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Der Orden Bne Briss · 1921-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August (7.1921) · p. Seite 51

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August (7.1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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hett die jüdische Farbe bedeutet und wie unentbehrlich sie zum Oesamtbilde gehört, wie lückenhaft sonst Bild und Oewebe ist. Vielleicht ist es gut, an einem Beispiel zu zeigen, wie lückenhaft es ist, wenn man Oedanken- und Gefühlswelt des Judentums nicht zum Vergleich heranzieht Es gibt in dem Buche unter anderen eine besonders interessante Stelle, in der Kayserling seine Ueberzeugnng darlegt, daß es für das Christentum, wenn es der westlichen Menschheit etwas bedeuten soll, nur den einen Weg gäbe, sich in der Richtung auf die Vermännlichung zu entwickeln. Was ist das nun, was er die weibliche Anschauungsform und was er die männliche Betrachtungsart nennt? Weiblich nennt er die Tugenden des Mitleids und der sanftmütigen Liebe, jede empfangend-abwartende Haltung gegenüber den höheren Mächten; und als männlich und der Religiosität des westlichen Menschen entsprechend und einzig in der Linie seiner Entwicklung liegend nennt er es, wenn man immer weniger Unabänderliches gelten läßt, mehr und mehr Verantwortung sich freiwillig auflädt und der Idee der Prädestination, d. h. der Vorbestimmung des Schicksals, entsagt; wenn man von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß kein Plan von außen den schöpferischen Willen des Menschen bindet, und daß mit jeder freien Tat absolute Neuschöpfung stattfindet. Er findet, daß jene Weiblichkeit des Empfindens einstens ihren klassischen Ausdruck im christlichen Marien- und Minnedienst gefunden habe, diese Form habe sich zwar entseelt, aber geblieben seien Ueberzeuguhgen, die zu dem intimen Wollen des modernen Menschen wie -auch zu seinem Tun und Gebaren in. schreiendem Widerspruch stehen. Die Wahrheit sei, daß der Mensch als persönlich handelndes Wesen an die Stelle aller möglichen Ideale getreten sei, und daß alle religiöse, Gestaltung damit rechnen müsse. So in größter Kürze der Gedankengang. Und hier spinnen sich nun für den Juden seltsame und eigenartige Gedanken an. Nicht daß etwa gesagt werden soll, daß alles das, was da als Ziel und Sehnsucht des modernen Menschen aufgestellt ist, nun glatt zu unterschreiben ist, durchaus nicht, es ist nicht wahr, daß es jemals möglich sein wird, Trost und Barmherzigkeit, Frieden und Gnade zu entbehren im Gefühl, daß man titig Ist, man müßte dazu erst das Bewußtsein der Sünde ausroden, und das wird nie, in keiner Form höheren Lebens gelingen; es ist nicht so, daß es zum Wesen der Männlichkeit gehört, von nirgendher Hilfe zu verlangen und zu erbitten, ein ganz falsches und schiefes Heldentum wäre das! Aber bei dem meisten und wichtigsten anderen, was Kayserling ausführt, drängt sich dem, der das Judentum kennt, die Ueberzeugung auf, 'wie stark das, was er als in der Linie der Zukunftsentwicklung des europäischen und amerikanischen Menschen liegend ansetzt, wovon er wünscht, daß, weil es bereits vorhanden ist, es sich ihm auch ins Bewußtsein hebe, im Judentum gefordert angebaut und verwirklieft ist. Wer hat denn seit Jahrhunderten schon mit solcher Energie gegen die Prädestinationsieh e angekämpft wie das Judentüm? ' Wer mit solcher Energie die Verantwortung für seine Tat dem Menschen aufgebürdet, daß jeder Versuch, den Menschen zu entlasten, einen Erlöser seine'Schuld tragen zu lassen, glatt und strikt abgelehnt wurde? Nirgendwo sonst ist man wie im Judentum von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der Wille des Menschen nicht abhängig ist von einem Plan von außen her, daß mit jeder freien Tat eine absolute Neuschöpfung stattfindet. Mit einer Energie sondergleichen ist die Selbständigkeit der sittlichen Persönlichkeit aufgestellt worden, das, was Kayserling als den Ausgangspunkt aller Gestaltung der Neuzeit ers cheint, wohin nach seiner Ueberzeugung das Christentum sich entwickeln müsse, wenn es den Menschen unseres Ktilturkreises etwas bedeuten solle. Im Judentum ist der klassische Satz geprägt wo'den: „Atles ist in Gottes Hand nicht nur die nicht Tat die lihrfurcht vor Gott", nur des Menschen; und das kabbalistische Judentum hat sich doch sogar bis zu der Kühnheit des Gedankens emporgeschwungen, daß jeder sei für das Schicksal nun zum letzten, ist hunderten das Judent die Alleinwertung des gekämpft hat und mit Schöpfung des Wortes und Liebe in eins — 51 — einzelne verantwortlich der ganzen Welt. Und es nicht seit vielen Jahrum gewesen, das gegen Mitleids und der Liebe ■einer klassischen Sprach - Zedokoh Gerechtigkeit setzen wünschte, Gezu rechtigkeit, die handelnde, tätige neben und in

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