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Der Orden Bne Briss · 1922-10-01 · Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922) · p. Seite 118

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922)
Date
1922-10-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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reizten hn die Werke dieses Meisters zu dem Versucfe, die Grundlage zu dessen Ideen im Judentum aufzufinden und so dje Harmonie zwischen der jüdischen Theologie urjd der wahren Philosophie, wie sie einst Maimonicfes dargestellt hatte, aufs neue zu versuchen «; dabei sch webten ihm dfe Bedürfnisse der Wissenschaft seiner Zeit klar yor, und er plante, die historische Entwicklung der Erscheinungsformen de|s Judentums vorzuführen. Ein ewiger Student,i wie er sich scherzhaft zu nennen pflegte, empfand er Scheu, seine Gedanken der Oeffentlichkeit Zu übergeben; erst nach seinem Tode hat Leopold Zunz seinem letzten Willen gemäß die von ihm) zurückgelassenen Aufsätze über den geläuterten Glauben herausge'geben und im Ärtklang än das weltberühmte Werk des Maimoriides »Mjoreh Nebukhe ha Z’man« (Führer der in den Zeit^nschauungen Verirrten) genannt. Krochmals ga^ize Liebe gehörte den jungen Leuten, die ihn) heimlich aufj suchten und' von ih'm zu tiefen: Einblicken inJ den Entvyickliungsgäng des Judentums angeregt wurden; füjr mehr als einen sind Krochmals) Gespräche, namentlich in Bezug auf die Kritik der Geschichte, zündende Funken geworden.« Nachhaltigsten Eindruck und vollendetste Wirkung übte er auf den jungen Salomo Jehudaj Löb Rapoport (geb. 1790 in Lemberg, gest. 1867' in Prag> In [jungen Jahren bereits hatte er sich als Meister und Hoffnung des pilpulistischenj Talmudstudiums einen Namen gemacht Unteri Krochmals Anregungen aber nahm sein Geist! eine andere Wendung, entdeckte er die geschieht^ liehe Entwicklung, des Judentums und wurde! Erwecker dies geschichtlichen Sinns unter den Juden, »den Vater der jüdischen Geschichtsschreibung«, pem Gaon Saadja und anderer Gelehrten des 10. und 11. Jahrhunderts widmete er Biographien (1828—31), .die noch heute klassisch sind, Jamals epochemachend wirkten. Hiei waren ganzb Jahrhunderte, die dunkelsten unc schwierigsten der jüdisenen Geschichte, an Faden ihrer bedeutendsten geistigen Erscheinun gen erschlossen -und beleuchtet; geistige Be wegungen,!die vollständig in Vergessenheit geraten, Namen, die'als wesenlose Schatten in de- Literatur überliefert waren, erstanden unversehens zu neuem Leben, über große Epochen und ihrei> Inhalt wurde Licht verbreitet, die jüdische Geschichte erhielt Gestalt und Färbung Es war aus Furcht heimlich sein Als er 1837 von besondeier Bedeutung, daß seine Forscht ngen den Weg zum geschichtlichen Verständnis der rabbiniscl en Literatur t^nd des Talmuds seil »er boten, nur ( in Myin vop seiner meisterhaften Beherrschung konnte di^ Methode zum Eindringenin dieses labyrinthärtigeSchrifttum findtn. Auch Rapope rt arbeitete u|nter*den schwierigsten Bedingungen Wie einst mußte er als Buchhalter s wissenschaftl Moses Mendelssoin, ein Brot erwerben und ror den Nachstellungen der Eiferer ches Werk vollbringen. von den Aufgeklärtenin Tarnopol zum Kreisra ibiner gewählt wurde, machten die Fanatiker ih m das Leben zur Hölle, er sehite sich aus d m Lande seiner Geburt fort tnd wurde 1840 zum Oberrabbiner der altberühmten Geme!nde in Prag erwähllt, aber seine Arbeitskraft war Fortan so gut wie gelähmt, P ag wurde da; Grab seiner wissenschaftlichen Pläne. : Wie umldie neue wissenschaftliche Bewegung unter den Juden vor Einseitigkeit z schenkte eil gütiges Geschick ihr Mann mit ganz anderen Neigungen a anderen Umgebung, Samuel Dav l bewahren, auch ei ien ns einer ganz d Luzzatto ’adua). kn- Dichter, geganze Liebe der hebräisdhen Sprache (geb. 1800 Sn Triest, gest. 1865 in gesehener Dichter Sproß, selbst ein hörte seine und ihrem klassischen Träger, der Bibel, hre Erforschun * betrachtete er als seine Lebens aufgabe. des Hebri ischen mit selten feinem Sprach empfinden ir war ein ausgezeichneter Ker ner und setzte^ die Leistungen der b;hnbrechendei i hebräischen Grammatiker des Mittelalters' fort Er ist ferner der erste jüdische wissensch iftliche Bibelerklärer der Neuzeit geworden, l nd wenn seine naive Frömmig keit sich auch gegen die um sich greifende ratioiale Kritik der biblischen Bücher sperrte, so verd inkt doch dje Bibelforschpng seinem Feingefühl für die Spfaahe, seinem Eindringen In den Geist der Bibel! die wertvollsten Anregungen. Der neuen wissenschaftlichen Bewegung hat er e nen weiteren Lnschätzbaren Dienst geleistet dadirch, daß er Entdecker und \ Vermittler der reichen Bücherlind Handschijjftenschätze wurde, die halten, d« s Land des Humanismus, in sich t arg. Von der Bücherarmut, die unter den Juden der nördliche i Länder vor) 100 Jahren herrschte, kann rrn n sich heute keine Vorstellung, mehr 118

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