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Der Orden Bne Briss · 1923-09-01 · Nr. 9/10 - September (9.1923) · p. Seite 85

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Nr. 9/10 - September (9.1923)
Date
1923-09-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Die großen Führer der Judenheit bieten uns nicht immer do^ Beispiel einer starken Betonung' ihrer Zugehörigkeit zu Israel. Simon Wolf, der hochgestellte^ einflußreiche Glaubensgenosse, der in den Häusern der höchsten Staatsbeamten seines Vaterlandles freundschaftlich verkehrte, war sich dessen! stets bewußt, daß sein mannhaftes, Bekenntnis zu seinem altehrwürdigcn Glauben im Verein mit seiner lauteren Persönlichkeit nicht bloß ihm selber; sondern'zugleich dem gesamten Judentum Ehre und Freunde \|verbe. Sein Name wird unserer Gesamtheit auf dem weiten Erdenrunde für immer unvergeßlich bleibe;n. I Persönliche Erinnerungen an Br. Simon Wolf« Hygiene - Kongresses wollte, machte er mfr Nach Aufzeichnungen im Reisetagebuch Als Br. Siegiflund Bergei s. A. im Jahre, 1912 erfuhr, daß ich zum E esueh des Internationalen nach Washington fahren zur Pflicht, Br. Simon' Wolf zu besuchen und gab mir einige Zeilen an ihn mit. j Am 22. September, 9 Uhr Abends kam ich in Washington a|n und 24 Stunden später saß ich — nachdem icfl den ganzen Tag an den Ar-, beiten des Kongresse s teilgenommen hatte — im Bibliothekzimmer des berühmten Br. Simon Wolf. Wie bekannt er * in W. war, sollte ich schon auf der Fahrt zu ihm erfahren. Als ich dem Straßenbahnschaffner die Straße und Nummer des Fahrtzieles nannte, sagte er in fragendem Tone: to Mr. Wolf? Ich wurde von dem damals über 70 jährigen Bruder, der den Eindruck eines Sechzigers machte, Und seiner viel jüngeren (zweiten) FrauJ welche ebenso wie seine erste Gesellschaft der Quäker angehörte, aufgcfnommen, und wir kamen anregende Unterhaltung über amerikanische Verhältnisse, vonl seiner Tätigkeit als Oe* Frau der sehr freundlich bald in eine deutsche un Er erzählte mir sandter der Vereinigten Staaten in Aegypten (1881) und von der erlangten Würde eiges Ehrendoktors der Universität Straßburg, welcher er . 1871 für die zerstörte Bibliothek fünftausehd Bände geschenkt hatte.' Er zeigte mir 3 Bände mit 365 Autogramme^ hervorragender Amerikaner,, welche seine Tochter zu seinem 70. Oeburtstage gesammelt hatfe. Er war mit den meisten von ihnen in Beziehungen, mit vielen u. a. mit Karl Schurz befreundet gewesen. Er verkehrte mit Präsidenten der Vereinigten Staaten freundschaftlich und benutzte difese Freundschaft hauptsächlich dazu, den einwandernden armen Juden Erfl von Br. Dr. Salomon Steint hat. leichterungen zu verschaffen. War er/doch selbst als 12 jähriger Knabe aus der Pfalz, eingewandert. Am andern Mittag mußte ich-pünktlich um 12 Uhr im Büro des Br. Wolf sein. Er hatte, wie sein Nachfolger im Präsidium des Ordens Br. Kraus, ein großes Advokatenbüro, in welchem ihm sein Schwiegersohn Cohen . als Sozius zur Seite stand; diesen hatte er nach eigener Darstellung, 1881 für '3 Dollars die Woche als Laufbursche angenommen — von ihm hat er fünf Enkel. — Im Büro lernte ich den Rabbiner von Washington, Dr. Simon kennen, und dann gingen wir drei zum Lunch in den Klub, der für jeden Amerikaner ein zweites Heim1 bildet. Einen Tag später, an einem Mittwoch, mußte ich Br. Wolf von seinem Büro in der Mittagsstunde abholen, da er mit mir zur Bibliothek des Kongresses fahren wollte, deren Generaldirektor an jedem Mittwoch Empfang hat. Nachdem ich diesem, Mr. Potnam, yorgestellt war und durch ihn wieder mit einer Anzahl hoher Beamter aus allen möglichen Departeniaits und berühmten Gästen aus den verschiedensten Ländern bekannt gemacht war,'1 fuhren wir alle zusammen in den obersten Stock zum Lunch, Beim Abschied lud mich Mr. Wolf zum Abendessen am Freitag ein. Auf dem. Tisch standen zwei silberne Leuchter — nach seinen Worten — nicht des Freitags wegfen. Er halte die Leuchter jeden Abend auf dem Tische, weil in seinem Hause immer Sabbat sei, Welch ein glücklicher Mensch) der^ solchen Ausspruch tun kann! An diesem Abend zeigte nur Br. Wolf Briefe ‘ von amerikanischen Präsidenten und Ministern (Roosevelt, Hay) u. a. Hays Brief an* den Ordenspräsidenten Levi, nachdem die russische Re- - 85 -

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