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Der Orden Bne Briss · 1923-03-01 · Nr. 3/4 - März/April (3.1923) · p. Seite 24

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Nr. 3/4 - März/April (3.1923)
Date
1923-03-01
Page
Seite 24 (sequence 9)
Language
German
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1 i;!'.* i der Beamtenlaufbahn für die Beratungen der Großloge von besonderem Wert sein würde. Politik i^nd Religion sollen vom Logenleben ferngehalten werden.' Dieser wohlweisen Beschränkung die rechte Auslegung zu geben, hier die Grenzen richtig zu ziehen, war eine der schwierigsten Aufgaben, vor die Br. Timendorfer gestellt wurde. ■ Bei dem zunächst mehr akademischen Disput, ob wir einen, «jüdischen Orden « oder einen »Orden jüdischer Männer* bilden, hat Br. Timendorfer als Großpräsident sich ohne Zögern auf den Standpunkt der unbedingten Bejahung des Judentums gestellt.- Daß der Orden sich auf Judentum aufbaut, daß im Judentum die Wurzeln seiner Kraft stecken, war ihm selbstverständlich. Er ist sich darüber klar, daß die Betonung der jüdischen Note unseres Bundes eine Lebensfrage für Uns ist/ daß sie Sein oder Nichtsein des Ordens bedeutet. Dies hinderte Br. Timendorfer nicht, den interkonfessionellen, rein menschlichen Gesichtspunkt niemals aus dem Auge zu verlieren, bei jedem allgemeinen Notstand den Orden zur tatkräftigen Hilfsärbeit aufzurufen. Eine seiner Lieblingsvorstellijngen, die er auch jetzt wieder bei der Aktion für das Ruhrgebiet mit Nachdruck in den Vordergrund .stellt, war die patriotische Einheitsfront, aller Parteien und Konfessionen im Dienste des Vaterlandes. Der Großpräsident .steht unentwegt aüf dem Standpunkt, daß die Neutralität der unverrückbare Boden des Ordens und der Logen zu bleibeir hat, daß wir jedoch alle aktuellen Gegenwartsprobleme, diedie Forderung des Tages’j bilden, zum mindesten referierend in unsere Logenverhandlungen einbeziehen können. Alle Strömungen, Bewegungen, Richtungen, Stimmungen, die von Zeit zu Zeit den Frieden des Ordens zu gefährden drohten, verstand Timendorfer nicht.nur unter Kontrolle zu palten, wohltätig zu beeinflussen’und in ruhige Eiahnen zu lenken,^sondern sie dem Ordensleben fruchtbar und nutzbar zu machen. ■ Er erkannte, daß wir uns nicht den Luxus leisten können, [auf [irgendwelche Kraftquellen jüdischer Begeisterung zu verzichten, auch wo politische Endziele sich nicht mit unseren Ueberzeugungen decken. Jeci Aktion für notleidende Glaubensbrüder in Ru fland, in Galizien, in Rumänien, im Orient, für ihre Seßhaftmachung und für ihre Kultivierung, für de Organisierung der Auswanderung, für den Vr iederaufbau Palästinas als allgemein jüdisches tlilfswerk, für die Versorgung de - Pogromwaisei^ fand bei Br. Timendorfer nachdrückliche Befürwortung. In Ider vielerörterten »Ostjudenfrage« verfocht Timer dorfer den einzig wahren, einzig humanen, einzig jjüdischen Standpunkt, daß bei aller Rücksicht auf berechtigte Interessen unserer Selbsterhalt mg es unsere heiligste Ordenspflicht bleibt, den Opfern der Verfolgung unseren uneingeschränkten Beistand zuteil werden zu lassen. Unve: gessen soll ihm das Wprt bleiben, das er bei d jn Verhandlungen des Berliner Lßgentages spract: >Es darf kein Zweifel darüber sein, daß die Ehre der verfolgten ausländischen Dlaubensgeno« i|sen auch unsere "Ehre ist, unc daß wir HancL Herz und Kopf nicht ruhen lassen dürfen, ihnen zu helfen.« Nich dem Vorbilde Maretzkis liegt dem Groß Präsidenten die Förderung geist ger Interesser am Herzen. Er inspiriert die Abhaltung von Vorträgen, die Entsendung von Rednern, er betont die Notwendigkeit, das Niveau der Loge ^Verhandlungen in eine höhere Sphäre der Geisilgkeit zu heben. Er erkannte, daß auch die Ijekämpfung des Antisemitismus nicht nur als ejne Frage der Abwehr aufzufassen ist, die in p jüitischen Auseinandersetzungen at sgetragen wird, | sondern als ein geistiges Problem, daß es gerat e unsere Aufgabe ist, Aufklärung und Belehrt ng zu verbreiten, dem jüdischen Antisemi ismus nicht minder kraftvoll zu begegnen wie dem außerjüdischen, und daß iichließlich das Rückgrat aller Gegenwehr in der Stärkung des , üdischen Bewußtseins beruht. 1 imendorfer stand Pate bei der Begründung der »Mo ritz Manheimer-Stiftung«,die Gerechi igkeitund Dulcsamkeit als Grundpfeiler der menschlichen Gesdlschaft propagiert. Ersetzte seine Autorität für c ie Begründung einer »jüdischen Ajcademie der Wissenschaften« ein, der er die seiner Verfügung unte-stehende »Timendorfer-Stiftung* überließ. j Ait Feuereifer verhalf er dem Gediinken der Errichtung des »Kultur-Fonds«, zur Rettung jüdi eher Bildungsanstalten, zur Erhalturig jüdischer Kultur, zum Siege. In dem »Ktlturfdnd« 24

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