Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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und reuemütig bekennen, daß ich zu den Lässigen, zu den R ückständigen im Logenbesuch gehöre. Das bedingt meine Berufstätigkeit, die vielfach meine Abende in Beschlag nimmt. Aber wie nun einmal al es, was mit unserer geliebten Loge in Verbindung steht, einen Segen in sich trägt, so ist auch diese freimütig bekannte Sünde von-einem Segen begleitet. Just w e i 1 ich nicht zu den ständigen Besuchern der Loge gehöre, hänge ich ijir mit umso wärmerer Liebe an, wie derjenige, der genötigt ist, fern von der Heimat zu leben, sein Vaterland umso inniger, um$o heißer liebt Die aastumpfende Gewöhnung kann leicht gleichgültig machen. Wie wir uns keine Gedanken machen über die Luft, die wir atmen und ohne die wir nicht fünf Minuten leben könten, so machen wir uns am Ende wenig Gedanken über die Seelenath nosphäre, die uns in der Loge stärkend, reinigend, erhebend umgibt. ( Der Ti-' roler, der Schweizer, der seine Alpenwelt nie verlassen hat, wer det keinen Blick auf die Berge, die für alle anderen Gegenstand andächtiger Bewunderung sind. Der krausbärtige Seemann oder Fischer an der Wasserkante beachtet, sieht, das wunderreiche Spiel von Ebbe und Flut kaum, dem wir gelegen! liehe Strandgäste unermüdlich zuschauen mit wachsendem Entzücken. So kann denn auch die volle, klart Erkenntnis vom Wesen der Loge gerade dun fleißigsten Besucher ins Bereich des Unbewußten entrücken, wie wir ja auch auf die recht umständliche Technik nicht mehr achten, mittels deren wir gehen oder sprechen. Darum mag es denn gerade einem geständig Säumigen vergönnt sein, den Pflichteifrigen jund Gewissenhaften zu Gernüte zu führen, wasj sie, was wir alle, an der Loge haben und ihnen zu bekennen, wie er sich gestärkt fühlt durch jede Berührung mit der Mutter-Loge, gleich Anteus, der im Kampfe mit Herakles neue Kräfte gewann aus jeder Berührung mit der Mutter Erde. Zunächst sei d ie Frage aufgeworfen, die sich der fleißige Besucher nicht mehr stellt: «Was ist die Loge?« Was ist u n s die Loge? Ist sie eine Wohltätigkeitsverenigung?' Dann ist sie am Ende^ überflüssig, denn wir haben Wohltätigkeitsvereine genug für all; möglichen guten Zwecke, oder sie erhebt sich doch jedenfalls nicht jüber alle anderen Verene, die es sich zur Aufgabe machen, Bedürftigen beizustehen. Ist die Loge eine Vereinigung ::ur Pflege geistiger Interessen? Wahrlich eine schöne und hohe Aufgabe! Aber auch Bildungsve reine und ganz vortreffliche, di e sich der Verbreitung wertvollen Wissens un) höherer geistiger Kultur widmen, besitzen wr zur Genüge. Will die Loge einer edlen uni schönen Qesellgkeit Vorschub leisten? Aue i dies wäre ein!verdienstvolles Werk, aber.daz u hätten wir nichl erst unsere Logen zu begründe n und auszubauei i brauchen. Nein, dies alfes i it unsere Loge n cht, obwohl sie .jedes einzelt e davon in hoher Verklärung und Vervollkommnur g darstellt. Ihre Mission ist eine andere, eine g ssteigerte und a ich die praktische Betätigung n menschenfreum liehen Werken, im brüderlichen Zusammenhalte n stellt nur die untersten Spross :o der Jakobsleiter dar, die von unserem Bunde a js höhenwärts füi ren will, himmelwärts. Dem ers en schärfer gerichteten, - tiefer dringenden Bli :k stellt sich die Loge zunächst dar als die glii cklich gefundene solide Plattform -uns darf ja i ler dem politischen Leben Amerikas entnommene Eegriff geläufig sein — ‘die Plattform also, auf der Juden aller Parteien, a i 1 je r Richtungen si :h im Gefühl der Gemeinsamkeit zu löblichem Tun zusammenfinden. „■ Mögen Reformer und! Gesetzestreue noch so leidenschaftlich übei1 Glaubensfragen, Über Religiohsgebote streite i, auf dem Boden 'der Loge, in der Pflege det Wohltätigkeit, der Wissensiml Kunstpflege, der innigen Geschlossenheit im jüdischen Bevt ußtsein, können sie sich brüderlich zusammenfinden. ’ Hier über unserem Fried*ns zeit möge ihm n beiden übrigens Emanuel Geil eis weisheitgesätt gter Spruch versöhnend entgeg enleuchten: Es ist 4er (ilanb’ ein schöner Regenbogen, Der 2wisch« n Erd’ und Himmel aufgezogen, Ein Trost je nach der fijr alle, doch für jeden Wanderer Stelle, da er steht, ein anderer. Liberale Oemeindeverjv fehden, im sich alle als Bundes aufs sich zusammlei maßen so in der Liebe Ueberlieferui^g, Besitztums was uns empot trägt Zentralvereinjs i ind* Konservative mögen sich in altungsfragen noch so heftig be- Fjiedea des Logenhauses finden sie bnebriss, als Kinderheimes innigste zusammen. Sie finden n in dem, was uns allen gleicher-’ Gewissenswie Herzenssache ist: zum jüdischen Wesen, -zur jüdischen in der Pflege' unseres geistigen in der Förderung -alles dessen, Kampf und Sorge des Alltags lichte Höhen. . Zionisten und -Deutsche mögen in politischen» und über — 3 —