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Der Orden Bne Briss · 1922-04-01 · Beilage zu April/Mai 1922 (4.1922) · p. Seite 4

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beiblatt / Beilage 1922 (1922)
Issue
Beilage zu April/Mai 1922 (4.1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ich darum, , Rabbiner Nobels Religion mit dem Goethe-Wort umschreiben zu dörren: In unseres Busens Reine wogt ein Streben, Sich einem höheren reinen Unbekannten Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben, Enträtselnd sich dem ewig Unbekannten. Wir nennen’s -fromm« sein. Diese Religion des Frommseins als Grundlage der ganzen Lebensgestaltung, als Ausgangspunkt des Rcligionsgesetzes, dessen Ausübung ihn als ein Akt religiöser Handlangen stets mit heiliger Freude erfüllte, dieses Fflommsein als Quelle des Gebets, dessen Sinn er uns so besonders nahe zu bringen wußte, diese tiefe Religion des frommseins erfüllte seine Persönlichkeit durch und durch, so daß er, zum Rabbinerberuf wahrhaft begnadet,’ selber das Bedürfnis fühlte, seine ganze Gemeinde und insbesondere seine Schüler dieser Religion teilhaftig werden zu lassen. Die Kanzel bot ihm diese Möglichkeit, und oft bestieg er sie spontan, nicht weil er das Wort ergreifen wollte, sondern weil das Wort ihn ergriffen hatte. Auf der Kanzel stehend, vereinigte er in sich den Religionsphilosophen und den großen Kenner der jüdischen Literatur, des Talmud -wie des Midrasch, den Denker mit dem Dichter, den- Künstler mit dem Erzieher. Wenn ihn auf der Kanzel der Sturm religiöser Leidenschaft ergriff, wenn er den Sabb^th in stets neuen Farben malte, in der Begeisterung derjomirp nauroim, da ballte sich ihm das Wort zum Rhythmus', die Rhythmen flössen zu (Melodien, und die ganze Predigt, vielleicht am gewaltigsten arti Morgen des letztjährigen Versöhnur.gstages, floß zü einer gewaltigen Symphonie zusammen; da loderte in ihm das Pathos eines Jesaia, da klagte aus ihm -der elegische Schmerz eines Jeremias, es erfüllte ihn die visionäre Kraft eines Ezechiel; eg sang aus ihm die der Tod spottende Zuversicht des Psalmisten; es <lagte aus ihm des Psalmisten nach Gott dürskende Seele; Gabirols Gottespreisung sang aus ihm und alle Quellen der Kabbalah hörte m in in seinen1 Reden rauschen. Wahrlich, alles, was in ihm iebte, sprach aus ihm auf der Kanzel, war ein einziger Hymnus auf die Gottheit. Und in wem auch nur ein Fünkchen religiösen Gefühles schlummerte, er mußte sich davon erschüttert fühlen, upd in vielen, vielen hat er den Funken zur hellodernden religiösen Flamme entfacht, unter Menschen^ die glaubten, ihre Ste lungnahme zum Religiösen längst abgeschlossen zu haben, wie ganz besonders aber unter der Jugend, deren Seele, .ja. dem Religiösen so weit geiffnet ist. —Wie. der Krieg beendet war, in den letzten Jahren, kam die Jugend von weither, un sich ihm zu Füßen zq setzen, und immer weiter drang der Ruf, daß hier in Frankfurt die hora eine neue Stätte gefunden hätte. Aus solch freudigem Schaffen herausL aus einer zweiten Jugend,-wie Rabbiner Nobel, sich an Goethe anlehnend, sagte, so wurde plötzlich entrissen lind fassungslos s r hier in unserem Schmerze und wolty glauben, daß unser Lehrer und Meis großer Brudjer und Vorbild, unser g zieher und (Berater für immer von schieden ist.! er uns ehen wir ns nicht er, unser iitiger Eruns geergriffen sprechen wir mit dem clze acht« JLJnd tief Abendgebet: Ümawir jaum umewi leilo. Gott hat uns den Tag vorüberziehje und, zur Nacht verwandelt Der Große is vönl uns gegangen, aber wir sprechen Wi Gottes unerforschlichem Ratschluß beug' Gott der Lebendige ist, der uns und erhält. Und mit dem Dichter sprec Denn er war Unser! Mag dieses st den lauten Schmerz gewaltig übertöneji dem äußeren Sinne der Zugehörigkeit warj er unser, sondern er war, wie ehrter Präsident hier ausgeführt hat, Verkörperung unserer Logenprinzipjii »Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintr; hattp es, seinem eigenen Standpunkt n vertrauend, dennoch für alle Glieder« meihde in gleicher Weise religiöser Ber; Freipnd zu sein verstanden. So war e Bruder im besonderen. .Bruder Nobejl die (Fähigkeit, sich ganz auszugeben u geben, und indem er sich zu dem machte, wußte er sich uns zü eigen zi So oft er in unserem Kreise das v lauschten wir mit tiefer Ehrfurcht, w derl was er sagte, uns und unserei leben die höchste und letzte Weihe Weihe der Religion. Und gerade in d Jahren ergriff er häufiger das Wort, u zu sprechen, als ob ihn die Ahnung beflügelt hätte, dem er als einer göttliche 1 mit großer seelischer Ruhe in wahrer Frqi gegenüberstan J.' Und wenn Rabbiner einem seiner letzten Vorträge kürzlich gäbe der Religion, die Aufgabe seiner dahin umschrieb, die Schechinah zu " zuführen, .so glaube ich, daß wir dieses der Kabbalah füglich als die tiefste siering dessen bezeichnen dürfen, Logenbrüder wollen und sollen. Die Si die in unserer Seele ihr Zelt, ihr Misch schlagen soll, die Schechinah, die ihren von |der Nachbarschaft zu unserer See sollte, sie zu Gott zurückzuführen, Brüder, ist die große Hinterlassenschaf Br. Rabbiner Nobel : Ihm nachzust Logenbrüder, ihm nachzustreben in ganz m Lebensgestaltung, das heißt r das i .ndenken unseres Br. Rabbiner Nobi Und wenn wir es tun, uns bemü Sehe :hinah zu Gott zurückzuführen, wir wahrhaftige Bne Briss werden und sein rnitzuwirken an der Gottheit lebendige! in Go;t Ch was da n lassen plötzlich eiter, uns end, daß die Welt len , wir: Wort! Nicht nach nur ifnser verie reinste en, der «. Er it Würde einer, Geater’ und uns ein hatte ja i id hinzu- Unsrigen machen. ergriff, eil er mit Logengab, die en letzten m des zu uns Todes Fügung mmigkeit Nobel in die Auf- Religion zurück- Cileichnis arakteriwir als cjiechinah, kan auf- Namen e haben s, liebe unseres r^ben als unserer wahrhaft el ehren, ijhen, die werden berufen m Kleid. Verantwortlich (Sr den Inhalt: Dr. E. Finkei, Berlin, Klciststr. 12. — Dntcl : Buchdruckerei Wilhelm«, Berlin SW.6S, HoHnujnnftr. 10.

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