Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1921-09-01 · Nr. 9/10 - September (9.1921) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 9/10 - September (9.1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6727475-6029105-6074492--0061-4866765
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

stößt, schweigt «n^ diesen großen Tagen den Schrei und ergreift schot? in der Gegenwart, im vollen Bewußtsein, daß , die eigene Gemeinde ntfeh nicht der Eine Bund alles Geschaffenen ist, den Augenblick der ewigen Erlösung: und was die Gemeinde sonst im Jahre nur sagt, hier tut sies: sie fällt aufs "Angesicht vor dem König aller'Könige. So stellen die gewaltigen Tage, der Neujahrstag und der Tag der Versöhnung die ewige Erlösung mitten in die Zeit. Die Posaune, die am Neujahrstag auf der Höhe des Festes geblasen wird, macht ihn zum „Tag des Gerichts". Das Gericht, "das sonst in die Endzeit gelegt wird, hier wird es unmittelbar in den gegenwärtigen Augenblick gesetzt. Nicht die Welt deshalb kann es seih, die gerichtet wfd, — wo wäre sie denn schon in dieser Gegenwart! Sondern das Gericht richtet über den einzelnen. Jedem einzelnen wird nach seinem Tun sein Schicksal bestimmt. ' Am Neujahrstag wird ihm das Urteil für. das vergangene und kommende Jahr geschrieben und am Versöhnungstag, wenn die letzte Frist dieser „zehn Bußtage" ver strichen, gesiegelt. Das Jahr wird ganz unc gar zum vollgültigen Stellvertreter der Ewigkeit, In der jährlichen Wiederkehr dieses, des „jüngsten" Gerichts ist die Ewigkeit von alle jenseitigen Ferne befreit; sie ist nun wirklief da, greifbar, faßbar dem einzelnen und den einzelnen mit starker Hand greifend und fassend. Er steht nicht mehr in-der ewigen Geschieht; des ewigen Volkes, nicht mehr in der ewi; j. wechselnden Geschichte der Welt. Es gilt kei; i Warten, kein Sichverkriechen hinter die Geschichte. Der einzelne unmittelbar wird gerichtet. Er steht in der Gemeinde. Er sajt Wir. Aber die Wir sind an diesem Tage nicht die Wir des geschichtlichen Volks; nicht die Ueberschreitung der Gesetze, die dieses Vol < | von den Völkern des Erdballes scheiden, ist die Sünde, um deren Vergebung die Wir schreien. Sondern an diesen Tagen steht der einzelne unmittelbar in seiner nackten Einzelheit vor Gott, in der Sünde des Menschen schlechtweg; ni r diese menschliche Sünde' wird in der erschütten tden Aufzählung der Sünden, „die wir g :- sündigt haben" genannt, — eine Aufzählun j, die mehr bedeutet als Aufzählung: eine al e Schlupfwinkel der Brust erleuchtende Hervorf lockung des Bekenntnisses der einen Sünde des immer gleichen menschlichen Herzens. Und so können die Wir, in deren Gemeinschaft der einzelne also in seiner nackten und bloßen Menschlichkeit vor Oott an seine Biust schlägt und in deren bekennendem Wir er sein sündiges Ich fühlt wie nie im Leben, keine engere Gemeinde sein als die eine der Menschheit selbst. Wie das Jahr an diesen Tagen unmittelbar die Ewigkeit vertritt, so Israel an ihien unmittelbar die Menschheit. „Mit den Sünde rn" ist sich Israel bewußt zu beten. Und das heißt ja, sei der Ursprung der dunkeln Formel welcher er wolle: als Ganzes der Menschheit „mit" einem jeden. D :nn jeder ist ein Sünder, die Seele von Gott dem Menschen rem geben sein, so ist sie nun hineingerissen in Streit der beiden Mag geien Triebe seines zwiegespaltenen Herzens. Und biag er in immer neu gesammeltem Willen mit Vorsatz und Gelübde immer neu das Werk der Einigung und Reinigung des zwiespältigen Herzens beginnen, — an der Scheide zweier Juhre, die die Ewigkeit bedeutet, wird ihm aller Vorsatz zu nichte, alle W :ihe entweiht; alles j gottzugekehrte Gelübde zerbricht, und was Sein wissendes Kind beginn, das wird dem wähnenden — vergeben. vollkommen sichtbares Zeichen ' teilt der gewaltigen Tage, daß sie das Ewige für dien einzelnen unmittelbar in die Zeit hineinrücken, für ihre ganze Dauer fest. Der Beter kleidet sich an diesen Tagen in sein Sterbekleid. Zwar schon den Alltag lenkt'der Augenblick des Ahlegens des Gebetmantels — Chlamys und Toga der antiken Tracht 4auf den Gedanken an das letzte Kleid und an das ewige Leben, wo Gott die Seele in seinen Mantel hüllen wird. So fällt schon-vom Alltag und vom allwöchentlichen Sabbat, gleich wie von der Schöpfung her, ein Lichtschein auf den Tod als die Krojne und das Ziel der Schöpfung. Ein diesen Grundton Aber das vollständige Sterbekleid, nämlich Mantel auch noch der Rock — Chiton Tunica —, ist kein Kleid des Alltags; der ist der Schöpfung nur Letztes, nur Grenze, selber schaut sie nicht. Erst die Offenba weiß, und sie weiß es als ihr erstes Wissen 1 trägt voll-\ daß Liebe stark ist wie der Tod. Und s"o der einzelne einmal schon im Leben das ständige Sterbekleid: unterm Trauhimmel, nach- -• 66 — zum und Tod ( ihn / rung/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.