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Der Orden Bne Briss · 1923-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar · p. Seite 12

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gawieningsprozesses. Daß Jude sein etwas ganz anderes bedeutet als schwane Haare haben und einen alttestamentarischen Namen tragen, daß die Judenfrage weit mehr ist als ein sozial-politisches und Rassenproblem, ja daß alle diese Aeusseriichkeiten zum Judesein in keinem anderen Verhältnis stehen als die Farbenpalette zum Gemälde^ daß Jude sein heißt Bar mizwoh sein, Sohn göttlicher Pflichten, jener Pflicht, die Abraham auf sich nahm, als er aus der »gottlosen« babylonischen Zivilisation nach Kanaart ging, dem Ewigen einen Altar zu bauen, und daß wir Erben, Hüter und, wenn es nötig ist, Wiedererrichter dieses Altars sein sollen, wollen und werden — Luschan selber zitiert: Die fremden Eroberer kommen und gehen, sie herrschen, wir aber bleiben bestehen« — und daß für jins im Sinne dieser welthistorischen Auffassung des Judentums die europäische Judenfrage nur ein Teilproblem, eine’Phase, ein Durchgangsstadium, eine Buddhastufe auf dem Wege unserer und der Weltvollendung bedeuiet, das ahnt v. Luschan nicht und flitzt daher nur wie das Scheibensteiflchen überm Wasser an , der Oberfläche des tiefen, weltabgrund-tiefen Problemkomplexes dahin. Es ist bedauerlich, daß seine zionistischen Freunde, von denen er spricht, ihm keinen höheren und wahreren Begriff Vom Judentum und vom Zionismus zu geben wußten; den er als »eine im allergrößten Stile dnrehgeführte Wohttätigkeitsaktion für die bedrängten Ostjuden« mißversteht, unddaß der Verlag st iae nahen Beziehungen zu Vertretern des heutigen positiven Judentunis nicht ausgenotzt hat, um einen christf hellen Mitarbeiter von den Qualitäten Luschans einen tieferen Einblick in die Judenfrage und, was dann unausbleiblich gewesen wäre, einen Anstoß zu einer ernsteren Würdjgung dieser weit über Jetztzeit und Europa, über Assimilation, Antisemitismus, Zionismus und Orthodoxie hinauigreifenden Frage der Menschheitsentwicklung zu| geben. Dann wäre er vielleicht zu' dem Empfinden ge-j kommen, daß das Judentum‘Werte und das jüdische Volk' Kräfte in sich tragen, die vielleicht doch zu schade sind, einfach in den! Tohubawöhu der europäischen Jetztzeit, unterzugehen, 'Diaraeli-, Gambetta-, Rathenaurollen zu! spielen, Heine-, Marx- und J^ssalleschicksale zu erleiden, Luxemburg- und Landauertode zu sterben, als.Kapell-i meiste, Regisseure- und Sänj>jer''lür Richard Wagner zu werben, den . Verfasser des »Judentums: in der Musik« und Schwiegervater des Antiseftnitesiapostels Chamberlains, als Dirigent, wie jüngst Bruno'Walter, München verlassen zu müssen und wie Emstein vom Auditorium mit Scharren begrüßt zu werden, . und wje . das jüdische Schicksal sonst noch näher besehen in dieser »idealen Symbiose* sein mag, und daß wir folglich den Gedanken einer j »guten Mischung«. ablehnen müssen. Nicht aus Stolz 1 oder Starrsinn, sondernim Pflichtbewußtsein und in dem schmerzlichen Gefühl, daß wir bei dem heutigen Niveau der Weltmoral als die Ideenträger der biblischen Ideale noch immer kein Recbt'besitzen, von der Bühne des Welttheaters abzutreten; daß wirvielmehrmitallen Kräften danach streben müssen, durch zierbewuftte Pflege, Vertiefung und Verbreitung des spezifisch jüdischen Wesens auf die Menschheit in jenem Sinne zu wirken, wie wir es in der Vergangenheit freiwillig - unfreiwillig durch Christentum und jsJam getan, doch bei weitem noch nicht nachhaltig — Kt genug, unid wie wir es in den kommenden Akten der Menschheitsgeschichte noch tun zu können hoffen, auf daß die Idtjale, die Abraham vorempfunden, Moie erstrebt und jlesaia gepredigt haben, am Ende doch noch Wirklichkeit! und Wahrheit werden. K. Juden in der deutschen Literatur. — Essays überjzeitgenössische Schriftsteller - herausg«geben von Gustaf Krojanker — 1922 — Welt-Verlag, Berlin. Zwischen dem Vorwort des Herausgebers Gustav Krojanker uhd dem Schlußaufsatz von Alfred Wollensteirf »Das neue (Jichtertum des Juden* werden 23 Persönlichkeiten gezeichnet: Franz Werfel, Georg Hermann, Alfred Kerr, Franz Kafka, Albert Ehrenstein, Alfred Döblin, Jacob Wass srmann, Maximilian Harden, Alfred Monbert, Otto Weinir ger, Hugo von Hofmannsthal, Martin Euber, Else Laske -Schüler, Peter Altenberg,, Richard Beer- Hofjnann, \rthur Schnitzler, Paul Kornfeld, Fudolf Borbi’ardt, Arnold Zweig, Paul Adler, Morüz Heiinann, Carl StemHe m, Max Brod. Unter diesen Persönlich! ceiten sind Dichtei und Schriftsteller, die die tiefsten Bindungen mit Judentum i aulweisen, und solche, die diese Bindi ngen in sich selbst zu überwinden bestrebt sind od^r waren, auch solche^ die — von vergangener Generation vom Judentum gelöst — noch geistige Züge der Verbundenheit zeigen. Der Punkt oder die Linie soll gezeigt werden, der oder die als gemeinsam anzusprechen ist. T efste Tragik, sprilhender Witz, spielerische Gestaltung, starke Kunst und C berflächenformung, Konzentration und seelische Zerrissenhfei I, fast überall aber stärkste Geistigkeit -- all das tritt jeweils bei den Gezeichneten in Erscheinung. Die Aufsätz : der verschiedenen Autoren sind ungleich — manche von außerordentlicher Kraft. Ueberblickt man die Ausstrahlungen der vorgezeichneten Port-aits, man dem Wort des Sclmitzlerschen Obergeistigen so stimmt Ieutnants Stjuizides Rass’.“ zu: „Es ist schon eine sondei! bare Dr. Älfr. Goldschmidt. U eberblick über diebibi. undnachb i b I. j ü d. Geschichte, für die Wiederholung bearb:itet von S. Müller, 2. verbesserte und vermehrte Auflage. J. B. Metzjersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1922. Der bekannte Verfasser von anerkannten, guten ausführlichen üiehrbüchera über bibl. und nachbibl. jüd. Geschichte’) gibt hier für die Wiederholung einen Ueberblick über .aas gesamte Gebiet des urrtfangreichen Sto ffes. Auf 65 Seifen wird hier in übersichtlicher Darstellung n Abriß der!Geschichte unserer Glaubensgemeinschaft gegeben, die bei aller Knappheit nichts Wesentliches ü »ergeht Dfr Wert einer solchen Uebersicht ist für jeden Schulmann erleuchtend. Sie ist ein |unschätzbares Hilfsmittel bei Wiederholung, die ein wesentliches Stück jeder Lernarbeit: darstellt' Die Einzelbilder, die der frühere Unterricht I iij Farbe und Glut getaucht, werden bei •) Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf das gezeichnete Buch dieses bewährten Pädagogen: „Jüdi Geschichte von der Zerstörung des ersten Tempels zur Gegenwart in Charakterbildern -dargestellt“ (in i genannten Verlage erschienen) empfehlend hingewieden Die Schriftleitun| s|che bis dem i

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