Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 4/5 - April/Mai (4.1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, April/Mai 1922 Nttflim! ^UtteUututm (SingefiragBitsB ©BrBtn. ffigtnn ünlag m «toglüp. frnan: SO 62 Pftmtmle 12. Wjon: Itit Püoid 4619. Soürm«tomttD: $rrlfti Äatfjlinnft (ämtltdirr Vrttfcel aus btejen Xltttrtlungm Urrbotrn.^ 16383 Inhalt: Untere Jugend. — Beschlüsse der 138. Qenerml-Komitee-Sitzung von 30. April 1923. — InttslUtion der Manuel Jo& Loge ftistaltanoa der Makkabl-Loge in Konstanz. — Aus den Logen des VIII. Distrikts. — Bücherschau. — Aus dem. Verbände der Vereinigungen der U. O. B B. Logen. — Mitteilungen. — Nieder!assungsmögHchkeiten. Bre lau. Unsere Jugend. Von Rabbiner Dr. L $ Polarität ist ein Grundgesetz des Lebens. Bewegung und Oegenbewegung folgen nicht nur, wie Hegel geglaubt hat, zeitlich aufeinander, sondern zur selben Zeit sind Kräfte am Werke, die einander entgegengesetzt sind, sich gegenseitig hervorrufen und bekämpfen. Scharf zugespitzte Gegensätze beherrschen auch heute unser ganzes Leben. Wir begegnen ihnen auf^ politischem Und wirtschaftlichem Gebiet und sie treten auch in unserem religiösen Leben hervor. Unsere Orthodoxie drängt weiter nach rechts, während | der Liberalismus entschiedene Reformen verlangt. Diese Grundform des Lebens kommt nun besonders der Denkweise der Jugend entgegen. Junge Menschen neigen ja niemals zu vorsichtigen Kompromissen und sorgfältig abwägender Haltung, ihr starker Lebensdrang läßt sie nicht aufhalbem Wege stehen bleiben, sondern treibt sie bis an das Ende der einmal betretenen Bahn. * t So bewegen sich auch die religiösen Anschauungen unserer jüdischen Jugend in entschiedenen Gegensätzen. Hier herrscht der Radikalismus der Kritik, der vor keiner noch so - ehrwürdigen Tradition halt macht. Ohne genügende Kenntnis des Judentums und seiner •v i auf von der legt. die ibere w k o w i t z - Berlin. geschichtlichen Entwickelung, ohne Rücksicht darauf, ob die Eigenart unserer Religion er! alten bleibt oder zerstört wird, werden.einschnek ende Aenderungen, z. B. des Gottesdienstes, gefo dert, soweit der Religion überhaupt hoch irgendl eine Berechtigung zuerkannt (wird. Bezeichnen I für die Denkweise dieser Jugend ist, daß sic Verständlichkeit der Gebete, Streichung Wiederholungen, Zweckmäßigkeit b^i Veranstaltung der Andacht Nachdruck Hier wird ausschließlich dem Verstand Entscheidung über Fragen des Glaubens tragen. Folgt diese Gruppe einem übertriebenen, lücksichtslosen Radikalismus, so läßt sich eine ai dere von der geheimnisvoll lockenden Weise der Mystik betören. Vernunft und Wirklichkeit: sinn werden gering geschätzt und, zum Schw< igen verurteilt, das religiöse Gefühl schwelgt im Rä Lisch der Ekstase, stellt seine absolute Forderung, >hne nach der Möglickeit ihrer Erfüllung zli folgen ,Der Führer dieser Jugend ist Buber, der die jüdische Kabbalah wieder zu beleben versucht ' und auch die religiöse Romantik des Evangel ums als jüdisch bezeichnet, im Stifter des Christentums den »zentralen Juden« erblickt. Auch hier 49