Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 12 - November (11.1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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und Ratschläge für die Zukunft zu'geben. So sehr wir mit dem ganzen deutschen Volke den Wunsch hegen, daß eine gütige Vorsehung den Oeist der Völker erleuchten möge, auf daß sie recht bald die Rechtverletzungen gegenüber unsrem Vaterlande einsehen und gutmachen, müssen wir uns zunächst mit den für uns( betrübenden Tatsachen abfinden. — wir verlieren einige Logen, und es fragt sich nun, was jetzt geschehen soll. Sollen sich diese Logen ganz auflösen oder nach einem Modus suchen, um fortzubestehen, damit sie wenigstens dem Gesamtorden erhalten bleiben? Und. da meine ich,' daß jeder Vernünftige das Letztere wählen wird. Die von dem deutschen Distrikte ^^»getrennten Logen müßten sich schleunigst mit den anderen östlichen Logen, die uns infolge .des Friedensvertrages verloren gegangen sind, verbinden und mit den bereits in Polen bestehenden Logen in Krakau und Lemberg ein General-Komitee für Polen gründen. Das Executiv-Komitee in Amerika wird ihnen gern hierzu seinen Beistand leihen. Und der polnische Distrikt wird reichliche Arbeit findenv Zunächst gibt es in Polen sehr viel Not zu lindern; denn gerade auf polnischem Boden hat der furchtbare Krieg heftig gewütet, sehr viele Menschen und Werte vernähtet und viele Existenzen , zerstört. Diese Existenzen wieder aufzurichte/n und die Kriegs- «a i s e n zu erziehen, wird wohl eine schwere, er eine überaus lohnende Aufgabe sein. Auch auf erziehlichem Gebiete wird die Arbeit groß sein. Der schwere Druck von seiten des Zarismus und der Polen, unter dem unsere ” Glaubensgenossen im Osten lebten, hat bei einem Teil von ihnen manche ethischen Mängel gezeitigt, die man von judenfeindlicher Seite als immanente Eigenschaften des Juden ausgegeben hat. Diese Tatsachen wollen wir nicht verschweigen.. Es' wird daher die Aufgabe jder polnischen Logen sein, an die ethische Erziehung der dortigen Juden mit Ernst und Eifer heranzugehen, um >den geistigen und sittlichen Charakter unserer Glaubensgenossen höher zu entwickeln und zu stärken.« Daß unsere Glaubensbrüder im Osten neben den Fehlern und Schwächen auch große - Vorzüge besitzen, braucht in diesen Blättern nicht erst' hervorgehoben zu werden; dieser Umstand wird das Erziehungswerk fördern. Und die polnische Regierung? Die polnische Rjegieiurig dürfte dem Wirken der Brie' Briss. Logen keine Hindernisse in den Weg legen, wenn sie erfahren wird, daß der- U. O. B. B.1 eine alte. amerikanische Organisation ist, die sich' in Amerika einer großen V^ertschätzung erfreu; und bei den amerikanischen. Regierungen hohes Ansehen genießt. Verdankt. doch Polen seine Auferstehung und die Wiederherstellung seines Reiches zum großen .Teil dem ameri-, kanischen Volke. .*! M ein Optimismus geht noch weiter und läßt nich sogar zuversichtlich hoffen, daß in absehbarer Zeit die Beziehungen zwischen Polen und Juden sich günstiger und friedlicher gestalten werd :n. Wohl haben die Polen in den letzten Jahrzehnten den Juden das Leben verbittert, aber das ist zum Teil auf den Druck zurückzufüh ren, unter dem sie selbst unter der. zaristischen Regierung seufzten. Werden sich aber die Verhältnisse im neuen Polenreiche konsolidieren, so werden die nationalen Chauvinisten nicht mehr das' große Wort führen, und .die Einsichtigen unter den Polen werden 'einen modis vivendi mit den Juden herbeizuführen suchen. Denn ein neuerstanderier Staat bedarf der Zusammenfassung äller Kräfte zur friedlichen Arbeit, er wird daher nicht die Torheit begehen, sich etwa 20% Seiner Bevölkerung von wirtschaftlich weitreichender Bedeutung zu Gegnern zu machen. '' . ■ tt' Und die polnischen Juden? Unsere in Polen ansäs sigen Glaubensgenossen werden sicherlich, bereit sein, ihre Hand1 zur Verständigung zu bieten. Denn nach einem biblischen Gebote (3. M. 19, 18) sind wir Juden/frei-von* Haß- und Rachegefühl; wir vergessen rasch'’Unbill, und Kränkungen, die man uns angetan. In. unserer Versöhnlichkeit haben wir. zu allen Zeiten un^j in allen Ländern Schmähungen Und Beschimpfungen, Verfolgungen .und Bedrückungen,, ja selbst Martern und Scheiterhaufen vergessen und können daher mit unserer Umgebung in Frieden und Freundschaft leben... Auch die. ♦ * , jüdische Bevölkerung im neu entstandener! Polenstaate wird dem polnischen Volke nicht nachtragen, sondern vergessen und verzeihen. Mit dem Geiste echt jüdischer Friedensliebe wird sie nicht an die Drangsale un|d. Pogrome, sondern an die Wohltaten denken, die die Juden 103