Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 10/11 - November-Dezember (11.1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nahmen Verdanken die Juden ihre Vitalität?!. J.. . Die ganze Eugenik der Juden ist, von der möglichen ursprünglichen Tugend des Blutes, abgesehen, geistiger Art gewesen, und d a s ist es, was sie für uns vorbildlich macht. Die Juden haben den grenzenlos ungünstigen Lebensbedingungen, dem furchtbaren Druck, dem sie als Mehitzahl beinahe ihre ganze Geschichte . entlang ausgesetzt waren, widerstanden, weil ihreReligion ein «Einstellung verlangte und durchsetzte, die das Sich-s;eibst-treu-bleibenundDlurchhaIten trotz allem zum apriori Ihres Volkstums machte.i Der steten Gespanntheit, "welche sein Glaube von ihm verlangte, verdankt das Judentum an erster Stelle seine Lebenskraft und -intensität. Was fast immer yergessen wird, das ist das" doch so Naheliegende, daß eben auch die heutigen Juden dieses Geistes Kinder sind. Dieser Geist ist grundsätzlich ein fortschrittlicher auch in der Gestaltung des orthodoxen Judentums. Dieses war niemals dogmatisch festgelegt,— es war jdogmatisch nur im Gebot des rechten Handelns. Deshalb konnten die Juden zu aller Zeit trotz ihres extremen Konservatismus vorzüglich rerum novarum cupidi sein; deshalb sind sie geistig niemals erstarrt. Liegt nicht auch hierin Vorbildjtehkeit? Von diesen Erwägungen her scheint mir die Forderung einer Wiedergeburt des Judentums nicht bloß berechtigt, sondern als solche schon der Weg zu einer neuen historischen Wirklichkeit, die es nach Kräften zu fördern gilt. i Das Unsympathische an den Juden ist zum' großen Teil Folge jahrtausetpdlahger Mißhandlung. . Wer da meint, daß sie niemals ganz sympathisch werden dürften, der bedenke, daß Gleiches von den allermeisten Völkern gilt; auch die Deutschen gefallen als Volkscharakter nicht allen Fremden. Aber jeder Volkscharakter kann andrerseits veredelt werden, wie denn jeder höchststbhende Einzelvertreter findet. Wenn daher die Judenverfolgung endlich vollständig aufhört dann liegt eine Veredelung der ganzen Rasse durchaus im Bereich praktischer Möglichkeit. .Da die Juden kein politisches Volk sind und wohl für immer ihrer. Hauptmasse nach in der Diaspora leben bleiben werden, so steht eine eigentlich völkische Wiedergeburt laum im Bereich ihrer Möglichkeit. Desto mehr eine geistig s ittliche; aus der elenden bisheri j;n Juden; mag sich bei neui Selbstt e wußtsein bald eine Aristokratij Artungj herausdifferenzieren, die auf typusbstimmend} würde; die Ansät; solchen gibt es \ schon. Und man daß dese Aussicht durch den Man livischer Einheit versperrt wird; in nationalen, universalistischen Welt, entsteht, werden! Vereinigungen wie asse der pflegtem edelster ie Dauer zu einer ge nicht; an po- Üer über- | die jetzt : die erdumspa mend-jüdische leicht die gleiche Basis für den einzelnen und für Kultureif abgeben können, wie es ,früher der Nationalstaat allein vermochte.« j Soviel von der literarischen Stelhimgnahme, daneben aber sei von einem interessanten und bedeut s< men Versuch erzählt, der unter heutigen Verhäl n ssen eine Tat ist. Graf Keyserling hat in Da nistadt die »Schule der Weisheit« gegründe t, gedacht nicht als eine Schule abstrakter Philosophie und praktischer Kenntnissle, sondern als die \ ereinigung aller derer, die um den Sinn des Lebens sich mühen und zum! Sinn des Leben«, etwas zu sagen haben. Alljährlich im Herbst veranstaltet die Schule eine öffentliche Kundgebung, auf der eine Reihe von Vortragenden aus d :n verschiedensten Schichten und Denkarten die Eigenart ihres Denkens unfl ihre Forderungen für diC Gliederung und jGestaltung eines v< rinnejlichten Lebens entwickeln. Für die die sj ihrige Tagung nun hatte Grat Keyserling unter a i< eren Rabbiner Dr.B ae ck zu einemVortrag eingeladen. Und Br. Baeck sprach über das Thema: »Die Sp;innung im Menschen und der fertige Mensci.« Unnötig zu sagen, daß er sein Thema mit dei 1 iefe, dem sittlichen und religiösen Ernst und der Klarheit durchführte, die man an ihm gewöhn! ist. Aber nicht minder bedeutsam als der sachliche Inhalt seines Vortrages war das äußere Bild der Versammlung. Vor ejinem Publi- J kum, ( as nach Struktur und Gewohnheit durchaus aeemitisch gerichtet waf, dessen einzelne Teile vielleicht nie mit einem Juden anders als in Geschäftsbeziehungen zu tun gehabt hatten, das kiUm je einen Juden als Vertreter einer wirksa nen und schöpferischen Geist^smacht gesehen hatte, sprach also ein Rabbiner, ein Vertreter Ider geistigen Bedeutung des Judentums, ein lebejndiger Verkörperer der Tatsache, daß vom t Rüschen Judentum zum gegenwärtigen 126 -