Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1923 (1923)
- Issue
- September (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Als Frucht jahrelanger rastloser Samtneltätfgkeii des sei. Br. Rabbiner Dr. Frank erstand in Köln-Braunsfeld, Aachener S(raße, das Israel. Waisenhaus, das 34 Kindern bis zu ihrem 14. Lebensjahre freundliches Obdach, liebevolle Pflege und beste Erziehung bietet. Als infolge des Krieges das Posener Waisenhaus seine Pforten schließen mußte, nahm das Kölner trotz der großen Ernährungsschwierigkeiten eine Anzahl der dortigen Zöglinge a^uf, wie es eine zweite Heimat auch mehreren Kriegswaisen gewörden ist Die Anstaltsleitung steht in reger urid ersprießlicher Fühlungnahme mit der städtischen Waisenpflege. Das Israel. Lehrlingsheim in der Utrechter Straße nimmt Jünglinge jüdischen Glaubens auf, die körperlich und sittlich vollwertig, sich dem Handwerk, Kunsthandwerk oder einem technischen Beruf widmen wollen; bewacht sie in ihrer sittlichen, geistigen und beruflichen Ausbildung und verpflegt sie im tjieime. Eine erfreuliche Anzahl jüdischer Handwerker, die in ihrem Fach Vorzügliches leisten und Stolz und Zierde ihres Standes wurden, sind aus dieser Anstalt hervorgegangen und strafeiji durch ihr Dasein den Antisemitismus täglich Lügen, der da noch heute behauptet, der Jude eigne sich nicht zum Handwerker. Br. Geh. Rat Dr. Auerbach hat sich somit ein großes Verdienst auch um das Judentum erworben. Als eine der jüngsten Schöpfungen der Menschenliebe ist die Israel. K i n d e r h eilst ä 11 e Kreuznach (Sitz Köln) zu nennen, welche aus den Geldern einer in _ Köln veranstalteten Millionensammlung vor drei Jahren hervorgegangen, jetzt in der Lage ist, zu gleicher Zeit 97 Kindern für einige Wochen Erholung, beste Verpflegung und gesundheitsfördernde und heilende Soolbäder zu gewähren. Auch eine beschränkte Anzahl erwachsener Frauen und Mädchen findet Aufnahme.!r Der Israel. Kipdersparvereip ist die einzige Institution Kölns, die vorschulpflichtige und schulpflichtige israelitische Kinder, die bei ihren Eltern wohnen, den ganzen Tag betreut. Aufgenommen werden erholungsbedürftige, rhachitisch und skrophulös veranlagte Kinder, die nach Angabe der Aerzte verpflegt werden, Soolbäder verabreicht erhalten und durch Aufenthalt im Freien, sowie durch Sonnenbäder ge- Vräftigt, während die größeren Kinder unter Aufsicht von Jugendleiterinnen ihre Schulaufgaben erledigen I und in Handfertigkeit und Gartenbau unterwiesen werden. Diej Jüdische Arbeitsstätte, und Brockensammlung »Peah« gibt arbeitslosen jüdischen Leuten Arbeit und Verdienst, indem sip durch sie Papierabfälle, Akten, Bücher, Kleidungsstücke, Schuhe, Möbel, Haüshaltungsgegenstände, die ihr von Geschäften und Privaten gespendet werden, abholen läßt. Die Abfälle werden sortiert, in Ballen gepreßt und verkauft. , Die Haushaltungsgegenstände werden an uribe- 1 mitteile Kölner Familien und Einzelpersonen an bestimmten Tagen zu ganz geringem Entgelt verkauft. Aus dem Erlös werden die Arbeitslöhne bestritten. - Ein jbegeisterndes Kanzel wort des Gemeinderabbiners Br. Expräs. Dr. Kober und ein sich dem anschließender warmer poetischer Appell des Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Br. Expräs. Emil Blumenau, öffnete vor. etlichen * Monaten Herzen und Hände vieler Gebefreudigen zu Gurlsten jener, die noch bis vor kurzem selber reichlich Outes taten und jetzt ihre eigene Not vor der Oeffentlichkeit verbergen und darum ganz besonders Not leiden. Sie sollen gesucht werden! und ihnen soll in verschwiegenster Weise geholfen werden. Der Fond nennt sich Notstandshilfe der Synagogen- . gemeinde Köln. Daß sich das Streben, wohltätig zu sein, * hicht erschöpft in der Liebe zu den räumlich Nächsten, sondern darüber hinaus sich auch erstreckt auf Nichtortsansässige, dafür zeugt der . Hilfsausschuß für jüdische Durchwan die rer. Er ist die Durchgangszentrale im Westen für die aus Osteuropa nach Liebersee (Arrierika, Kanada, Argentinien usw.) reisenden Auswanderer. Er hat unter Mitwirkung der staatlichen und städtischen Behörden im Köln- Deutzer Bahnhof Unterkunftsräume und "Schlafsäle eingerichtet, wo die Auswanderer von ihrer Ankunft bis zur Weiterreise untergebracht und verpflegt und wo ihnen Rat und . Mittel zur Ueberfahrt ausgesetzt werden. Im Jahre 1920/21 waren es etwa 90 000, im Jahre 1922 etwa - 40 000 Emigranten. Weiterhin unterhält der Hilfsausschuß für Einzeldurchreisende und in Köln wohnende jüdische Personen eine Be- — 5