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Der Orden Bne Briss · 1921-09-01 · Nr. 9/10 - September (9.1921) · p. Seite 67

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 9/10 - September (9.1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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dem er es* am Hochzeitstag aus den Händen der Braut' empfangen hat. Denn erst mit der Ehe wird er ein ganz vollwertiges Glied des Volks; nicht umsonst betet sein Vater bei seiner Geburt, es möge ihm vergönnt sein, ihn zu erziehen zur Thora, zum Trauhimmel und zu guten Werken. Thora, sie lernen und halten, ist die allzeit gewärtige Grundlage eines jüdischen Lebens; mit der Ehe beginnt die volle Verwirklichung dieses Lebens; erst da sind eigentlich die „guten Werke" möglich. Ja, der Thora bedarf als bewußter Grundlage nur der Mann; bei der Geburt einer Tochter hatte der Vater nur gebetet, sie zu führen unter den Trauhimmel und zu guten Werken; denn die Frau besitzt diese Grundläge jüdischen Lebens auch ohne die dem lockerer in der Erde des Natürlichen wurzelnden Mann notwendige bewußte Erneuerung des „Lernens"; ist doch nach altem Rechtsatz sie es, durch die sich das jüdische Blut fortpflanzt; nicht erst das Kind zweier jüdischer Eltern, schon däs Kind einer jüdischen Mutter ist durch seine Geburt Jude. So ist es also innerhalb des einzelnen Lebens die Ehe, in der das bloße jüdische Dasein sich erfüllt mit Seele. Die Kammer des jüdischen Herzens ist das Haus. Und wie die Offenbarung, indem sie etwas in der Schöpfung erweckt, was stark ist wie der Tod, diesem und mit ihm der ganzen Schöpfung ihre Neuschöpfung, die Seele, im Leben selber das Ueberirdische, entgegenstellt, so trägt der Bräutigam unterm Trauhimmel das Sterbekleid als Hochzeitskleid und sagt dem Tode, in dem Augenblick, daer ganz eingeht in das ewige Volk, Kampf an, — stark wie er. Was aber so im Leben des einzelnen ein Augenblick ist, das ist nun auch ein ewiger Augenblick im geistlichen Jahr. Auch hier trägt der Hausvater einmal das Sterbekleid nicht als Sterbe-, | sondern als Hochzeitskleid : beim ersten der Feste der Offenbarung, beim Abendmahl der Berufung des Volks zur Freiheit! Auch hier bezeichnet das Sterbekleid den Uebergang aus der bloßen Schöpfung in die Offenbarung; beim ersten der drei «Feste wird es getragen und zu Wein und Mahl und ausgelassenem Kinderscherz und frohen Ruhdgesängen, — auch hier ein Trotz Tod. Anders aber trägt es der Beter an den gewaltigen Tagen. Hier ist es nicht Hochzeitskleid, nein wirklich Sterbekleid. Und wie in diesem der Mensch einst, wenn man es ihm anziehen wird, allein ist, so ist er es auch Im Gebet dieser Tage. Auch sie sieHen' ihn in nackter Einsamkeit unmittelbar vor Gottes Thron. ) 1 ', .'".•*.*'• So wie Gott ihn einst richten wird, ihn allein nach seinqn eigenen Taten und nach den Gedanken seines eigenen Herzens, und wird ihn nicht fragen nach den andern, die ihn umgaben, und was wohl deren Schuld und Verdienst an ihm sei, sondern er allein wird gerichtet: so tritt er hier in vollkommener Einsamkeit, ein Gestorbener mitten im Leben und Glied einej^versämmelfen Menschheit, die sich alle, wie er selbst mitten im Leben schon jenseits-des "Grabes gestellt haben, vor das Auge des Richters. Alles liegt hinter ihm. Schon zu Beginn des letzten Tags, auf den die neun vorausgegangenen nur Bereitungen waren, hat er in jenem Gebet Um die Vernichtung aller Oelübde, aller $elbstweihen und guten Vorsätze sich die reine' Demut erobert, nicht als sein wissendesj nein bloß noch als sein wähnendes Kind vor den zu. treten, welcher ihm verzeihen möge, gleich wie er verzieh „der ganzen Gemeinde Israel und dem Fremden, der da unter ihnen weile, denn allem Volk geschahs im Wahne". Nun ist er reif zum Bekennen der eigenen Schuld vor Gott in immer neuen Wiederholungen. Es gibt da keine Schuld vor Menschen mehr. Drückte ihn die, so müßte er sich ihrer zuvor von Mensch zu Mensch in offenem Geständnis entledigen. Der Versöhnungstag sühnt solche Schuld nicht; er weiß nichts von ihr; ihm ist alle Schuld, aucfi die, vor Menschen gesühnte und entschuldigte^ Schuld vor Gott, Sünde des einsamen Menschen, Sünde der Seele — denn die Seele ists, die sündigt. Und solch gemeinsam-einsamem Flehen einet Menschheit in Sterbekleidern, einer Menschheit jenseits des Grabes, einer Menschheit ' von Seelen, neigt sein Antlitz der Gott, der den Menschen liebt vor seiner . Sünde wie nachher, der Gott, den der Mensch in seihet Not zur Rede stellen darf, warum er ihnj verlassen habe, der barmherzig ist und gnädig, langmütig, voll unverdienter Huld ,uhd(-voll Treue, dek seine Liebe aufbewahrt dem zweimaltausendsten Geschlecht und vergibt Bosheit und Trotz und Schuld und begnadigt den, der umkehrt. Also daß der Mensch, dem so das gött-

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