Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beiblatt / Beilage 1922 (1922)
- Issue
- Beilage zu April/Mai 1922 (4.1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Darum ist uns der Verklärte das ideale Vorbild des wahren Bne Briss Bruders. Allerdings, Gemeinplätze wie die Worte Toleranz und Neutralität liebte er nicht. Besonders war seiner schönen Steele das' Ueberhebhche der! Worte Toleranz, Duldung zuwider. Wie es der Orden verlangt-; er war ehrlich bestrebt und bemüht, den Mitmenschen kennen zu lernen undj zu verstehen, und wer die ehrliche Absicht hat, den Nächsten zu verstehen, der wird ihn verstehen, und wer versteht, der duldet gegensätzliche Ansicht nicht; Sondern er achtet und würdigt jede, auch die gegensätzliche, ehrliche Ueberzleugung. Und »Neutral« war auch nicht ganz nachseinem Geschmack. Manchmal hat er mir in, seinem warmen, niemals verletzenden Humor divon gesprochen, daß .neutral sehr oft, fa*t immer identisch sei mit Langeweile. Neuter, »keines von beiden« ist auchr nicht das Wesen unseres .Ordens. Wenn wir im Orden Erörterungen über gegensätzliche Meinungen in Religion und Politik ausschalten, so schützt uns vor Langeweile die umso, stärkere Betätigung auf allen sozialen und ethischen Gebieten, wo wir uns eins wissen. Die Pflege der Eintracht, auch darin ist uns Bruder Nobel ein leuchtendes Vorbild. Und so war es kein äußerlicher Zufall, daß der Verklärte nicht erst seit seinem Frankfurter Wirken in unserer Loge, sondern bereis in jungen Jahren sich dem Bne Briss Orden anschloß und in allen Stätten seines Wirkens ein treuer, ein begeisterter, ein hervorragender .Ben Briss geblieben ist. Was uns Brüder Nobel bedeutet? — In seinem bereits erwähnten letzten Vortrag, am letzten Sabbathausgang seines Lebens, hat er ein Wort'gebraucht, das mich sofort in tiefster Seele berührte, das Wort von der Sabbathlichkeit der Frau —' ein Wort, so recht aus seiner schönheitserfüllten Stele. Wir wissen ja alle, wie hoch er die Frau und ihre Bedeutung schätzte. Dies hat uns auch heute abend veranlaßt, unsere Frauen an dieser Gedenkfeier teilnehmtn zu lassen. Aber in wie hohem Gracfe gilt doch das Wort von der Sabbathlichkeit von ihm, unserem dahingegangenen Bruder selbst! Wenn er bei uns sprach, da war der Sabba h eingekehrf in unserem Kreise. Aus seinem Auge leuchtete“ es uns en gegen, wie der Glanz der- Sabbathkerzen. Sein Wort stimmte unsere Seele festiägig, es brachte uns die Ruhe und die Weihe; allem Banalen, allen Kläglichkeiten des Lebens, und des Werktags waren wir entrückt — Licht,-./ Sabbath war in allen unseren Wohnungen. —" Und nun ist sein beredter Mund stille, nun gjänzt uns «ein sonnenhaftes Auge nicht mehr. Aber der Geist, den Du in uns gepflanzet, das Licht, das Du uns entzündet, wird nicht ver- - löschen,L einer reinen Flamme gleich, ein neirtomid, vvird Dein Andenken unvergänglich sein, solange les eine Frankfurt-Loge gibt. Und! nun lasset uns Abschied nehmen von ihm mit den Worten seines Meisters Goethe, mit seinem Lieblingsvers, den er so gern, so oft, und so feinsinnig in unserm Kreise variierte: »Auf der Welle blinken tausend schwebende Sterne« Auf den Wellen der Unendlichkeit und der Unvergänglichkeit wirst Du über uns eih unerreichbarer, aber ein blinkender, strahde lender Stern, der uns führen soll in Tale unseres Erdenlebens. Wir weinen um Dich, Bruder wiir sind stolz darauf, Dich besessen! Heil dem Volke, heil der Gemeind schweben, m dunklen Nobel, aber zu haben: e, heil dem Qrden, heil uns, der Frankfurt-Loge: denn «r war unser. Und unser soll seinl Andenken bleiben immerdar! Seichter zaddik liwrochoh : Das Andenken des Qerechten, des Vielgeliebten Bruders, es möge uns zum Segen werden! Amen. Br. Dr. Max Michael: Würdiger Präsident, liebe Brüder und Schwestern,; ' verehrte Frau Rabbiner! Im Mussaphgebet der Rausch-haschauno-Tage tind des Versöhnungstages, an den Jomim nauro m, qen ehrfurchterregenden Tagen, vor einem der Höhepunkte der ganzen Gebefshandlung, spricht (fer Vorbeter in feierlich rezitativer Weise ein fpr ihn allein bestimmtes Gebet, das von Jugend auf den stärksten Eindruck auf mich machte, per Vorbeter spricht: »Gott und Oott unserer Väter, sei gnädig dem Gebet der Gesandten Peines Volkes. Lehre sie, was sie ki nden sollen, .daß sie kein Wort künden, was nicht Deinem göttlichen Willen entspricht, ki chanunecho Haschern hemo chanunim umruchomecho hemo meruchomim I denn die von Dir Begnadeten sind wahrhaft begnadet und die Du liebst, sind vor wahrhafter triebe erfüllt.« An diese Gebetsstelle muß:e ich denken, so oft das Bild der großen, geistigen Und menschlichen Persönlichkeit unseres Bruders Rabbiner Nobel mir vor die Seele traf. Als ein >lon Gott begnadeter und als ein von göttlicher liebe erfüllter und göttliche Liebe ai sstrahiender großer Beter und Vorbeter unseres Volkes steht das Bild dieses Mannes vor mir, dem unser Heutiges Gedenken gilt. Und wenn wir es nicht fjassen können und wollen, daß er, der noch itor nicht zwei Wochen auf der Kanzel seiner Synagoge und in dem Lehrhause sc ergreifende Worte zu uns sprach; heutaÄfichl mehr unter uns weilt, so wüßte ich nichtToss würdiger auszudrücken,-was-uns bewegt, atynjur:h die Worte des Dichter**, S'ipuetai^j&bbifieT No>el die dichterische Verklärung eigerter* religiöser Vorstellungen sah. Was würde besser unseren Schmerz charakterisieren, als die Worte aus Goethes Epilog auf Schiller: - flst’s möglich, soll es unseren Fremd bedeuten. An dem sich jeder Wunsch geklammert hält? Den Lebens würdigen soll der Tod erbeuten? .Ach, wie verwirrt ein solch Verlust die Welt! 2 —