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Der Orden Bne Briss · 1923-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August (7.1923) · p. Seite 60

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August (7.1923)
Date
1923-07-01
Page
Seite 60 (sequence 6)
Language
German
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Fürsorge, durch dieGemeitide des Unterstützungs- Wohnsitzes, die mehr oder weniger verschleierte Armenunterstützung, die früher eine Ausnahme war,' heute die Regel bildet. Das bedeutet also in der Praxis die Abwälzung der sozialen Fürsorge im weitesten Sinn auf die Kassen der großen Städte und Gemeinden. So stützt sich heute. letzten Endes die. öffentliche Fürsorge auf den Unterbau des großen städtischen oder staatlichen — Defizits! Die Sicherheit dieser Unterlage - zu beurteilen bleibe wirtschaftlichen und auch politischen Sachverständigen überlassen. ■ Wie steht es bei solchem Befinden der Einrichtungen und Körperschaften der Fürsorge mit den Mitteln, den ausführenden Organen der öffentlichen Fürsorge? Hier meine ich z. B. die Zweige der Wohnungsfürsorge, Unterhaltsfürsorge, Erziehungs- und Altersfürsorge, Gesundheitsschutz. — Nur auf einige Punkte, die weniger häufig in der Oeffentlichkeit erwähnt werden, möchte ich hinweisen. Vor dem Kriege hat man das Elendkaseniiert; man riß ganze*Straßenviertel ein und man baute draußen vor der Stadt hygienisch eingerichtete Kolonien und Anstalten für die Bedürftigen und Armen. — Auch heute treffe ich täglich noch Leute, die mich fragen: Wo kann ich diesen oder jenen Verwandten unterbringen? Was mache ich mit tneinem alten Vater? Wo ist das Versorgungshaus, die Krankenanstalt, für diese oder jene Zwecke? Wie kann man diese Familie verpflanzen? und dergleichen mehr. —» Die Zeiten, in denen wir uns vor dem Elend isolieren konnten, sind vorbei,, es wohnt uhter uns! — Die anstaltsmäßige Unterbringung Bedürftiger, früher eine selbstverständliche Forderung der Fürsofge, ist nicht mehr durchführbar. An ihren Platz tritt in zunehmendem Maße die Fürsorge und Pflege am Orte der Bedürftigkeit, sei es im Hause, sei es an der Arbeitsstätte, in der Schule. Es ist vor allem eine neue Art der H a u s p f 1 eg e, die ich' hier erwähnen muß, die nicht Almosen austeilt, sondern mit geschultem Blick Hand an die Wurzel des Uebels legt Die beamtete Hauspflege in weitestem Sinne ist den Zeitverhältnissen angepaßt und vermag bei relativ wenig Kosten in einem großen Wirkungskreise schnell und durchgreifend tüchtige Hilfe zu leisten. Besonders empfindlich betroffen im Rahmen der Fürsorge ist dieG esundheitsfürsorge. Daß di*, verdienstvolle Frankfurter Tuberkulo.sefürsorgi zu Orunde geht oder mindestens in ihrer Wirksamkeit so eingeschränkt ist, daß ihre Tätigkeit breiten Massen nichts mehr putzen kann, dürfte nicht allgemein bekannt sein. — Vielfach besteht der ungesunde Zustand, daß bei großer Nachfrage nach Krankenhausbetten zeitweise ganze große Abteilungen aus rein ökonomischen Gründen leer sind. — Im Versicherungs- und Kassenwesen muß die Durchführung kostspieliger ärztlicher Maßnahmen, wie Röntgenuntersuchungen, besondere Heilkuren, so notwendig j sie sind, unterbleiben, da kein, Geld vorhanden ist. — Ganz schlimm steht es mit dfer Altersversorgung. Eine Stadt wie. Frankfurt a. M. besitzt kaum eine Möglichkeit, ihre armen, älten, gebrechlichen Bürger in dauernder Pflege unterzubringen. — Die hiesige jüdische Altersversorgungsanstalt ist, soviel darin geleistet wird, kajum mehr als eine Einrichtung von sym- . bolischer Bedeutung. Die dort untergebrachten Pfleglinge sind nur ein verschwindender Prozentsatz der j Bedürftigen. Uno nun zum Wichtigsten: Alles, was wir bisher geschildert haben: die Verarmung der öffentlichen Körperschaften und ihre Nöt, die Dürftigkeit und Unzulänglichkeit der Mittel, alles dieses wäre zu überwinden und erlaubte noch nicht von einem »Zusammenbruch« zu sprechen» wenn nfcht ein Drittes hinzukäme,' was den Gegenstand der Fürsorge betrifft. —1 Wer hat frühjer die Einrichtungen der öffentlichen Fürsorge in Anspruch genommen? 1. Die schwer arbeitend^ Klasse der Industriearbeiter, dije sich aber den Rechtsanspruch auf die Schutzgesetze redlich erarbeiteten wie der Beamte seine Altersversorgung. 2. Eine kleine Schicht von Aeiimsten der Armejn, durch Krankheit unverschuldet! oder, was nicht selten war, mit Schuld in bitterje Not geraten, die der öffentlichen: Armenfürsorge anheim fielen. — Auf die Bedürfnisse dieser Kreisle ist die Organisation der öffentlichen Fürsorge seit ihrem Bestehen eingestellt worden. Wer von uns erinnert sic|i nicht genau der Schrecken, die das Wort »Krankenhaus« verursachte, wenn Hauspe|rsonal erkrankt jwar. Die Inanspruchnahme öffentlicher Armenfürfcorge aber galt als Schande und war sogar mif ehrenrechtlichen Nachteilen verknüpft.

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