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Der Orden Bne Briss · 1922-11-01 · Nr. 10/11 - November-Dezember (11.1922) · p. Seite 139

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 10/11 - November-Dezember (11.1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 139 (sequence 17)
Language
German
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Während die .ogen unseres Distrikts mit der Oefangenenfflr sorge nichts zu tun haben, weil die Fälle glücklicherweise nur sehr vereinzelt sind, hat in Amerika fast jede Loge ihren diesbezüglichen Fürsorgeausschuß, der manchem der jugendlichen Gefängnisinsassen erst eine Idee vom Wesen und den Lehren des Judentums beibringt. Nach ihrer Entlassung nimmt sich des einzelnen Bestraften ein Logenbruder als »großer Bruder« an und führt ihn auf den richtigen Weg zurück. Auf diesem Gebiete haben die amerikanischen Logen sich unbestreitbare Verdienste erworben: & stände sonst um die Moralität und Krininalität vielereingewanderter Juden und auch fn t dem dortigen Antisemitismus noch weit schlimmer! I Einen sehr guten Gedanken hat die Großloge des 1. Distrikts bei ihrer letzten Jahrestagung in Worcrster (Mass.) diskutiert: der Präsident Neuman hat-darauf hingewiesen, daß die Studierenden < n denj Hochschulen das beste Material zur Gewinnurig künftiger Führer unserer Olaubens- und Ordensgemeinschaft darstellen und daß demgemäß Schritte zu unternehmensind, an allen Hochschulen jüdische Studenten mit der Oeschichte und den Leistungen des Ordens B. B. bekannt zu machen. * So lange unser gelehrter Br. Gtifthard Deutsch in Cincinnati an der Landesrabbinerschule wirkte, war er selber ein sprechendes Beispiel für unsere Zwecke, und Ziele. Die jüdische Wissenschaft - der ganzen Welt beklagt den Heimgang dieses seltenen Mannes, der sich auch in Amerika sein deutsches Herz und seine Anhänglichkeit an seijjie alma1 mater, das Breslauer Seminar, bewahrfje.j Die B. B. News diuicken eine ausführliche Würdigung von Gotthard Deutsch aus .der Feder seines Schülers D r. t h k o 1. J o s. S t o f z ab. Br. Prot. fc>r. Eugen'Wölbe, Moitefiore-Loge zirßcrlin.. . Theodor Herzls Tagebücher.*) Theodor Herzl ist eine Gestalt der jüdischen Geschichte geworden. — Es Ist nicht mehr die h auptsache, daß man sich als" sein Oegner erklärt: man muß (Ihn als ein Phänomen: von singulärer Anhänger oder sein historisch verstehen Bedeutung! — Wir haben den lesen, — und stehen nur deshalb, weil u^: dem vor allem, weil das von flammendster Und wenn' wir nicht femstünden, müßten daran haben, wie ein Bücherschau. ersten Band seiner Tagebücher genoch völlig unter ihrem Bann! Nicht is seine Oedanken tortreißen, sonrin großes Herz hier zu uns spricht, Liebe zu seinem Volke erfüllt ist! — Juden wären und Herzls Ideen ganz wir auch eine unendliche Freude Mann sich hier rückhaltlos für eine Idee einsetzt, und < lies allein ist schon schön in einer Zeit zu lesen und la'chzuerleben, in der der krasseste Materialismus weiteste Schichten des Volkes beherrscht! Wer war dieser Herzl, der da in seinen Tagebüchern zu uns spricht, der n einer Zeit der Memoirenüberfülle unsere Aufmerksamkiiit fordert? Nichts anderes als ein Korrespondent der »iSeuen freien Presse* in Paris, dem plötzlich in der Allt igsarbeit der Gedanke kommt, das Judenvolk von den v er Enden der Welt zu sammeln und in das gelobte Land zu führen! Wq , dies Land liegt, weiß er noch nicht! Und nun lassen ihn die Oedanken nicht mehr los! Un jnterbrochen schreibt er, er befindet sich in einem Fieberzustand der Seele, nicht er hat die •) Jüdischer Verlag, Berlin Idee, die Idee hat ihn. — jjDrei selige Wochen, der Glut und Arbeit!« j Aber was soll diese Id^e auf dem Papier?/ Sie muß lebendig werden! — Mit eiher ungeheuren Aktivität geht* Herzl ans Werk! Wir sehtji, Wie es sich in den Tagebüchern aufbaut, wie er fnit idem Baron Hirsch verhandelt, wie er nach Wien Ssein^ Fäden' ausstreckt, dann wieder nach London, wie plötzlich die Bewegung da ist. wie er eine Macht darstellt, mit dem Snltan verhandelt, den Großherzog Von Baden keinen lernt! Eben noch ein fast unbekannter Journalist, nbn der Repräsentant des jüdischen Volkes, der mit den Mächten alsOleichberechtigter verkehrt All das wächst lawinenjgteich!- Im Hintergrund die fieberhaft erregten Massen der jüdischen Zentren, die in jedem Augenblicke glauben, die Stunde des'Aufbruchs sei gekommen. Bis ins Einzelnste ist der Plan ausgearbeitet, an alles scheint Henfl gedacht zu haben. —. ‘ Da kommen die Hemmungen und Widerstände!' Der Sultan will Palästina nicht hergeben,' und im Judentum selbst arbeitet man gegen ihn. — j ’ Herzls Herz aber erkrankt und gibt die ersten Waruungssignale! Er Hat keine Zeit darauf zü hören, will nichts wissen. — Sein eigenes Blatt an dem er arbeitet, die »Neue Freie Presse*, schweigt Ihn tot, in .der* »Welt* gibt er der neuen Bewegung ein Eigenes Organ! — Auch diese Arbeit leistet er fast allein, j— Das erschütterndste aber ist die große Tragödie in ihm, daß er langsam begreifen m|iß, daß die Dinge, sich nicht so rasch entwickeln, wie er gehofft hat eine Tragödie, •— 139

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