Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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nach moderner Methode neben den jüdischen Fächern deutsche Sprache und Realien unterrichtet und die Kinder für das Leben vorbereitet wurden. Seine Uebersetzung , der Psalmen und des Pentateuchs verbreitete Kenntnis der klassischen deutschen Sprache untef den Juden, seine Kommentare weckten das Verständnis für den einfachen Sinn, für den poetischen Gehalt der biblischen Schriften, für hebräische Sprache und Poesie. So knüpfte an Moses Mendelssohn eine neue Kulturbeweguhg an; für die jüdischen Kinder entstanden allenthalben; in Deutschland methodisch aufgebaute Profanschulen, die Erwachsenen bildeten eine „Gesellschaft zur Förderung der hebräischen. Literatur“, arbeiteten an einer Wieberbelebung <Jes hebräischen Stilgefühls, der hebräischen Poesie, auf dem Wege über das Hebräische eigneten sie sich allgemeine Bildung an. Vor allem im Osten wurde Mendelssohns Name ein Programm für die Aufklärung unter den Juden, sein Geist und #sein Vorbild das Feldzeichen im Kampfe gegen Unduldsamkeit und geistige Rückständigkeit. „Nach dem System Mendelssohns“ wurden die ersten weltlichen Schulen in Südrußland gegründet. Isaak Bär Lewinsohn in Wilna (1788—1860), der'für die jüdische Jugend in Polen und Litauen das Recht weltlicher Bildung, der Vorbereitung für Handwerk und Ackerbau erkämpfte, erhielt den Ehrennamen „def Mendelssohn Rußlands“, und selbst die Sefardim von Saloniki, die so streng an ihrer spanischen Ueberlieferung festhalten, bezeichneten den dort Bildung verbreitenden Lehrer J. J. Nehama als ihren „Mendelssohn“. Eine solche Kraft ging Vom Namen und Geiste Mös5s Mendelssohns ads. Welch starke Veränderung Bildung und Erziehungswesen, Berufswahl und Lebensart unter den Juden seitdem durchgemacht haben, braucht keinem Denkenden gesagt zu werden.' * I ln Mendelssohns Innerem lebten überliefertes Judentum und europäische Kultur in friedlicher Vereinigung, die Problemschwere seiner Forderung war ihm noch nicht aufgegangen. Schon in seiner Umgebung freilich wurden Fragen laut. „So ganz Stockjude sein zu wollen — geht schon nicht — und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder,“ an diesem Scheideweg steht Nathan der Weise, und nur eine Parabel hilft ihm aus , der Verlegenheit. Wo lag die richtige Mitte, wq die Möglichkeit, wie im Ghetto .wieder eine einheitliche Lebensanschauung zu'gewinnen? Das ist das Rätsel, dessen Lösung 'die Jt(denheit seither sucht. Alle Kämpfe und Krisen, alle Parteiungen und Bewegungen der ^letzten 150 Jahre nehmen hier ihren Ausgangspunkt,- und das letzte unfehlbare Heilmittel ist noch lange nicht gefunden. Unter den deutschsprechenden Juden wurde das Problem am ernstesten durchdacht, wurde am intensivsten an seiner Entwirrung gearbeitet. Wohl die tiefste .Lösung hat Leopold Zunz (‘1794—1886) gefunden, „Mann der Rede und der Tat, hat er geschaffen .und gewirkt, wo andere träumten und fnutlos. hinsanken.“ Er bahnte der geschichtlichen Erkenntnis des Judentums den Weg, bearbeitete es im Geiste der kritischen Wissenschaft und Zeigte, ‘ welche Bedeutung, für die Ges^mtkultur die gegenseitige Durchdringung von Judfcnium und Wissenschaft besaß. Die von ihm'begründete „Wissenschaft des Judentums“, - das Aschenbrödel des modernen Judentums, hat Außerordentliches für seine -Entwicklung gewirkt. Sie hat : das' Verständnis für „jüdische Geschichte“ und „jüdische Literatur^ — beides vorher unbekannte Begriffe —; geschaffen * und das Selbstbewußtsein der Juden ' gehoben. Sie hat die religiösen und sittlichen Grundlehren des Judentums in helles Licht gesetzt und die Erneuerung des Judentums vorbereitet.. Sie hat Unterricht und Erziehung der Juden .auf* neue Grundlagen gestellt und dem Kampf vgegen das Wissen vom Außerjüdischen, das nun eine-ganz' neue Bedeutung gewann, ein Ende gemacht. Sie hat Aufklärung über jüdisches Wesen-und/ jüdische Vergangenheit verbreitet, die eingei nisteten Gespenster verscheucht, die politische und gesellschaftliche Stellung 'der Juden verbessert. Unbemerkt und unbeloh'nt' hat! die Wissenschaft des Judentums wie ein guter Geist ihres Amtes gewaltet. Es spricht für die Vortrefflichkeit dieser Lösung, daß sie nur wenig Anhänger gewann, daß die Massen— ihr verständnislos gegenüberstanden. -Es spricht für die Vortrefflichkeit dieser Lösung, daß, die später folgenden, sowohl diej religiöse als auch die soziale1—und1 die nationale an sie anknüpften und auf der von ihr errichteten Grundlage aufbauten. Weder der Versuch' einer