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Der Orden Bne Briss · 1922-08-01 · Nr. 7 - August (8.1922) · p. Seite 88

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 7 - August (8.1922)
Date
1922-08-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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alten Frankfurt«, »sei uns von Gott gegeben, sie ist eine Gnade, an Gnadengeschenk des Schöpfers, und indem wir Erbarmen Oben, sind wir die Begnadete, die Beschenkten. « Wie wunderschön hat Horovitz in derselben Schrift die Sucht der Menschen, nur öffentlich wohl zu tun und Dank dafür zü ernten, gegeißelt! »An drei Eigenschaften, sagt der Talmud, erkenne man einen Juden: an der Barmherzigkeit, an der Schamhaftigkeit und an der Wohltätigkeit. Die Schamhaftigkeit ist zwischen die erste Empfindung der Teilnahme an dem Leid der Unglücklichen und der Ausführung der helfenden Tat gefügt. Nicht nur von dem Unterstützten, nein, auch ja vor allem von dem Wohltäter fordert das Judentum die Schamhaftigkeit, es ist jene Keuschheit im Wohltun, die das Herz so wunderbar beglückt, und die bei jeder öffentlichen Anerkennung gleichsam errötet, wie wenn man ihr stilles Glück entweihen wollte.« Würden diese Worte von Horovitz beachtet werden, alle Klagen über Undank würden sofort verstummen. Bezüglich der Wohltätigkeit galt für uns bislang die Losung: »Nichts für uns, sondern alles für die Gesamtheit« Mit Rücksicht auf die jetzigen wirtschaftlichen Verhältnisse kann dieser Grundsatz-in seiner Reinheit nicht mehr aufrecht erhalten werden. Wir haben deshalb in letzter Zeit besondere Institutionen geschaffen, die lediglich unseren Brüdern und Angehörigen zustatten kommen sollten. Es ist.wirklich erwähnenswert, wie wir damit Wege gehen, die' auch hier schon in Frankfurt a. M. in alter Zeit, etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts, 'gegangen sind. Horovitz erzählt in seinem Buche: »Die Wohltätigkeit bei den Juden im alten Frankfurt«, daß .der Rabbiner Josef Hahn das Recht, Unterstützungen anzunehmen, auch denen einräumte, die zwar Vermögen haben, aber nichts verdienen können, »denn« — so hat Hahn ausgeführt — »haben auch unsere Weisen jeden, der 200 Sus besitzt, von der Unterstützung ausgeschlossen, so galt das nur für i h r e Z e i t, da der Erwerb leichter, die Bedürfnisse geringer waren und man keine drückende Steuern für den König, die Fürsten und das Heer kannte«. Unsere Brüder und Angehörigen, ’ die auf Unterstützung angewiesen sind, mögen daraus ersehen, daß sie ein vollstes Anrecht auf uns haben. Der Priestersegen bleibt bei den materiellen Oütem nicht stehen, vielmehr will uns die Religion weiter zu Höherem führen. Der zweite Absatz: »Der Ewige erleuchte Dich und sei Dir gnädig«, befiehlt dem Menschen nach Einsicht zu streben. Die Hauptarbeit, die in unserem Orden vollzogen, wird, sie gilt dem eigenen Ich. Die Loge will auf jeden von uns erzieherisch wirken und dafür soll sich keiner für zu hoch halten. Die Lehre wird ein endloser Ozean genannt, den man zu keiner Zeit sich rühmen kann, ganz durchschwommen zu haben. Auch Horovitz hielt sich Zeit seines Lebens für einen Schüler, obwohl es wohl keinen gegeben hat, dem mit mehr Recht als Zeichen der höchsten Ehre für einen Talmudgelehrten eine Thorarolle zur ewigen Ruhe beigegeben worden ist. Aber selbst der zweite Absatz, so wertvoll er in seinem Inhalt ist,* ist dem Priestfersegen . nicht das Höchste. Das Höchste ist der dritte Absatz: »Der Ewige gebe Dir Frieden«. Als Höchstes wird ausgesprochen der Wunsch nach Eintracht, dieser dritten Haupttugend in unserem Bunde, der Eintracht unter allen Menschen, unter allen Nationen, unter allen Religionen und der Eintracht innerhalb der Anhänger der Religionen selbst. Die Eintracht im Orden selbst kann nach meiner innersten Ueber* zeugung nur erhalten werden,. wenn wir den Standpunkt der Neutralität in unserem Orden aufrecht erhalten/ Und nun finde ich bei dem Studium der Honovitzschen Reden die gleichen Anschauungen. Er erzählt in einer Predigt: Moses sann! darüber nach, was denn Israel so schwer gesündigt hat, daß es von allen Völkern verfolgt werdejn dürfe. Als er aber sah, daß zwei Hebräer, in der trüben Zeit der Verfolgung mit einander stritten und zankten, 'da war ihm alles erklärlich, er verstand, warum sie verfolgt werden. j Daran knüpfte Horovitz folgende Mahnung: »Das^ wollen wir, meine Lieben, bedenken, daß unter uns jetzt weniger denn jemäls etwas geschehen sollte, was den Streit in Israels Mitte verschärfen, den Hader der Parteien verewigen könnte. Das 'Wollen wir vor allem beherzigen, daß jetzt nicht die Zeit ist, daß Männer, die als

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