Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
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einen Mann für wünlig zu erachten, daß eine Loge des U. O B. B. nach ihm genannt wird, müssen wir von ihm feststellen können, daß {er durch sein Leben und durch seine Lehren diejenigen Anforderungen erfüllt hat, die wir an jeden Ben Briss stellen, zu sem: ein g u t e r Judp, ein guterBürgerundeinguterMensc^. Daß Rathenau ein guter Bürger und ein guter Mensch war, ist allseitig anerkannt. Rathenau hat die Organisation der Rohstoffversorgung In die Hand genommen, ds so manches in Deutschland versagte. Er hat alle Todesdrohungen gelesen, er hat gewußt, daß das Ausharren auf seinem Platze seinen vorzeitigen Tod bedeutje. Wenn er trotzdem nicht einen Augenblick schwankte, so war ei; der reine Ausfluß seiner Sorge für sein deutsches Volk und sein deutsches Vaterland. . 1 j ■Rathenau war ein guter Jude und war wenigstens soweit Jude, um ohne Bedenken Namensgeber einer Loge jüdischer Männer zu werden!; er war kein positiver Jude. Aber auch wir im Orden haben darin nip das allein Entscheidende gesehen. Wir hätten! sonsit eine Jacob Herz- Loge, eine Berthold Aiieibach-Loge, eine Raphael Kosch-Loge, eine Edujard Lasker-Loge nicht installieren dürfen. Was Fjathenau am Judentum fes4- Siielt^mag im wesentlichen der reine geistige Gehabt unseres Glaubens' gewesen sein. Im Juli 189^ als 30jähriger veröffentlichte er einen Aufsar »Höre Israel*, der damals reichlich Aufsehei erregte und mit Recht auchi von einem Brude unseres Bundes kräftig bekämpft wurde.. Aul der andern Seite wanpte er sich sehr schar gegen den Antisemitismus des Staates. Die Taufe lehnte er durchaus ab. Und wenn wir als unsere Tendenzen :j Hebung des Judentums und Hebung der Juden erklären, so können wir solche Tendenzen schon in dieser Schrift findenj in der er ein jüdisches Patriziertum nicht de$ Besitzes, sondern der geistigen und körperlichen Kultur verlangt. In seiner Abhandlung: »Streit-} schrift vom Glauben» ihat Rathenau den Vor-t schlag, die Judenfrage ' dadurch zu lösen, daß die Juden den | christlichen Glauben annehmenl -sollten, mit dem Stolze des charaktervollen Juden zurückgewiesen. , i Seinem toten Vater hielt Rathenau die Leichen-i rede. und schloß diese mit den Worten : Und nun, Vater, grüße ich dilch mit dem Segen deiner und meiner Väter, mit zum Segen' g worden ist alter Menschenvölker und aller Oese ilechter. Die Beisetzung Rathenaus vollzog sich . lach jüdisch-traditionellem * Ritus. Unser Br. Rab )iner Dr. Weiße sprach die hebräischen Trauer jebete, hielt auch ' die Grabrede, der er nach < em Wunsch der Mutter im Sinne des Versterbt nen den Text zugrunde legte: Schma Jisroöl etc. „ ’ Und wem es noch immer Stimmen geben sollte, dahinge hend, daß der Lebende nicht ganz zu uns gehöite, so wird niemand bezweifeln, daß Rathenau, der Geopferte, im Tode und durch seinen Tod h umgekehrt ist zu uns, zu seinem ewigen Gute. Diesen Toten begehren wir, wie Vater Priamos seines toten Sohnes Hektor durch Wunden entstellten Leib von dem Sieger forderte, um ihn heimzuführen zum heimischen Grab.' Wir alle kenren die Geschichte von Josef, der zu seinen Brüdern sprach: »Wenn ihr in das Land geht, di s Gott, euch geben wird, dann nehmet meinen Leib mit, damit ich ruhe bei meinen Vätern « Der Lebende hat def Welt Jer Völker angeh >rt, aber den Toten-nehmen vir mit und trage i ihn in unserm Herzen als einen der Unsern, al; Sohn unseres Bundes}-der er w ar. Nachdem dann der hochw. Großpräsid;nt noch eigene Worte Rathenaus, die die Ehrfur« ht, die menschlicie Gesinnung, den Wunsch tu ich Frieden und V irsöhnung in ihm charakterisierten, zitiert hatte, vies er auf die Rathenaus Leben •fl' und Wirken t eherrschende Liebe hin, die ai»ch das ganze Geheimnis unseres Qrdens darstpllt und schloß mit den eigenen Worten von Rathenau: »S:hließen wir uns in gutem Wilen zusammen, sc wird in gemeinsamem Schai en das Trügeriscl e zerrinnen, das Rechte sich verklären. Bedingung ist, daß der-Fuß nieqen Boden verliere das Auge nie die GcfÜrne.*. Br. Expräsii lent Max R o s e n t h a-l, Deutsche Reichsloge-Ber in, gab die Zeichen^rkläru ig in bekannter v1 dem Segen Moses, der irkungsvoller Weise. Die Be anjteriwahl ergibt, daß bestimknt werden die E rüder Moses Stern zum Präsidenten, Hermann Meyer zum Vizepräsident:n, Moritz Heunann zum protokollierenden Sekretär, Eugen R u b i n o zum Finanzsekretär,. Ernst Falk zum S :hatzsekretär, Moritz Hart zürn Marschall, Dr. Löb zum Wächter, 'Rabbirer Dr. O e 11 e s z um Mentor. Br. Expräs dent Kommerzienrat Maximiltiui Stein-Berlin nimmt die Installation der Beamten 5