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Der Orden Bne Briss · 1923-09-01 · September (9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beilage 1923 (1923)
Issue
September (9.1923)
Date
1923-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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aller Richtungen des deutschen Judentums, auch soweit sie sich in der Oeffentlichkeit und in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde als Gegner gegenüberstanden, zeichnete die Kölner Loge stets aus und nahm den Kämpfen bis auf den heutigen Tag die ihnen sonst innewohnende .Schärfe und Gereiztheit. In solcher Art isj die Loge in Köln ein Turm der jüdischen Einheit gewesen und geblieben und ragte auch als ejn solcher dem Ansehen und der inneren Kräft nach über sämtliche später sich entwickelnden andern Vereinigungen Kölner Juden empor. Zu allen Zeiten, iij denen kritische Fragen die Gemüter der Kölner Judenheit bewegten, richteten sich instinktiv die Blicke nicht nur der Logenbrüder, sondern aijch der der Loge fernstehenden jüdischen Kreise auf die Loge, horchten darauf was aus Loger kreisen gesagt und geraten wurden wußten die geistige und moralische Vertretung der jüdische 1 Interessen in den. besten Händen, wenn s ch die Loge ihrer annahm. Die Loge war es, c ie, man darf sagen, von Anfang ihrer Wirksamkeit an, der jüdischen Gemeinde die führenden Person m ihrer Verwaltung lieh, sodaß diese fast ohne Au inahme zunächst in der Loge die wirksame Schule des Logenlebens als Vorbereitung für ihre öffentliche Tätigkeit durchgemacht hatten. Dasselbe gilt für die Vertretung der Kölner Judenscjhaft in den städtischen Vertretungen und Ehrenämtern, hier natürlich nicht oh ie: Ausnahmen, vo^* allem seit der Neuordnung der politischen j Dinge. Führer auf sozialem Gebiete stellte die Loge sämtlichen in Köln bestehenden, sozial- und kulturell-jüdische Ziele fördernden Vereinigungen und Organisationen. Eine der Rheinland-Loge früher einmal aus Kreisen der Oroßloge beigelegte ehrende Charakterisierung rechtfertigt sich nicht anders als durch die Tatsache, daß die Rheinland-Loge aus ihren Reihen die Offiziere für soziale jüdische Arbeit erzog. Neben dem Grundgedanken dir Einheit ist es vor allem der Gedanke der sozialen jüdischen Pflichten gewesen, der vom ersten Tage der Rheinland- Loge an diese und durch sie {das Kölner jüdische Leben beeinflußte. Zur Zeit {der Gründung der ersten Loge in Köln waren noch nicht 6 Jahre verflossen, seit der Orden nach Deutschland überführt worden war. Es geschah auf Grund der wirksamsten und zielbewußtesten .Mitarbeit der S - Rheinlandj-Loge, unter Leitung ihres geistigen Führers E r. Dr. Benjamin Auerbach, daß nicht nur die Loge in Köln, sondern zunächst, die gesamten Legen in West- und Süddeutschland, sodann woh auch alle deutschen' Logen von dem echten Geiste jüdischer sozialer Arbeit durchdrunge i wurden und von ihm. ihr Oepräge erhielten. Aus Köln stammt der für,das Logenleben bis vor wenigen Monaten in Deutschland gültige Leitsatz: »Nichts für uns, alles für andere«. Nicht Herga be von Oeld zur Unterstützung Bedürftiger aus dem Gefühle religiöser oder moralischer Verpflichtung heraus wurde von den Brüdern verh ngt, sondern ehrliches Streben, sich in die Lage der zu unterstützenden Volkskreise hineinzulebei i, sich in ihre Seele hineinzufühlen, und von hie aus mir Einsetzung der eigenen Persönlichkeit zu helfen. Unter der Herrschaft dieser Grun< sätze, wandelte sich das gesamte Kölner Unt :rstützungs- und Wohltätigkeitswesen, fuße ld auf'der inneren und äußeren Arbeit der Loge, in eine einheitliche soziale Organisation Alles, w as die Loge auf dem Gebiete der Vereinheitlicl ung und der Erweckung des sozialen Geistes leiste te, war innerlich durchwärmt von dem Oeiste achten Judentums.'.Die Loge war es, die lange vor andern jüdischen Bestrebungen, welche heut das Verdienst allein in Anspruch nehmen wollen, in ihren Mitgliedern und weit darüber hinaus das Oefühl, Jude zu sein, lebendig werden ließ, den Stolz auf das Jude-sein erweckte, nicht in dem Sinn, wie er auf der einen* Seite wohl obzuwalten pflegte, des Trutzjudentums, und ebensowenig in dem umgekehrten Sinn des überheblicher. Nur-Judentums, sondern in dem, Sinne der ru ligen, festen, zuverlässigen Selbstverständlichkeit des Jude-Seins. Daß sich in der Loge jüdische Männer mit solcher Gesinnung zusammenfanden, war von unendlicher Bedeutung für das gan;:e jüdische Leben in Köln. * Die große Selten! eit und verschwindende Bedeutung' des Taufjudentums in einer so großen'Städt wie Köln ist na<h der Ueberzeugung aller' Sach-, kundigen in erster Linie mit auf das Wirken des Logengedankens zurückzuführen, und,es ist ein ehrendes Zeichen für den Logengedanken, daß wertvolle, teilweise führende Brüder der Loge offen bekennen durften, sie seien der»Oefahr des Abtrünnij ^werdens entrissen und den innerem I 3

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