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Der Orden Bne Briss · 1922-02-01 · Nr. 2 - Februar (2.1922) · p. Seite 28

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 2 - Februar (2.1922)
Date
1922-02-01
Page
Seite 28 (sequence 12)
Language
German
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wäre noch nie ein starkes Aufsuchen der Loge vorhanden gewesen wie in der gegenwärtigen Zeit. Hintereinander seien die Jesaia-, Jeremia-, die Loge zu deii. drei Erzvätern und Jacob Herz- Loge gegründet wbitden, und heute habe er_die Freude, die 90, Lage im deutschen Distrikt, die 912. Loge in unsjerem Orden, unter dem von den Petenten gewählten Namen Akiba Eger zu begründen. ' j J . Der Name Akiba Eger, den der letzte Gaon Deutschlands. trug[ sei von _ der Gfoßloge mit einer gewissen Wehmut genehmigt worden, da ihn bisher'die aufgelöste Loge in Ostrowo führte. Der Namje. sei umstrahlt vom Glanz jüdischen Wissenk, innerlicher Frömmigkeit, herzlichen Familienlebens, staatsbürgerlicher Pfichttreüe und fahrender Hilfsbereitschaft: ein wahres Vorbild füjrjeden Ben Briss. Nicht nut det Wunsch — so fährt der Redner fort — diesem Vorbild nachzustreben, auch noch ein anderes Gefühl hat bei der Namenswahl mitgewirkt. — Nach dem unglücklichen Ausgäng des Krieges stand ein Teil unserer Glaubensbrüder in Deutschland vor einem eigenartigen Widerstreit von Gefühlen. Sie mußten wählen zwischen Heimat und. Heimat, zwischen ider Heimatscholle, auf der sie geboren, und der größeren Heimat, der sie angehörten. Nach der Besetzung Elsaß-Lothringens standen die Juder» vor der Wahl, sich zu entscheiden, entweder in ihrer engeren Heimat zu bleiben, .oder in jd.as große deutsche Vaterland das allerdings verarmt, zerstückelt und zerrissen war, abzuwandem. Obgleich den elsässischen Juden in Frankreich günstigere Verhältnisse bevbrstanden, weil Frankreich weniger vom Antisemitismus verseucht ist, und weil Frankreich zu den Siegertändern gehört, haben doch die dortigen Juden es vorgezogen, Not und-Elend mit dem großen Vaterlande zu teilen ‘und nach Deutschland auszuwandem. Auch unsertj |Brüder in den östlichen Provinzen hatten ejihtn ähnlichen Kampf zu bestehen. Sie ibußten wählen zwischen der engeren posenschön Heimat und dem deutschen Vaterland» Wit die Elsässer, so entschieden sich .die meist^H der Posener Juden für das deutsche Vaterland. Freilich fiel ihnen die Trennurig nicht leicht, wie es auch bei unseren Ahnen in früheren Jahrhunderten der Fall war.j Als unsere Väter Spänien verlassen sollten, - ■ so erzählt die Geschichte, — verbrachten sie Tige und Nächte auf den Friedhöfen unter V 'einen und Klagen bei den Gräbern ihrer Väter. [Auch nahmön sie das geistige Gut mit u ld bewahrten es wie ein Kleinod. Die süßen Wohllaute der spanischen Sprache nabmen sie n it, und bis auf deni heutigen Tag*leben sie noch in Munde der spanischen Verbannten fort.- Als unsere Väter im •Mittelalter die deutsche F eimatj'verlassen und nach den östlichen slav sehen Ländern auswandern mußten, nahmen se die deutsche Sprache und auch den gottesenstlichen Ritus mit, den sie auf slavischem den weiter pflegten. Auch haben sie aus eutschland die geistigen Führer mitgenommen, e in den slaviscnen Ländern Schulen er chteten, die zur hohen Blüte gelangt sind. Infolge der verschiedenen Teilungen Polens War ein Teil der polnischen Juden dem eutsch^n Vaterlande wieder einverleibt worden iese zu Deutschland gleichsam zurückgeführten J^den waren beglückt, daß sie ihre Heimat ieder gefunden hatten. Mit Begeisterung aben sie sich der deutschen Sprache und dei eutschen Kultur hin. Infolge des Friedensvertrages zu Versailles tändelt diese Juden im Osten wiederum voi!er Frage, zwischen1 der heimatlichen Scholle ind dem großen deutschen Vateriande zt wählen. Sie entschieden sich für das letztere. Wie aber einst unsere Ahnen, so brachten sie auch aus ihrer alten Heimat in das deutsche /ateriand jene Tugenden mit, die sie dort gepfleg latten : das jüdische Leben und die Begeisterung ür da$ Judentum. Heute befinden sich' unte ■ len Petenten eine große Anzahl von Brüdern jus der Provinz Posen. Durch, die Wahl de» Samens wollten siej ihrem Heimatsgefühl Ausruck | verleihen, lieben Erinnerungen an dis eimat» an treues Wirken in Staat, Stadt un i emeinde, zu deren Gedeihen alle deutsche 1 Juden immer ihr reiches Teil beigetragen1 haben. Zu den Mitgliedern aus dem Osten gesel t sich eine große Anzahl Bürger unserer Stad . Diese Vereinigung wollen wir als Symbol dafi r auffassen, daß sich Ost und West in d< r deutschen Hauptstadt zur jüdischen Tat vereiniget, Deutschtum und Judentum sich in dieser Loge zur segensreichen Tätigkeit verbinden. - 26

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