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Der Orden Bne Briss · 1921-10-01 · Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921) · p. Seite 88

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 11 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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Die Juden Deutschlands in der jüdischen Kulturgeschichte. ,Von Br. Isr lar E I b o £ e n. „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, ‘ dem sie ein Erbe hiriterlassen haben,; dessen estolz sich rühmen darf. Deutschland, von der' Rabbinen in Anlehnung an' einen Namen der biblischen Völkertafel Asghkenas benannt, verdankt die überwiegende Mehrheit derjudenhei, die Aschkenasim, ihren Namen. Höhere Bedeutung als diesem Ursprungszeugnis kommt der darin ausgedrückten Schicksalsgemeinschaf, kommt der geistigen Ueberüeferung zu, welche dem Gesamtjudentum wiederholt starke Impulse gegeben hat. Die Juden Deutschlands treten später als ihre. Brüder in anderen Ländern Europas jn das Liebt der Geschichte. Das älteste Zeugnis für da s Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde ai,f deutschem Boden ist ein Erlaß des Kaisers Konstantin des Großen nach Köln (321), der dort eine wohlorganisierte Gemeinde vorausset; :tmit Mitgliedern, die als Grundbesitzer und Grol Ikaufleute zur Teilnahme an der Stadtverwaltung berechtigt sind. Es ist nicht ausgeschlossen, daß mit den Römern Juden auch noch anderwärts am Rhein Und an der-Donau sich ang :- siedelt haben, aber .was die Lokalgeschichte über die frühe Gründung einzelner Gemeinden 2U berichten weiß, hat Jediglich legendarischen Weit. | Ob diese Gemeinden den Stürmen der Völkerwanderung Stand gehalten haben, ist mehr als zweifelhaft, es' ist den Juden sicher nicht bess :r ergangen als den römischen Niederlassungen Überhaupt Erwähnt werden Juden erst wied;r in der Zeit Karls des Großen und zwar als Pioniere des Weltverkehrs. Von einem die königliche Pfalz besuchenden jüdischen Kaufmann wird berichtet, daß er häufige Reisen nach Palästina machte — eine für jene Zeit sicher bewundernswerte Leistung. Ihrer Vertrautheit man von dem enzyklopädischen Charakjt^r ab 1 ~ 88 - mit allen Verkehrswegen ist es zuzuschrei ben, wenn Karl der Große seiner berühmten Gesandtschaft an Harun al Raschid einen Juden Isaak beigab; der Zufall fügte es, daß die Gesan iten auf der Reise vom Tode ereilt wurden, daß I saak allein dem Kaiser die Geschenke und die Botschaft; des Khalifen überbrachte (802). Nact der Uebferlieferung soll Karl der Große auch füi die Juden seines Reiches einen Lehrer des Talmud ans Babylonien verschrieben haben, — man wollte mit dieser unmittelbaren Anknüpfung an die Urquelle' die Meisterschaft der deutschen Juden in der Auslegung dieses monumeit alen Werkes erklären. Tatsächlich gehört es-zu den Weltwundern,, deren Größe selten zum Bewußtsein koi nmt, wie die Juden des Mittelalters fähigftwaren, ihre Nationalliteratur vom Morgenland nach dem -Abendland zu verpflanzen und weiter zu verbreiten. In einer Zeit, in der das Schreibei zu den äußerst seltenen Künsten, alles Sc^ reibmatetjial zu den Kostbarkeiten gehörte, w lr es eine gewaltige Leistung, ein Buch wie die Bibel in zahllosen Exemplaren allen Ländern der Erde zuzulühren. Und vollends ein Werk vom U nfang des Talmud in Abschriften herzuS elle'n und aus Asien nach Mittel- oder Westeuropa zu verschiffen, bedeutet für das frühe Mittdalter eine kulturelle Großtat. Aber mit dem Bescl affen der Exemplare war erst der Anfang geh lacht, dann erst begann die Schwierigkeit des Stud|.crens. Für die Bibel gab es wenigstens alte Lebersetzungen, für den Talmud fehlten alle iilfsmitteJ, und seine Erklärung stellte ganz aidere Anforderungen. Nicht nur daß der Talhudstil eine besondere Vertrautheit mit seiner Eigenart voraussetzt, gibt auch sein Inhalt, selbst wenn l

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