Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 10/11 - November-Dezember (11.1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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eine gerade Linie fährt, sprach vör ihnen von der Eigenart und Tiefe der jüdischen Religiosität. Sprach nicht etwa über die jüdische Religiosität, sondern als Bekenner und Religiöser Mensch, so daß Judentum selbst i lebendig wurde. Und das übte einen geradezu machtvollen Eindruck aus, wurde zu einem rechten Kiddusch haschem. Die Hörer waren hingerissen und im Tiefsten ergriffen, und in jedem formte sich ein ihm bisher unbekanntes Bild voll dem wahren Judentum und dem wahren Juden. Sicher begann von diesem Augenblick an lin vielen Hörern eine Judentums. Und das ist von unschätzbarem Wert. Wenn Antisemitismus überhaupt bekämpft werden kann, kann es kaum anders geschehen, as indem man vor Urteilsfähigen den Juden seinen Glauben entWic :eln läßt. Apologie in allen Ehren, Widerleg mg politischer Schlagworte und wissenschaftli her Verleumdungen ist auch notwendig, aber das Stärkste ist doch das überzeugende Bekern tnis der inneren machtvollen Religiosität. Uric es ist eine im höchsten Orade anzuerkennende Tat des Grafen Keyserling und der Schule der V Weisheit, daß sie in solcher Form einen typis :hen Vertreter des Judentums zum, Wort korrmen ließen und der Welt so gezeigt wurde,' daß dieser und seinesgleichen nur, und nicht die ’ Indifferenten, Glaubenslosen, Entwurzelten' und nicht mehr nach dem Lebenssinn Snchepden die wahren Vertreter des Judentums sind. Dafür gebührt Dank. J ah rzei tsstif tu ngen. Von Br. Rabbiner Dr. Auf eine Anregung, die ich vor fünf Jahren unter gleichem Titel im Israelitischen Familienblatt (Hamburg, 1. März 1917) gegeben habe, komme ich 'jetzt in, den Logenblättem zurück, weil sie sich an die begüterten Kreise des deutschen Judentums wendet, die großenteils unserm Orden angjehören. Die Art unserer Gräberpflege entspricht nicht dem demokratischen Geist des Judentums; Wir haben uns allmählich daran gewöhnt, einer nichtjüdischen Sitte folgend den Verstorbenen durch Kranze zu ehren. Wenn man bisweilen die unübersehbare Menge der Kränze betrachtet und dann die Frage aufwirft, wozu dieses viele tote Kapital aufgehäuft wird, so ertönt die Antwort, man wolle dem Toten eine letzte Ehrung erweisen- Wieviel wirksamer aber wäre diese Ehrung, wenn man nach alter jüdischer Sitte von Kranzspenden absieht und das ersparte Geld für wohltätige Zwecke sammelt, vielleicht zu einer Stiftung, die dann den Namen des Verstorbenen späteren Generationen erhält? Und weiter: Wenjn man die Friedhöfe namentlich der Oroßstädte betritt und das tote Kapital sieht, das in. den prunkvollen Grabsteinen angehäuft ist, ergibt sich nicht die gleiche Frage? Der kostbare Marmor oder gar das Mausoleum, das der eine oder andeije Großkaufmann .sich errichten läßt, beweist dem Fremden doch nur: N e u f e I d - Insterburg. Hier liegt ein reicher Jude begraben Stiftung aber, die sich an den Namen de: storbenen knüpft, besagt: Er war ein w tätiger, menschenfreundlicher Jude, steine, Mazeboth, sind jüdische Eigenari finden sich auch schon in der biblische i (1. B. Mose 35,20; Ezechiel 39,15; Ibn Ei ra zu jjesaja 53,9.). eine Grenze Nur gilt es, hier wie in zu finden zwischendem Die Verr 3hl- 3rab- und Zeit allem, was schicklich und taktvoll, und dem, was auf allend und prunkvoll ist Kränze aber verstoßet auch gegen den Geist des Judentums. Ursprf »glich haben auch die Juden ihre Töten mit großem Oepränge beerdigt und eine Familie suclte die andere zu überbieten, indes der. Arme n der Stille, unbeachtet von der Menge, bei gesetzt wurde.. Dieser Uebelstand mißfiel einem dischnahlehrer des zweiten Jahrhunderts,.Rabbar Gambe! II, der selber aus vornehmem, sehr r sichern Hause stammte, und erordnete deshalb a i, daß jeder Jude in gleicher weise in einfacher weißer Kleidung bestattetJ werden sollte, und dal jeder Grabschmück, auch Kränze; ferribleiben’;öHten, damit die großen sozialen Gegensätze/ die im Leben leider nicht' ausgeglichen werdet* k ünnen, wenigstens nach dem Tode schwinden, damit wenigstens im Tode Arm und Reich gleict .seien. Erst mit dem Beginn der . modernen Zeit hat 127 —