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Der Orden Bne Briss · 1921-11-01 · Nr. 12 - November (11.1921) · p. Seite 102

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 12 - November (11.1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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I sowie den Verlust Millionen deutscher Brüder, die^gegen ihren Willen auf ^Gedeih und Verderb einem Volke, dessen Sprache sie nicht verstehen, ausgeliefert werden. Noch schmerzlicher empfinden wir Juden diesen Schiedsspruch vom jüdisch -ethischen Standpunkte, Wir Juden, die wir die Zeit herbeisehnen, in der nach der Verheißung der Propheten ein Band xier Bruderliebe alle Menschenkinder umschlingen wird, sind durch diese Entscheidung geradezu niedergeschmettert, weil durch sie das Ideal der Völkerversöhnung und eines wirklichen Friedens wieder in weite Ferne gerückt wurde. Und noch aus einem anderen Grunde trifft uns, Juden die Zerstückelung Oberschlesiens sehr hart. . Dieses Land der „schwarzen Diamanten“,. das für den Wohlstand Deutschlands von weittragender Bedeutung war, besitzt eine, hochentwickelte jüdische Bevölkerung, die durch ihre Taten und Leistungen der gesamten deutschen Judenheit zum Ruhm und Segen gereichte. Die Juden Oberschlesiens haben vielfach zur Blüte ihrer Heimat beigetragen' und an der; geistigen Und soziaien Entwicklung der dortigen ■ Bevölkerung regsten Anteil genommen. In den; jüdischen Gemeinden Oberschlesiens pulsierte jj echt [jüdisches Leben; stets opferbereiter und : nimriier ermüdender Wohltätigkeitssinn hat Woliltätigk'eitsanstalten und Wohlfahrtsvereine in großer Zahl geschaffen, die als mustergültig bezeichnet werden können. Durch ihre Nach- ■, barschaft zu den. ostjüdischen Zentren haben sie ‘ die Leiden unserer Brüder in Polen und Rußland : genau gekannt; sie waren daher stets bemüht,' nicht nur selbst dufch große Opfer die Not der i Ostjuden zu lindem, sondern auch die Glaubens-1 genpssen im Inneren Deutschlands zur tätigen! Mitarbeit heranzuziehen. Die Bestrebungen zurj Kolonisation Palästinas haben in Oberschlesien: frühzeitig Verständnis gefunden. Die ersten j Konferenzen der Cfiowew6-Zion fanden in den' Mauern von Kattowitz statt Kein Wunder, daß; die empfänglichen Herzen der oberschlesischen; Juden sich auch für unseren Orden bald nach seiner Verpflanzung nach Deutschland t>e-: geisterten und .seine-. Ideale zu verwirklichen suchten. So wurde die Concordia-Loge Kattowitz schon im Juni 1883, die Mamreh-Loge Beufthen im Januar .1884, die Humanitas-Loge Olejwitz im Oktober 1884, die Caritas-Loge noch | Kreuzburg (später Kempen) im April 1885, cie | Friedens-Loge Ratibbr im Mai 1886 begründ :t. : Diesen Logen folglen spätgr weitere Arbeitsstätten - unseres Bundes: die Humboldt-Lo: je i Neiße im Oktober 1901, die Michael Sachs-Lo je Königshütte im Jurri 1903, die Veritas-Loje ' Hindenburg im Februar 1906 und die Freiheit- Loge Oppeln im Ncvember 1911. Die Juden Obersthlesiens, von denen mehrere Hundert unserem Bunde angehören, haben cer, i deutschen Judenheit stark-geistige und , zielt e-; wußte Führer sowie berühmte Träger jüdisch :n | Lebens geliefert. Es sei hier beispielsweise \ erinnert an den Br. Expräsidenten justizrat H ermann Staub s.'a. von der Berthold Auerbach- Loge, dessen Kommentar zum Handelsgesetz! in der der deutschen Rechtswissenschaft heute hohe Anerkennung genießt, an den tiefr gründigen Religionsphilosophen Rabbiner Prof. Dr. Jacob Guttmann in Breslau s. A., an den Geheimen Sanitätsrat l}r. Stern, den ersten V orsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin, an Prof. Dr. Moritz Schäfer, rfen unermüdlichen Arbeiter im D. J. G. B. und vjiele andere, die in versef iedenen jüdischen Gemeinden als Rabbiner und Vorsteher zum SegeU der deutschen Judenleit wirken. Und es ist sicherlich kein Zufall, < aß unser langjähriger und hochgeschätzter Großpräsident und un$er Vizegroßpräsident, die BBr. Timendorfer und Kuznitzky, Ol Schlesier sind. Infolge der für unser Vaterland ungünSti] Entscheidung verliert nun die deutsche Judenheit eine Anzahl leistungsfähiger Gemeinden, verl ert unser Orden gut arbeitende Logen, die seit il reb Begründung Ersprießliches im Sinne unseres Bundes leisteten. Der ausführliche Bericht der Concordia-Loge über die Arbeiterfürsorgesll eile in Kattowitz (M. B. Dez. 1920) ist unseren Brüqern noch in frischer Erinnerung. Aus die: em konnten wir mit Genugtuung ersehen, mit welcher Liebe sich diese Loge der in OI>erschlesien weilenden ostjüdischen Flüchtli ige angenommen, und wie sie es verstanden lat, diese Heimatlosen zu produktiver, nützlicher Arbeit anzuleiten und anzuhalten. * Es wäre unserer Logen unwürdig, wollten wir uns hier nur auf die Klage über den schmerzlichen Verlust beschränket!, ohne ihnen Winke BBr. >berm 102

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