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Der Orden Bne Briss · 1922-04-01 · Nr. 4/5 - April/Mai (4.1922) · p. Seite 50

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 4/5 - April/Mai (4.1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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herrscht ein-Radikalismus und zwar des Gefühls, wird das biblisch-talmudische Judentum rücksichtslos bei Seite geschoben und ein neues an seine Stelle gesetzt. Dieser Radikalismus der Jugend aber in seinen beiden Formen bedeutet eine Gefahr für die Zukunft des Judentums. Der einseitige Rationalismus, der nur das Verstandesmäßige gelten läßt, zerstört die Wurzel des religiösen Lebens, das religiöse Gefühl und verschüttet die Quelle, aus der sich der Glaube immer wieder erneuert. Eine Entwidcelung des Judentums nach der Seite der Mystik hin aber würde nicht. nur ein. , Verlassen des Weges bedeuten, den unser Glaube durch die jahrtausende gegangen ist, sondern auch die Zerstörung seines ganzen geschichtlichen Wertes. Eben darin liegt ja der eigentümliche Sinn unseres biblisch - talmudischen i Judentums, daß in ihm Denken und Fühlen einander das Gleichgewicht halten, beide zum Typus der klassischen Form des Glaubens, verschmolzen sind. In aller Mystik aber wird das religjöse GelüM souverän, es befreit sich von der Fessel des Denkens und schwingt ins’XJnendliche. Wetf unsere Väter -den Sinn des Judentums deutlich empfanden, darum haben sie das Evangelium und seine schwärmerische, wirklichkeitsfremde Religiosität nicht als. jüdisch gelten lassen!und den Trennungsstrich so stark «und entschieden gezogen. Die jüdische Mystik, die Kabbalah, aber ist in der Blütezeit des Judentums überhaupt | nicht vorhanden gewesen und ist erst entstandet, nachdem der Talmud zum Tummelplatz spitzfindiger Dialektik, die Religion Gelehrsamkeit und Scharfsinn geworden war. Die Kabbalah hat ihre geschichtliche Bedeutung als Reaktion und Abwehr eines intellektuell gewordenen Judentums hnd verliert ihre Berechtigung in demselben Augenblick, in dem das Judentum seine klassische Form wiedergewinnt. Wer die Gefahreh kennt, die die Zukunft unseres Glaubens bedrohen, wird es d«her um so dankbarer empfinden, daß unsere Log en sich immer; entschiedener der Arbeit an der Jugend zuweniden. Es wird ihre Aufgabe seir , dahin zu wirken, daß unsere Jugend eine recht gründliche Kenntnis des Judentums, der hebräischen Sprache, unserer Bibel, unserer religiösen formen, der Geschichte unseres Glaubens, der jüdischen Lebensanschauung sich aneignet, damit Verständnis für das Bestehende und geschichtlicher Sinn erstarken und das religiöse Gefühl zu seinem Recht gelangt. Je tiefer unsere Jugend in den Geist des biblisch-talmudischen Judentums eindringt, | desto weniger wird sie auch der I^ockung der Mystik zum Opfer fallen, sondern auf der geschichtlichen Bahn des Judentums Wjeiterschreittn. Beschlüsse der 138. Qeneral-Komitee-Sitzung vom 30. April 1922. erforderlichenfalls in Verhandlung mit Kulturfond. Thesen Baeck-Ginsberg. 1. Der bereits am 27. November 1921 angenommene Antrag Li&ser wird bestätigte Er laiifet: »Die Logen bringen durch freiwillige Sammlungen möglichst große Mittel für einen Kuiturfond des VIII. Distrikts auf; im Mindestmaß von 100 M. für jedes Mitglied. Wenigstens die Hälfte der eingegangenen Beträge soll an die Großloge abgeiührt werden; der Restbetrag bleibt zur Verfügung der Einzelloge. Zuwendungen der Einzelloge für Institutionen erfolgen über die Großloge, welche zur Vermeidung ungleichmäßiger Verteiung der Eirjzelloge über ihre geplanten Zuwendungen eintreten wird.« > 2. Djie Aktion der Großloge soll sich zunächst auf Unterstützung der großen deutschen Kulturinstitutet wie jüdische Hochschulen, Lehranstalten, Rabbinejrun<i Lehrerseminare usw. erstrecken. , 3. Dem Antrag Blau wird zugestimnt; derselbe sojll sofort zur Ausführung gebracht werden. 4. Ejs bleibt den einzelnen Logen überlassen, der Kujturnotj der .kleinen Gemeinden durch Unterstützung! der in ihrem Bezirke wohnenden Kulturträger zu steuern. 50

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