasie, sei es durch Begabung, sei esdurch unablässige Disziplin, ausschließlich inldie Richtung gedrängt wird, die seinem'inneren.Gefühl das auch dem Material entsprechende Außenbild verleihen karin. Natürlich ist das seelisch Erlebte das einzig Wesentliche und Erste, eine rein individuelle persönliche Erschütterung, * die gärend und drängend an die Oberfläche strebt. Woher sie stammt,, ist dunkel; sie wird aber in ewiger Begegnung dann am' stärksten' auf die Außenwelt wirken, wenn d i e Form der Einkleidung gefunden wird, die ohne den geringsten Verlust der Bewegungsenergie am besten der Vorstellung entspricht und sie ganz umschließt.} Aus ihr heraus strömen, dann 'die Wellen der Ur-Beweguhg am mächtigsten in , die Umwelt hinaus. Dann ist es Nu(-Musik, Nur-Plastik Nur-Mälerei in klarster,, unaufhaltsam fließender Kraft und Wirkung. Ueber die Kunst bei den Juden. Von Br. Leo Hor'ovitz, Frankfurt a. Main (Markus Horovitz-Loge): Oft tritt die Frage an uns heran, ob fwir Juden befähigt seren, in der bildenden Kunst Bedeutendes zu leisten, ob bei jüdischen Künstlern eine Eigenart — eine spezifisch jüdische Note — festzustellen ist, und schließlich, ob von einer jüdischen Kunst gesprochen werden kann. Zur Beantwortung dieser Fragen ist es notwendig, Rückschau)zu halten auf die Geschichte unseres Volkes. Das strikte Verbot bildlicher Darstellung in den zehn Geboten wird von den Cesetzesauslegem hauptsächlich auf die plastische Darstellung (Runqfiguren) von Mensch und Tier, Fabelwesen u. a. bezogen. Es sollte' in seiner Schärfe vor allem, bewirken, daß der jüdische Begrifft von Gott als einein unpersönlichen, unvorstellbaren Wesen rein erhalten bleibt. Wie nahe die Gefahr eines Rückfalls zum Bilderdienst der umgebenden Völker lag, zeigt die Schaffung und Anbetung des goldenen Kalbes, als Moscheh nur we^nigt Tage den Augen des Volkes entrückt war, und ebenso zeigen es die Berichte der heiligen Schrift über die immer wieder auftauchfende Neigung zum Götzendienst im Lande unserer Väter. Wenn dieses Verbot auch schon in der biblischen 105

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