Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beiblatt / Beilage 1922 (1922)
- Issue
- Beilage zu April/Mai 1922 (4.1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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„Ach, was zerstört ein solcher Riß den seinen! So weint die Wplt, und sollen wir nicht weinen?« So weint c}'e Welt, und sollten wir nicht weinen? Wir, die w| nannten, und unseres Streber /|ir uns voll Stolz seine Brüder wir, die ' wir das 'höchste Ziel s darin sahen, Schüler Rabbiner Nobels werden zu wollen. Der Verlust, den die Welt und die Frankfurter Gemeinde erlitten hat, ist heute von anderer Seite an der Stätte seines Wirkens 'beklagt worden. Ich möchte es versuchen, in wenigen Worten das darzulegen, was wir im besonderen in ihm als geistigen Führer der Frankfurt-Loge verloren haben. Zuvörderst einige kurze Angaben aus seinem Lebenslauf: In Ungarn geboren, kam er mit sieben Jahren nach Halberstadt, wo sein Vater das Amt eines Klausrabbiners übernahm. Ich habe diesen ehrwürdigen Mann kurz vor seinem Tode kennen gelernt, aus dessen Augen und Mienen eirie reine Güte und Liebe strahlte, der Typus eines Mannes, der nichts anderes wollte, als seinem Gotte in Liebe und Dankbarkeit dienen. 1 . Von diesem seltenen Vater empfing Rabbiner Nobel schon al$ Knabe eine äußerst umfassende talmudische Ausbildung,„ die er auf einem Rabbinerseminar in Berlin vollendete, um sich gleichzeitig philosophischen Studien zu widmen. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Rabbiner in Köln und Königsberg uni erbrach Dr. Nobel seine rabbinische Tätigkeit, um zwei' Jahre als Schüler Hermann Cohetjis in Marburg zu weilen. Ihnen Alien dürfte die wunderbare Rede im Gedächtnis sein, mit der Rabbiner Dr. Nobel im Kreise unserer beiden Logen vor einem Jahre seinen großen Lehrer feierte, ebenst}, die unvergleichlich schöne Ansprache in unserer Logenzeitung zu Hermann Cohens 70. Geburtstag, mit deren Wiederherausgabe in der Festgabe zu Nobels 50. Geburtstag sich unser Br. Dr. Franz Rosenzweig ein großes Verdienst erworben hat. Nach längerer Tätigkeit in Leipzig, wo Rabbiner, Nobel unserem Orden vor 20 Jahren beitrat, erhielt er ein Amt pls zweiter Rabniner in Hamburg, um von dort einstimmig im Jahre 1910 den Ruf zur Nachfolgerschaft von Rabbiner Dr. Marcus Horovitz in Frankfurt a: M. zu erhalten. Und wenn Rabbiner Nobel auch nur ein Jahrzehnt der Tätigkeit vergönnt war, hat er es dennoch verstanden, nicht bloß das große Erbe unseres großen . Br. Rabbiner Horovitz getreulich zu verwalten, sondern diesem Amt eine neue und große Tradition zu verleihen. Weltunkundig, und die kleine Klugheit dieser Welt verachtend, hat Rabbiner Nobel in stärkstem Maße auf seine Gemeinde einzuy&irken gewußt, kraft einer ganz besonderen menschlichen Begnadung, kraft der unendlichen Fülle der von ihm ausstrahlenden Liebe. Der ihr1 entspringenden Fähigkeit, sich in die religiösen Triebe, in die Seele seiner Mitmenschen zu versenken, überall und in jedem Menschen Outes zu entdecken und an di is Gute in! ihm zu appellieren, verdankte Rabbine Nobel jenen unaussprechlichen Adel und Zaube seiner Persönlichkeit,der sich niemand zu entziehen wußte. Und in einer jüdischen Gemeinde, wie Frankfurt a. M., will es vielleicht mdir als and irwärts bedeuten, daß Rabbiner Nobel turmhoc i über allen Parteien stand, daß alle Uhterschiele religiöser und politischer Stellung vor, ihi nverschwanden Und nach zehnjähriger Titrgkeit erlebten wir es bei seinem Sterben, d. iß der Jühgling weinte und Greise seltsam e griffen waren, die Frauen und Mädchen sich von t efstem Schmerze getroffen fühlten und die Müter üm ihre Jugend langten, die sie unter seiner Obhut so gut bewahrt}wußten. Alter und Jugenc sahen in ihm in gleicher Weise den Führer, die ugend neigte ihm willig ihr Ohr, weil sie sich v >n ihm verstanden wußte. Dem Alter, war'er e: n Stab und den Leidenden ein Freund,, den Sc imerzgebeugten ein Tröster und der heutigen ugend restlose Autorität. Daß. er .dies konnte, dieses letzte Rätsel seiner Persönlichkeit, läßt sic h vielleicht am besten mit defi. Worten kennze chnen,- die Rabbiner Nobel in dem erwähnten Orpß auf Hermann Cohen anwendete »Weil er die Religion selber plebt hatte, ward ihm das Leben zur Religion.« RA ide lti schii d Nicht eine Wissenschaft war ihm die obwohl ihre Geschichte ihn als Forschejr lebhafteste interessierte und er iu vielen wissenschaftlichen Fragen selbst Stellung Nicht Ethik wat ihm die Religion, obwohl sozialen Ethik im Judentum seinje schwurfg’ Rede über den Sabbath gewidmet hat, das ganze Leben, verschönende.Kunst war die Religion, obwohl Nobel einetiefst jnf künstlerische, dichterische Natur war, Religion war ihm mit »sein« überhaupt Und diese Religion des Erlebens,, sie auch von seinem großen Meister Hermann dessen überragende Grundlegung und Ab »der Religion aus den Quellen der Ver Nobel nach Cohens Tod mitherausgegebeh Die Religion des Erlebens bildete dje Orui i seiner ganzer! Persönlichkeit wie'seiner Rel Philosophie Sie führte ihn za anderen der Religion als seinen Lehrer Hermann sie führte ihn zur jüdischen Mystik, zur Kal und ihren Vorstufen, denen er nachförscpi der Haggadah und im Midrasch.. Rabbiner gehörte zu den seltenen Naturen; die, w Talmud j sich ausdrückt, in den Pardess, Wundergarten der Mystik eindringen und sich darin ■ nicht verloren; Diese der Kabbalah, das Studium des heiligen B des Sohar legten ihm au9h die Fragen’dei Wirkung der Kabbalah’auf Spinoza nahe durch dessen Einfluß auf Goethe. Mit dessen religiöse Sehnsucht Rabbiner Nobe Spinoza aus dem Judentum ableitete, fü sich aufs innigste verwandt, und mit Recht - 3 — gion, aufs reli gionsnahm: er der volle nicht eine Nobel erligh dhdern isch. ihn , (Johen, itung runft« hat. dlage igionsellen Cjohen, balah e in Njobel e der den., nten fragen jehes Ein- und ethe, über er aube Q j 11 koi G > te