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Der Orden Bne Briss · 1923-03-01 · Nr. 3/4 - März/April (3.1923) · p. Seite 37

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Nr. 3/4 - März/April (3.1923)
Date
1923-03-01
Page
Seite 37 (sequence 22)
Language
German
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wissen, daß Zuneigung eine Eigenschaft ist, die naturgemäß eine gegenseitige ist. Alle j materiellen Differenzen werden leitht überbrückt, wenn män weiß, daß auf beiden Seiten der Wille Vorhände i ist, jm Interesse derselben Sache zu wirken. j 1 In ihren Ansprachen hiben die lieben Brüder soviel I Schönes von den Verdiensten des Oroßpräsidenten vorzubringen gewußt. Wenn all diesi Vorzüge, die Sie dem Oroßpräsidenten zuschreiben, bei | mir in dieser Ueberschwänglichkeit nicht zutreflen, so jsind doch diese Worte für meinen Nachfolger von fedeutung. Aus ihnen ersieht er, wie der Großpräsident! ein muß. S 51! Für meinen Nachfolger habe Ich den einen Wunsch, 'man möge nie zurücksehnen die (Zeit meiner Tätigkeit als Großpräsident. . Nehmen Sie nochmals alle, dje Sie hier versammelt sind, meinen herzlichsten Dink entgegen.und übermitteln Sie Dank und Oruß allen Ihren Logen und Vereinigungen. -1 Mit tiefster Bewegung, aus ^ollstem und aufrichtigstem Herzen rufe ich dem gesamten Orden des U.<f5 B.B., insbesondere dem deutsch« n Distrikt den Wunsch zu: er blühe, wachse ur.d gedeihe! Vizegroßpräsident ßr. Lijser: Meine lieben Schwes:em und Brüderl Die weihevolle Festesstinde n^igt sich zum Ende; in Harmonien von Künstlerhar d hervorgezaubert, so wie sie begonnen,-’soll sie auskling« n und noch lange nacHhallen ,in uns allen. Ich darivorht r noch einige Worte zu Ihnen sprechen und vor allem mit Ihrer aller. Einverständnis feststellen, daß ein Oroßpr isident,| der in der Lage ist, nach einer langen und anstrengenden Feier mit solcher Elastizität, mit so viel köstlichen) Humor zu uns zu sprechen, eigentlich keiner Entlastung bedarf. UndnuneinkurzesWortl inen, hpchverehrterFreurid! Ich will der Pyramide von Huldig ingen, die hier errichtet Wurde, nicht noch ein Steinchen hinrufügen, will dem Spiegelbild, das von Ihnen entworfen wurde, keine Facetten aufsetzen, nur ujn in ihnen das Licht farbig aufsprühen zu sehen. Nicht dem bewährten Führer, dem Organisator, dem rastlos schaffendenGroßpräsidenten jiltmeiriWort.demMenschen Timendorfer,.dem Freunde, «lern Bruder, soll der Ausklang dieser Sitzung gelten. Ihr: Oeracjlinigkeit, Ihre kristall-, klare Menschlichkeit, Ihr wairaherziges Interesse für jeden einzelnen von uns, sie sind es, die [wir an fhrien so lieben und vor denen wir uns in Ehrfurcht neigen. , Wahrlich Ihnen ward „der echte Rirg gegeben“. An dem Altar Ihrer schönen, klaren, warm lerzigen Menschlichkeit haben wir alle die Fackel entzündet, die wir vorausgetragen haben in unseren Logen. J indere Organisationen leisten vielleicht noch mehr als wir , tuf humanitärem und sozialem Gebiet, aber hur in der Eigenart unserer Logen erwächst das Verhältnis von Mensch zu Mensen. Die Freundschaft, die Brüderlichkeit, sie kann nicht besser gekennzeichnet werden, als indem wir hinweisen aif Bertüjoid Timendprfer, den wir innig lieben als einen unserer Besten, als den Mann, von dem wir'wisseh, ein Tel unseres Herzens gehört ihm. Die Eintracht des Ordens, die er gefestigt Hat, entspricht der Harmonie seiner edlen Persönlichkeit, der Harmonie des Hauses, das er so vorbildlich fjihrt Lassen Sie mich, meine Brüder, mit der innigen Bitte; an Gott schließen, er möge den Lebensabend dieses Mannes segnen, ihn segnen und sein Haus, damit unser Br. Timendor er sich freue bis in späte Jahre an,i dem Werke, dem er gedient und dem er zu großem Ansehen < in rastloser Arbeit verholten hat. Er. möge sehen, daß die Arbeit dei Ordens dem gesamten Judentum zugute komme, er möge noch erleben, daß das Vaterland ’ befreit sei von der Not und Drangsal dieser Tage;' damit er, derglühende Va erlandsfreund, Deutschlands glücklichere Zukunft noch schaue! /- Die von Hr. Wittenberg vorgetragene Romanze von Beethoven gafi der erhebenden Feier einen wirkungsvollen Abschluß. * * * I -* - - .’ , ' m Bei dem sich um 8 Uhr anschließenden F e 41 m a h I erfreute die Teilnehmer der neugewählte Vizegroßpräsident Br. Rabb. Dr. Baeck mit einer feinsinnigen .Ansprache. Der Redner schildert zunächst die Empfindungen, die Br. Timendorfer an diesem Tage, im Ernsten- Wie im Frohen wohl gehabt habe. Jetzt seien wir in einer Pause dieses Tages, zwischen den Oängen beim Essen. Wenn von einem Kleinen an ein Großes erinnert werden darf, so könnte man jetzt daran erinnern, daß die Stellung Timendorfers di«! zwischen den Zeiten sei. Pas sei seine historische Stellung; denn wer. ein Vierteljahrhundcrt an der Spitze des deutschen Distriktes gestanden habe, habe in der Geschieht« der deutschen Juden seinen historischen Platz. ' . Für die Ges< hichte der deutschen und auch der österreichischen Juden in den letzten Jahrzehnten ist eines charakteristisch: :ine Generation ist ausgefallen, die Oeneraßon von Kaiser Friedrich 111. hier, die von Kronprinz' Rudolf dort. Ai f den Großvater folgte unmittelbar-der Enkel. Alle die, welche Jahre und Jahrzehnte gewartet und erwartet hatt en, alle die, welche darauf gehofft hatten, daß mit derZeit von Kaiser Friedrich hier oder von Kronprinz Rudolf dort ihre Zeit kommen werde, haben diese ihre Zeit, ehe sie begann, wieder entschwinden sehen. Eine Oeneration ist sc mit ihren Oedanken, ihren Bestrebungen und ihren Idealen ausgefallen. Auf den-rGroßvater 'war in der Herrschaft der Enkel gefolgt, das Geschlecht,' demdie Zeit dazwisc len hätte gehören sollen, hatte ' keinen Platz in der Geschichte gefunden. Politisch' apsgedrückt , folgte auf das konservative Regime das sozialistische, dem bürgerlichen Liberalismus blieb seine Stätte und^ seine Zeit versagt. , Auch bei un i Juden ist in vieler Hinsicht eine Generation ausgefallen. Auf die Großeltern folgte auch bei Uns, so scheint es, u imittelbar der Enkel. Wenn wir an die Zeit zurückdenke l, die etwa vier Jahrzehnte, hinter uns liegt; damals sei ien unser Judentum in Deutschland die r Religion nur no :h der alten Generation zu-sein. Der Großvater be'saß sic noch, der Sohn, so wußte man es, stand ihr schon fern, und der Enkel, so glaubte man jes Voraussagen zu r lüssen, würde ihr verloren sein. Aber es ist doch anders gekommen. Wir sind in der Gegenwart Zeugen - einer,Renaissance im Judentum geworden; ,in der jungen Gei leration, in der der Enkel, -ist das Judeh- - 37 — - ■ f *

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