Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 3 - März (3.1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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If wohnte. Sie haben jhren eigenen Geist mit dem Geist der Länder verbunden. Freilich hat es immer Unterschiede und Abstufungen gegeben, Länder, in denen der jüdische Geist geistiger, reicher, und Länder, in denen er ärmer war. Und wenn wir die Juden darnach gliedern und ordnen wollten, so dürfen wir sagen, daß die deutschen Juden — dieses Wort in seinem weiten Sinne genommen — die Geistigen unter den Oeistigen geworden sind. Sie sind es nicht von Anfang an gewesen, denn der Geist ist nicht ein Erbe, das man empfängt, Oeist wird errungen, er wird erhalten, indem er errungen und erkämpft wird. Darum hat ja die Führerschaft im Oeiste in den verschiedenen Zeiten der Geschichte gewechselt. Lange Zeit hindurch waren die Juden in Spanien und Portugal die Führenden gewesen, sie haben damals die großen Systeme geschaffen, sie haben die großen Männer hervorgebracht., Aber ihre Zeit ist vorübergegangen und seit mehreren Generationen sind es nun die deutschen Juden, die das Erbe des Geistes ergriffen haben. Seit eineinhalb Jahrhunderten dringt in fast die ganze Judenheit Leben von dem Geiste, der der Geist der deutschen Juden ist. Wir sind seit fünf Generationen die Führenden. Welche jüdische Bewegung man immer ins Auge faßt, Orthodoxie, Liberalismus, Zionismus, Wissenschaft, in jeder sind die Oedanken, die sich die jüdische Welt erobert haben, gezeugt worden von deutschen Juden. Der Geist kann nicht ins Leben, ins Haus gebracht werden, den Geist muß das Leben, das Haüs sich selber schaffen, und das haben die deutschen Juden vermocht. Sie haben jüdischer Kultur die Stätte bereitet. Es sind jüdische Schulen, jüdische Hochschulen, Häuser der jüdischen Wissenschaft, die den deutschen Juden ihre Stellung in der Welt gegeben haben. So befremdlich es zunächst auch klingen mag, so wahr ist es doch: auch die Pioniere des Handels, auch die Männer der allgemeinen Wissenschaft sind aus diesen Stätten hervorgegangen. Auch sie sind gewissermaßen geboren im jüdischen Lehrhaus, im Beth Hamidrasch. Onne das Lehrhaus, ohne das Beth Haraidrasch hätten wir auch die großen jüdischen Käufleute, die Meister des Handels, die Meister der Finanzen, , auch die großen Professoren, die Meister.der Wissenschaft nicht gehabt. Dort, wo die jüdische das die Gegen w irt vor uns hin. Las für Uns deutsc le nicht nur in dun Mot unsere ‘Not i >t. Deutschland dro lt Wissenschaft erstorben ist, dort haben die juceir zuletzt auch viel von der Stellung verloren,' Sie sie in Wirtschaft, in Handel, in Industrie ti nd Wissenschaft hatten. Und wiederum jüden i er Länder, in denen der jüdische Geist seine Heir tat und sein Heim in Stätten jü bischer Wissenscti aft behielt, sind auf allen Oebieten des Lebens ü 1er ihr Land hinaus zu Bedeutung,und Geltung aufgestiegen. Daher sind deutsche Juden'ai ch in fremden Ländern Pioniere der Wirtschaft jeworden. Die Wiege der meisten der fuden, die dort zur Größe ihres Lande» beigetragen Jiab;n, hat in Deutschland gestande n. Damit tritt das Problem, uns deutschen Juden stellt, Schicksal Deutschlands ist Juden auch ein Schicksal, Sinne, daß des Vaterlandes Die politische Deklassierung auch uns deutsche Juden inmitten der jüdischen Welt zu deklassieren. Heufe droht d»e Oefa ir, daß wir unsere Stellung, die wir von den Väte n ererbt haben, an Juden andejrer Länder abgeb in sollen. Wollen wir uns darin! fügen, in stumpf« m Fatalismus es so kommen lassen? Wir deutsch in’ Juden, wir haben in der ganzen jüdischen W;lt gelehrt, gelenkt und bestimmt; wollen wir dis aufgeben und den »Bankrott anmelden?. Die >e Frage muß sich jeder vörlegen, und wenn er sie an sich gestellt hat, dann wijd er äuch'jdie Ar twort zu geben wissen. Wir* wollen die bleibe n„ die wir geworden, die wir sifid; wir wollen d is erhalten, was die Väter und Oroßväter uns übe r* geben haben. Der Name des deutschen Jüdi n klingt in der Welt; wir wollepi ihn weiter kling« n und gelten lassen. I Dizu ist es nötig, ' daß Unsere jüdijc e Kultur in Deutschland erhalten bleibt. »Erst muß man zu leben haben), dann kann d is Philosophieren beginnen,« I so sagt das al :e lateinische Wort. Und der Satz auä unser« n Sprüchen der Väter sagt: »Ist. kein Brot da, so kann die Thora nicht leben, r. der Wissenschaft wollen wil sehen Bne Briss, wir sollen, sorgenf Sorgen heißt Opfer gezwungener Hand, sondern Vielleicht sagt mancher: wir geben ohnehin vi Aber, wenn zwei Bücher vor werden könnten, Für dieses Brbt sorgen, wir deijtwir wollen daf ir bringen, nicht n it gern .und ganz. uns aufgeschlag« n und in dasj eine Buch hineiji- \ i i. — 35 —