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Der Orden Bne Briss · 1922-10-01 · Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922) · p. Seite 119

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922)
Date
1922-10-01
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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machen; die öffentlichen Bibliotheken aber verwehrten Juden <Sen Zutritt und sperrten sie von ihren Schätzen ab. In Italien hingegen gab es reichhaltige öffentliche und private Sammlungen mit vielen unbekannten Werken. In selbstloser aufopfernder Hingabe sandte Luzzatto den Gelehrten im Norden! umfangreiche Mitteilungen aus Handschriften und seltenen Drucken, mit beispielloser Freigebigkeit lieferte er das Material für zahllose Publikationen. Die Füile der Anregungen, welche seir^e nimmermüde Hilfsbereitschaft darbot, kann nicht hoch |genug geschätzt werden; ihm verdänkte die neue Forschung über jüdische Geschichte und Literatur zum großen Teil ihre Dokumente, mit Recht hat man ihn als die Mutter der jüdischen Geschichtsbearbeitung bezeichnet. Luzzatto war der einzige unter den damaligen jüdischen Gelehrten, der ein wissenschaftliches . Amt gekleidete, Istituto Rabbinico Lombardo-Veneto an dem er wirkte, lAt unter chronisc mangel, und der, weltberühmte Gel häufig genug mit seiner zahlreichen Familie der bittersten Not ausgejsetzt. Das Dreigestirn Zunz, Rapoport und Luzzatto ergänzte sich auf die glücklichste Weise. Nach kurzer Zeit schon wfaren diese Bahnbrecher der neuen geistigen Bewegung in enger Verbindung miteinander, die sieh vielfach zu einer Arbeitsgemeinschaft ausgestaltete und die Entwicklung der jungen Forschung rasch vorwärts, trieb. Eine Schar von aufstrebenden geistig regsamen jungen Männern folgte den Spuren der Meister und warf sich auf die Ergründung der jüdischen Vergangenheit und ihrer Geistesschätze. aber das in Padua, hem Geldehrte war Durch den freiwilligen Zusammenschluß ho :hstehender idealgesinnter Gelehrter ist die Wiss :n-;schaft des Judentums entstanden, ein Jahrhuncert lang ist emsig an ihr gearbeitet worden, i ire Leistung bewährt sich im gesamten öffentlichen jüdischen Leben. Allein dieser Wissenschaft war .stellt; wie am Anfang di schützende Anstalt, die Wissenschaft eine Grün, wurde und es an Leben^möglichkeiten für wissenschaftlichen Forscher fehlte, so ist m die Sicherstelh;ng s stets schlecht bevon. Zunz geford :rte* dem Fortschritt age werde«, ver^a der agt die die Organisation dieser Wissenschaft eineeinzige fortdauernde Tragödie gebliebep. Die Wissenschaft des Judentums hatte wohl Aufgaben, <ber keine Stellen, sie bot den Gelehrten Arbeit, aber kein Brot. Im Laufe der Jahrzehnte ist es ganz allmählich besser, geworden, es sind Instr ute entstanden, welche wissenschaftlichen Arbei ern; eine gewisse Sicherheit des Daseins boten, j ber noch immer ist die Zahl der Stellen gering un^ ihr Ertrag beschränkt geblieben. Nun aber hat der wirtschaftliche Zusammenbruch die Möglich <eit der Fortsetzung jeder Kulturarbeit in Frage gestellt, wir stehen wieder am Anfang, befinden uns fast denselben Schwierigkeiten gegeni ber wie vor 100 Jahren. Die Kapitalien’ unserer wissenschaftlichen Institute verlieren unter den heutigen Verhältnissen jede Bedeutung, nur aus laufenden jährlichen Beiträgen können die1 Anstalten sich erhalten, nur wenn eine wirtlich ernste, ihrer Pflicht bewußte Opferwilligkeit sich für sie einsetzt, können sie ihre Wirksan keit fortsetzen. Wird dieser Notschrei gehört, 'vird sich für unsere Wissenschaft der Erlöser firn en? v 119 -

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