Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 9/10 - September (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mannigfaltigkeit fder Bekenntnisse angezogen, und so machte er es sich zur Aufgabe, den verschiedenen Religionen etwas genauer ins Oesicht zu sehen. Treu seinem Volke und der Religion seiner Väter aber wollte er sein Leben der jüdischen Wissenschaft weihen und faßte den kühnen Entschluß, eine jüdische Nationalbibliothek in englischer Sprache herauszugeben. Mit der lieber- Setzung der Werke von Moses Mendelssohn machte er den Anfang. Nachdem er in Manchester eine Hauslehrerstelle angenommen hatte, benützte er die Muße, um sich Kenntnisse in denklassischenSprachen und im Italienischen anzueignen, schrieb auch einige jüdisch-geschichtliche Novellen für englische und amerikanischeZeitungen. Nun wandte sich Br. Silberstein nach Paris, um da »die französische Sprache au fond kennen zu lernen.« Seihen Unterhalt gewann er auch hier als Mitarbeiter einer französischen und Korrespondent einer englischen Zeitung. In Paris besuchte er die Öffentlichen Lehranstalten und hörte .die ersten Vorlesungen an der Universität. Seine sprachliche Begabung und umfangreiche Literaturkenntnis machten zwei brasilianische Studienfreunde, die von der brasilianischen Regierung nach Paris, gesandt waren, auf ihn aufmerksam Diese suchten ihn zur Uebemahme eines Lehrstuhl: ■ für neuere Sprachen und Literatur an der Universi tat in Rio de Janeiro zu gewinnen. Silberstein aber blieb inj Paris und studierte Arabisch, während er im Verkehr mit den brasilianischen Freunden Spanisch lernte. Krankheit tyiterbrach seine Studien. Als er sich kräftig genug fühlte, kehrte er iri die deutsche Heimat zurück und kam nach Breslau. Sein Plan, Lektor der arabischen Sprache zu werden, kam in dem Kriegsjahr1870nicht zur Durchführung; dafür übernahm er die Leitung des jüdischen Waisenhauses. Seine Wellerfahrung und Weite des geistigen Blicks nützte er nun iih engen Kreise in der Tiefe und Innigkeit seiner Menschenliebe. Waisenkindern wurdi; er Vater, Berater und Lehrer. Aber auch der Organisator, den Klugheit, und Oute die Wege finden ließen, für seine Waisenkinder, die in dem Fränkischen Hospital eine Unterkunft gefunden hatten, in M. W. Heymann den Oönner zu finden, ider die Mittel zur Errichtung eines modernen Waisenhauses gab. In unablässigem 'Ausbau des Waisenhauses zu einer Musteranstalt, der Eröffnung aller Bilv dungsanstalten der Stadt ffir die geistige Entwicklung seiner Schutzbefohlenen, ihrer Förderung nach Absolvierung der Schulzeit, der Errichtung eines! Mädchenheims für die schulentlassenen Mädchen, der Begründung eines Stipendienfbnds für Studierende, einer Unterstützungskasse für im Erwerbsleben stehende ehemalige Zöglinge betätigte er die Kraft und Güte seines väterlichen Herzens. . So nahm Br. Silberstein den Ordensgedanken als Ausdruck seines persönlichen Ideals in seiner Seele auf. Er wurde im Verein mit gleichgesinnten Freunden, von denen nur unser lieber Br. Expräs. Albert Peiser besonders genannt sei, der Begründer unserer Lessing-Loge; er schrieb das 'erste Protokoll in den Verhandlungen mit den Delegaten der Großloge, wurde der geistige Führer, der die Ideale des Ordens auch in der Kleinarbeit der Loge durchzuführen suchte. Dabei aber wurde er seiner geistigen Arbeit nicht untreu. In Parallelbildern aus dem religiösen Leben der verschiedenen Völker'' »Im Himmel und auf Erden« (Breslau 1896 bei Köbner) gab jer eine von wamtherziger Religiosität durchleuchtete Darstellung der verwandten Züge in den Weltreligionen. Eingeleitet von anerkennenden | Zuschriften der BBr. Rabbiner Dr. Rpsenthai und Guttmann fand dieses Büchlein Freunde in den verschiedenen Kreisen und Parteien jüdischer Wissenschaft. Margulies, David Kaufmann, Karpeles, Biberfeld drückten ihre Anerkennung aus. Die Seele seines Lebens aber war. sein Heim, in dem er in innigstem Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin einen Freundeskreis um sich sammelte, der eine Familie bildete in der Gleichheit. edlen Empfindend, geistiger Angeregtheit und warmherziger Menschenliebe. So war es ihm j vergönnt, nach mehrmals 30jährigem Wirken das 100jährige Jubiläum des Waisenhauses 1906 , an der Seite seiner Oattin, getragen von der Liebe seiner Waisenkinder und der Verehrung der , Breslauer Gemeinde, im Breslauer. Gotteshause zu begehen. In Güte und Weisheit dürfte er auf ein Leben schönen Erfolges zurückblicken. 1910 endete dieses Menschenlel>en, von dem Segen in alle Zukunft ausstrahlt.' t i , 87 - |