Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 12 - November (11.1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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durch I den Edelsinn mancher Polen genossen haben. Sie wird nicht vergessen, daß Kasimir der'Große (1333—1370) es war, der unseren Vorfahren eine Zufluchtsstätte in deri polnischen Landeil gewährte, als die Juden in Deutschland für ihr Leben fürchten mußten. Die Juden in Polen werden nicht vergessen, daß ihre Väter dort einst eine gewisse Autonomie besaßen, so daß dort berühmte Lehrstätten für Thora und Talmud entstehen konnten. Sie werden nicht vergessen, daß die-Juden im Zartum Polen, in Oesterreich und in Galizien ihre Gleichberechtigung den. ßemühungen edler, hochherziger Polen! verdankte». (Marquis Alexander Wielopolski^ Franz Smolka, Gniewosz, Agenor Göluchowski, Rogawski u. a. m.) Freilich werden wir die Polen gelegentlich daran erinnern müssen, daß die Juden sich für die empfangenen Wohltaten dankbar erwiesen haben, daß sie beispielsweise in den polnischen Freiheitskriegen für die polnische Sache’ kämpften und bluteten. Wir werden sie erinnern an die jüdischen Helden unter Berko Josetowicz und seinem Sohne Josef Berkowicz, an den Direktor der Rabbinerschule in Warschau Eisenbaum, sowie an den Rabbiner Dow Ber M e i s e 1 s in Krakau, die von glühendem Patriotismus fürs polnische Vaterland erfüllt waren. Wir werden die Polen erinnern, daß kein Geringerer als ihr Dichterfürst Adam Mickiewic? (f 1855) die Treue der Juden dankbarst anerkannt und sie in seinem berühmten Epos „Pan Tadeusz“ bezeugt hat mit den Worten: „Ein braver Jude liebt sein Vaterland wie der Pole.“ j Die weniger edel ‘gesinnten Polen, die nach moskcTwitischen Methoden die Juden behandeln möchten, werden wir daran erinnfcm, daß derselbe Völkerbund, dem sie die Wiederherstellung des polnischen Staates verdanken, den neuentstandenen Staaten den Schütz der Minoritäten zur Pflicht gemacht hat, und daß es sich mit diesem Schutze nicht verträgt, wenn man den Minoritäten durch Verdrängung aus Aemtem, durch wirtschaftlichen Boykott u. dergl. mehr die Lebensadern unterbindet und jede Erwerbsmöglichkeit raubt. Es datf nicht vprkommen, daß die Agrar-Reform — wie es jetzt in Galizien geschieht. — zur Geißel für jüdische Landwirte "wird, daß nur jüdische fächter und landwirtschaftliche jüdische Beamte f die Straße gesetzt werden, daß nur jüdische utsbesitzer unter Androhung der Enteignung [ezwungen werden, ihre besten Güter zu einem leuderpreis zu veräußern,1 während die Nichtjjiden von der Agrar-Reform nicht berührt werden, egen solchen „Minoritätenschutz“ werden sich cie Juden zu wehren haben und ihre Beschwerden an der Stelle anbringen, die ihnen den Schutz f Verliehst verbürgt hat. Die Juden werden gegen c erartige Entrechtungen und Zurücksetzungen rieht nur der materiellen Oüter willen kämpfen, sqndern von einem höheren ethischen Stand- (ankt. Denn bekanntlich schafft die soziale No Moralische Schäden und i verleitet den Menschei i i seinem Daseinskämpfe zu unmoralisch Handlungen, wie das jüdische Sprichwort ei innig ausdrückt: „Armut macht PasslUss“ Das bisher Gesagte gilt für diejenigen oberächlesischen Juden, die aus familiären und an deren Gründen *sich veranlaßt fühlen werden, ir ihrer älten Heimat unter polnischer Herrschaf; :u verbleiben. Es werden aber viele ober schlesische Juden aus Liebe zu deutscher Kultu und deutschen Wesen ihren bisherigen Wohn sitz, weil er’ polnisch geworden ist, verlassen und in das innere Deutschland flüchten. Diese Züchtlinge sollen bei uns eine brüderliche Aufuahme finden; wir werden ihnen bei der Begründung einer neuen Existenz nach Kräften leistehen, damit'sie neben uns sorgenlos leba^ cönnen. * ’ I Mit aufrichtiger Teilnahme empfinden wir den iefen Schmerz, den die Entscheidung der Boi- : ichafter - Konferenz * unseren oberschlesischei i Glaubensgenossen-, verursacht hat; wir können liesen Schmerz vollauf ermessen und ihn nachrüblen. Aber ein Moment, das wir hier zuri Schluß noch hervorheben möchten, ist dazu angetan, ihre und unsere-Trauer ein wenig zi indem, nämlich das Bewußtsein treuer Pflichl- :rfüllung. Die-oberschlesischen Juden haben zu illen Zeiten und auch in den letzten Jahren der Leiden und Prüfungen ihre Liebe und Treue rur engeren Heimat in vortrefflicher Weise b< - kündet Bei den| Vorbereitungen zur Abstin - mung haben jüdische Gemeinden und jüdische Logen miteinander gewetteifert, ihre Landsleuie aus dem Innern Deutschlands zur Abstimmung - 1041