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Der Orden Bne Briss · 1921-10-01 · Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921) · p. Seite 90

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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und Frankfurt; Prag 'und Wien — die Gemeinden aufgelöst, ihre Mitglieder von Haus und Hof verjagt, ihre kulturellen Werte zerstört wurden. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Juden griff zum Wanderstab, und fand in derti damals mächtigen polnischen Reiche bereitwillige Aufnahme und weitreichende Selbstverwaltung. Inmitten der neuen Umgebung, ungeachtet der weit günstigeren Lebensbedingungen blieben die Einwanderer undihre Nachkommen $ich ihrer kulturellen Ueberlegenheit bewußt, behielten sie ihre deutsche -Sprache,- ihre von der alten Heimat herstammenden Namen, ihre ehrwürdigen Ueberlieferungen. Deren beste und stärkste bildete die enthusiastische, selbstverleugnende Frömmigkeit, bildete das eindringende Talmudstudium, das unter den Stürmen der Verfolgungen wohl gelitten, doch nie ganz aufgehört hatte. Das quellenmäßige Talmudstudium nahm im Polen des 16. Jahrhunderts einen gewaltigen Aufschwung, Salomo Luria in Lublin (1510—1572)( aus. einer Wormser Familie, erwies sich als der geistige Erbe Raschis. den er stolz seinen leiblichen Ahnen nannte, und erschloß wieder den Weg zum. geraden, schlichten Verständnis der alten Weisheit. Mächtig schoß die Saat in die Halme, das Tälmudstudium würde zum Lebenselement . unter den Juden Polens, seine Durchforschung ward zur^Angelegenheit des ganzen Volkes, der Geist des Talfnuds erfüllte das jüdische Gemeinwesen. Jede Gemeinde unterhieltihf Lehrhaus, größere zogen viele Hunderte von Jüngern an, es wurde geforscht und geschrieben, die gesamte Jpdenheit erwartete von Polen ihre geistige Nahrung. Allein Polen vermochte sich auf seiner schwindelnden Höhe nicht zu erhalten, der Wurm der Zersetzung nagte auch am jüdischen Gemeinwesen. Unter den Bürgern schürte die Geistlichkeit den Haß gegen die ungläubigen Mitbewerber, der verkommene Adel betrieb unter dem Titel des Schutzes die Versklavung und seelische Erniedrigung „seiner“ Juden. Die Horden Chmielnickis, die Einfälle der "Moskowiter und der Schweden (1648—1656) verursachten ein Gemetzel,'wie es selbst die an Blut und. Tränen reiche Geschichte der Juden bis in die Gegenwart nicht zu verzeichnen hatte. Ein Strom von Rückwanderern ergoß sich über Westeuropa, zumal über das benachbarte Deutschland, wo allmählich neue Gemeinden erstanden waren und nach jüdischem Leben lechzten. Man begrüßte die Flüchtlinge aus Polen mit der gewöhntet) Ehrfurcht als Träger überragender i Gelehrsamkeit und erhabener Traditionen, — pber was siej mitbrachten, war nicht belebende Kr.ift, sondern ein tödlicher Geist der Erstarrung. Las talmudisjche Lehrhaus war ihpen eine Fechtirschule geworden zur Geltendmachung von Spitzfindigkeit und Klügelei, jede Fühlung mit dum Leben, jede Berührung mit der allgemeinen Kuhur war abtlanden gekommen, das Judentum sch en ein Petrefakt gew'orden. Die religiöse Begeisteer rung wär zur Raserei ausgeartet, die in ih barbarischen Gebärdung abstoßend wirkte, |o< ler stumpfe; starre Buchstabenverehrung hatte all en Glauben und alle seelische Erhebung erschlagen. In dem [Augenblick, wo die Aufklärung aaliin gelangtej auc*1 ‘m Juden das Menschenantlitz zu erkennet), bot sich dieses in arger Verzerru ng dar, war der Jude zum Hohn und Gespött c er Umwelt geworden und — ein weit schwerem Verhängnis — sich selbst und seiner Vergangenheit entfremdet. Sein Glaube bedeutete ihm nichts, es fehlte ihm jeder innere Gegenw gegen cjie Lockmi tel der Welt, die mitl( ih Schönheit, mit ihr^n Genüssen reizte. Es v^ar udentums, es hatte in s der Tiefstand des den Halt verloren. :r- Den Weg zum [Aufstieg aus der tiefen niedrigurfg wies Mjises Mendelssohn .(1720 bis 1786). Seine anspruchslose Tugend erschütterte das eingewurzelte Vorurteil gegen die Judemu zeigte den jüdischeiji Charakter in seiner edelsten Ausprägung. „Wie frei von Vorurteilen s;in Geist, s^in Herz wie offen jeder Tugend, wie eingestimmt mit jeder Schönheit/1 so preist Lessing seinen N.ithan. Diese Bewundert teilten alle Zeitgenossen, und da Mendelssohn „so ganz, nur Jude scheinen wollte“, ward s Leben zuf Ehrenretlung der Juden. Sein Verhal ward zum Vorbild für seine Jünger, er w sie auf die Teilnahme an Kultur und Bildung ihrer Umgebung, verwies unverdrossen auf Notwendigkeit der Verbesserung der Erzieht und desj Unterricites der jüdischen Juge Seiner Alkregung verdankte die „jüdische Fr <M schule“ iji Berlin i ire Entstehung, in der zue rst ert er ich :in en ies die "g ld. Jy .

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