Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 9/10 - September (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6727475-6029115-6074567--0408-4867086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gcöflten Verdienste erwarb. Der erste Inhaber dieser Auszeichnung war Präsident Taft, weichem sie das Ordenspräsidium — Simon Wolf an der Spitze — in einer feierlichen Audienz überreichte. Bei einer anderen Gelegenheit durfte die Ördensleitung dem Präsidenten eine Nachbildung der Steinernen Tafeln in Silber, mit den zehn Bundesworten ln hebräischer Sprache, als Zeichen der Anerkennung* darbringen. Alle diese Ehren des Staatsoberhauptes gehen auf die Initiative des Br. Simon Wolf zurück, der mit diesen Auszeichnungen die Loyalität der jüdischen Amerikaner zu beweisen bezweckte. In der inneren Politik finden wir Br. Wolf gleichfalls unermüdlich' tätig, um gegen jede judenfeindliche Stellungnahme von autoritativen Persönlichkeiten sogleich Protest zu erheben. Als jener Leutnant in fort Williams einen jüdiscHen Rekruten schikanierte;, sagte Simon Wolf in seiner Beschwerde: »Wenn der Leutnant den jungen Mann absichtlich gekränkt hat, so verdient er die hohe Ehre nicht, amerikanischer Bürger zu sein; hat er sich eine Entgleisung zu schulden kommen lassen, so ist es hohe Zeit, daß er über seine Pflichten als Mensch und als Offizier belehrt werde«. Das war der Ton, auf den die Kundgebungen unseres verewigten großenFührers gestimmt waren—an ihrem Erfolge War nach solcher Sprache nie zu zweifeln! Unserm Orden’ galt Wolfs ganze Liebe. Ursprünglich Freimaurer, hatte sich Wolf bereits in jungen Jahren dem Orden B. B. angeschlossen und hier gar bald die Stufenleiter der Ehren erklommen. Nach dem tiefbeldagten frühen Hinscheiden unseres Ordenspräsidenten Leo N. Levi (1904) übernahm Simon Wolf die Gesamtleitung des Ordens, um sie bereits nach wenigen Monaten (Februar 1905) in die Hände unseres prachtvollen, unvergleichlich tatkräftigen, edlen und reich begabt«! Präsidenten Adolf Kraus zu legen. Simon Wolf wurde unter Verleihung der Würde eines »Kanzlers für die Auswärtigen Angelegenheiten« zur Disposition gestellt, aber gerade in dieser — stillen — Wirksamkeit erzielte er seine gewaltigsten Erfolge! Und dennoch: es verging keine Tagung des hochw. Exekutivkomitees oder der; Großloge des Distrikts Nr. 1, ohne „daß Br. Wolf seine auf reicher Erfahrung gegründeten Ratschläge erteilt, seine Stimme beratend, mahnend,.!warnend, begütigend erhoben hätte. Und er war ein Redner von Gottes Onaden! Was er in seinem Beruf als R< chtsanwalt in Washington! geleistet, entzieht sich unserer Kenntnis; er hat sich aber auch die {Zeit genommen, im Haupttempel der Stadt aml Versöhnungstage zwischeif Mpssaph und NeTläh zu predigen! Die Verdienste des Br. Wolf um seine Gemeinde ehrte derer! Vorstand durch {eiinen glanzvollen Festgottesdienst an seinem 80. Öeburtstage (27. Oktober! 1917), bei welchen^ dem greisen Vorkämpfer für, das Judentum eirie j silberne Tabula gratulajtoria überreicht w urde. Auch am 85. Geburtstage war Br. Wolf [der Gegenstand allseitiger Kundgebungen von Seiten des Staates, der Stadt, der Gemeinde, des Handels und der Anwaltskammer, des Orden > lind der vielen humanitären, jüdischen und —j in demselben Maße — interkonfessionellen Im titjute, denep er sein Herzl und seine Hand öffnete. Präsident Harding sandte dem Jubilar nebst seiner eigenhändig Unterzeichneten Photographie einen Korb mit 85 weißen Rosen. j Die deutschen Lojgen hatten sich 19 7iangeschnckt, den 80. Geburtstag dieses wahrhaften B. B. {durch ein treues Gedenken zu begehen — ein'Fiestaufsatz aus meiner Feder war! Weits gesetzt und korrigiert — da suspendierte das Eintreten der Union in den Weltkrieg die freundschaftlichen Beziehungjen zwischen uns und;unseren;, Brüdern jenseits des Weltmeeres. Aber ihre Herzen schlugen für uns, und unsere .ejden fanden bei ihnen schmerzlichen Widerhai. | Als geborener Oesterreicher — oder Bayer — plütete auch Br. Wolfs Herz: bei den sich immer Steigernden Leiden Deutschlands und Oesterreichs — diesem Elend finhalt zu tun, wsjr ihm leider nicht möglich! Aber für mancherlei {Milderungen und Erleichterungen ist Wolf dennoch eingetreten, deren Erfolge seine sicherlich bald . erscheinende Lebensgleschichte verbuchen wird. Zu erwähnen ist] schließlich, daß Wolf isich — im Gegensatz zu vielen Reform ratjbinem seines Vaterlandes —■ mit ganzer Kraft für Iden Wiederaufbau Palästinas eingesetzt hat, wie denn überhaupt seine ganzejWelt-und Lebensauffassung fest im Judentum und seiner Geschichte wurzelte. »Er war ein Jude und war stolz darauf!« (,fHe was a Jew and he was proud of itl”) das sind die Worte,! die Simon Wolf letri^illig als Orabschrift bestimmt hat. — 84