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Der Orden Bne Briss · 1921-10-01 · Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921) · p. Seite 89

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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sieht, Schwere Rätsel auf. Er ist ein durchaus morgenländisches Buch, nur aus der Anschauung, der Alisdrucksweise, den Sitten und Gewohnheiten (seiner Heimat und seiner Zeit zu verstehen. Wer im Abendland unter gänzlich anderen jLebensbedingungen aufgewachsen war, dem ntußte der Talmud ein Buch mit sieben Siegeln bleiben — es sei denn; daß ihm eine auf die Heimat des Werkes zurückgehende Ueberlieferung zu Gebote stand. Daß sie vorhanden war, darf als Ruhmestitel für die jüdische Kultur des Mittelalters in Anspruch genommen werden. Na<jh Deutschland kam sie vom Mittelmeer, aus Njarbonne in Südfrankreich, unmittelbarer aber ai|s Italien, und zwar tatsächlich nicht ganz ohne M itwirkung eines deutschen Königs. Otto II. wurde 982 nach einer verlorenen Schlacht in Apulien durch Kalonymos da Lucca das Leben geiettet, die Familie Kalonymos wurde durch ihn nach .Mainz verpflanzt, ihre Privilegien bildeten v lange Jahrhunderte die Grundlage für die Rechtsstellung der Juden jm Abendlande; Ueberreste ihres Steinhauses und ihrer Geschäftssiegel mit dem kaiserlichen Adler wurden neuerdings ausgegraben. Die'se Familie Kalonymos brachte aus Italien, dem Lande, des Mittelmeerverkehrs, die Ueberllefetung der Talmuderläuterung mit, die von den Lehrhäusern am Rhein — Mainz, Worms, Speyer — zur Meisterschaft erhoben wurde. Dort lehrte R. Gerschom aus Metz, dem eine dankbare Nachwelt den Beinamen „Leuchte der Diaspora“ erteilt hat, (um 1020). Seine Verordnungen (Takkanot) j^ur Regelung des rechtlichen und sozialen Lebens ha^en bei den Juden des * gesam en Abendlandes Anerkennung gefunden. In Worms und in Mainz erhielt Salomo b. Isaak aus Tioyes (Raschi; 1040 — 1105) seine Ausbildung, der als Erklärer des Talmuds unerreicht da* steht; sein Kommentar ist jedem Talmudstudierenden aller Zeiten und Länder unentbehrlich geworden. Kein Talmudtext wurde ohne ihn im Druck veröffentlicht. Dank Raschis Erklärungskunst, die in den rheinischen Schulen sorgsame Pflege und Fortsetzung fand, ist dieses Werk schwerer Gelehrsamkeit unter den Juden ein Volksbuch geworden, das sie durch die Jahrhunderte des Entsetzens begleitete und ihnen in aller Trübsal eine Aufrichtung, in der Wanderung durch das Tal des Todes eine kulturelle Heimat und Ruhestatt wurde. Eine weitere Ueberlieferung brachte die Familie Kalonymos aus Italien mit, die innige'warmherzige Religiosität, welche später den „Frommen von Aschkenas“ nachgerühmt wurde. ’ In gewissem Sinne war diese das Gegengewicht gegen den Talmud, der die Verstandeskraft unc die rationalen Momente der, Religion an regte der die Uebung einschärfte und, mißverstanden Werkiieiligkeit förderte Die „Frommen* ir Deutschland“ aber hielten darauf, daß cjie Mit teilungen der Religion nicht „durch dfe'schmal« Ritze des Verstandes“, sondern durch den breiter Torweg des Gefühls in das Gemüt eingingen sie legten Nachdruck auf die Unmittelbarkeit des Empfindens, auf den Enthusiasmus des religiöser Erlebens. Bekenner wollten sie nicht erS’t durcl den schweren Gang zum Martyrium, sondert ( durch jedes Gebet; durch jede religiöse Hand: lung werden» Sie schufen sich ihre eigenen — der Zeit angemessenen — religiösen Formej und Hymnen, erfüllten aber auch die; überliefert;n mit so echter Andacht, Tiefe und inmigke t, daß die ^Sehnsucht nach dem lieberirdiscien, nach Vereinigung mit dem Göttlichen in ihnen zum Ausdruck gelangte; Samuel'4er Fromme (geb. 1116) und sein’Sohn Jehuda de’ Fromme (gest. 1217), beide in Regensburg, haben in gewissem Sinne die Religion neu belebt, di i Juder iheit wieder beten gelehrt, in ihr-die'Wärm: des Fühlens erzeugt, welcher ein wie Wild gehetztes Volk zu seiner Erhaltung, bedarf. Uh f da echte jüdische Religiosität nur mit lauterster Sittlichkeit verschwistert bestehen* kann, habe i sie populäre Sittenbüchei verfallt,’die,-erhabene l Lehren der Propheten und Talmudisten in Kleirmünie umgewandelt als Vadeniecum fürs täj - liehei Leben — ein unwägbarer Schatz,für die harten Tage der Versuchung. " Häufiger als dtr Erzvater Abraham wurden die Juden Deutscf - >ands auf die Probe gestellt, und sie. haben die Probe bestanden. Sie besaßen die.Demut; ilr Leben für nichts zu achten, ganz in der Idee des Glaubens aufzugehen, sie haben deh Namei Gottes durch Hingabe ihres Lebens geheiligt, ihm ihre Liebe bezeigt '„mit ganzem Herzei i, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“. folgtei dene l * uf das grausame Wüten der Jahre 1348—S D :n 1V» Jahrhunderte der Vertreibungen, Hn n mit wenig Ausnahmen — wie. Wortrs _ SQ _

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