Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1923 (1923)
- Issue
- September (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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BF V kämpfen wollen. Ihre Hauptvertreter sind die W Söhne Salomon Oppenheims, Abraham Oppenheim (1804 —1878) und Simon Oppenheim (1803—1880), die in einer Immediateingabe an den König vom 5.. Januar 1841 die Befreiung der rheinischen Juden von dem infamen Dekret vom 17. - März 1808 erflehen und um nichts weiter bitten, als daß das »preußische Edikt vom 11. März 1812, unverkürzt seinem Worte und Geiste nach getumdhabt, ausgelegt in dem umfassenden, hochherzigen Sinn, in dem es gegeben worden« eingeführt werde. Auch auf die weitere Entwicklung der Dinge’ hat Abraham Oppenheim, der bedeutendere unter den Brüdern, keinen geringen Einfluß ausgeübt, so auf die Beschlußfassung des 7. rheinischen Landtages von 1845, der als erste Körperschaft für die Emanzipation der Juden eintrat. Als die preußische Regierung im Jahre 1847 dem Vereinigten Landtag den Entwurf eines Judengesetzes vorlegte, das »diese Frage um mehrere Jahrhunderte zurückzuwerfen droht«, wissen die rheinischen Gemeinden, an ihrer Spitze Köln, zur Abwendung der Gefahr keinen würdigeren nach Berlin zu entsenden als Abraham Oppenheim. Mit Gustav von Mevissen, einem der geistvollsten Vorkämpfer des deutschen Verfassungslebens, der die völlige Gleichstellung der Juden wünscht und in zwei Reden im Vereinigten Landtage »diese Frage der Menschheit« mit glühender Beredsamkeit behandelt, verknüpfen ihn persönliche Beziehungen. So dürfen die Kölner jüdische Oemeinde und Abraham Oppenheim das Verdienst für sich beanspruchen, verhindert zu haben, daß das Oesetz vom 23. Juli 1847 noch schlimmer ausgefallen ist. Unter den Juden aber, die eben noch geknechtet und aus dem Ohötto gekommen waren, befand sich gerade am Rhein so mancher, der für die Grundsätze der Freiheit und des Rechtes, für die Befreiung des Proletariats mit leidenschaftlicher Hingabe eintrat. Zu ihnen «gehört Moses Heß (1812—1875), der zeitweise in Köln lebte und wie die masten der hier Erwähnten auf dem Deutz er Friedhof ihre letzte Ruhestatt gefunden haben. Ihm war nicht nur der Messiasgedanke die Seele des Judentums und der Sinn der bürgerlichen Emanzipation der Juden nur ein Mittel der nationalen Erhaltung, um die sozial-ethische Missiondes Bibelvolkes zu erfüllen; er hat auch »als erster den deutlichen Sozialismus und damit den internationale i gedacht als die Ethik der nach den Kämpfen versöhnten Menschheit«. Auch Dr. med. Andreas Gottschalk (geb. 1813 in Düsseldorf) kanii hier nicht vergessen werden, obwohl er später zum evangelischen Christentum übeigegangen ist, weil eij der erste Führer der Kölner Artieiterpartei war und mit 36 Jahren als Opfer »einer Menschenliebe der Cholera im Jahre 1849 erregen ist Auf einem anderen Gebiete ha: sich David Levy EJkan (1808—1865) Lorbeeren errungen; die neuerfundene Lithographie, die in Köln einen ihrer Hauptsitze gewann, faid in dem altbeliebten Zeichner, Lehrer und Unternehmer mit seinem heiteren Talent ihren Hauptvertreter. So wird ein großer Teil des geistigen Lebens der damaligen Kölner Judenheit von dem S reben nach bürgerlicher Gleichberechtigung behei recht. Freilich, nachdem die Synagogengemeinde Köln auf Grund des Oesetzes vom 23. Juli 1847 aus dem Verbände des israelitischen Konsistoriums zu Bonn ausgeschieden war, beschäftigten Organisationsfragen jahrelang die Oemüter. Aber das religiöse Leben floß träge dahin. Die religiösen Bewegungen, die damals die deutsche Judenheit in ihrer Tiefe aufwühlten, sind an Köln spurlos vorübergegangen. Erst durch die Be- - rufung des hochgesinnten Rabbiners Dr. Israel Schwarz im Jahre 1857, der die von Abraham von Oppenheim geschenkte Synagoge 1801 einweihte, sowie durch seinen Nachfolger, den weit über das Rheinland hinaus berühmten Dr. Abrahäm Frank (1876—1917 Rabbiner in Köln), kamen neue religiöse und soziale Antriebe. Die Alliance lsra6lite Universelle fand durch diese beiden Männer auch in Köln und im Rheinland einen fruchtbaren‘Boden. Auch sonst wuchs lin der mit dem Aufblühen der Stadt schritthauenden jüdischen Gemeinde, entsprechend dem| Zuge der Zeit, der soziale Sinn. Dessen sind Zeugnis das von den Brüdern Eltzbacher 1870 gegründete Asyl für Kranke und Altersschwache, die Jahrzehnte später entstandenen Anstalten, 1 Cinderheim, Lehrlingsheim, Waisenhaus, in neuester Zeit die Kinderheilstätte Kreuznach, ferner die vielen Vereine, die, wie in anderen Gemeinden, der sozialen Wohlfahrt geweiht sind. Um die sittliche und religiöse Ertüchtigung der jüdischen 10 —