Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August (7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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verleiht, das ist, daß es stark religiös gefärbl ist Das Interesse des Beobachters war ganz wesentlich darauf gerichtet zu beobachten und zu erforschen, wie die einzelnen Religions- Systeme, unter deren Bekennem er weift, in ihrem gedanklichen und gefühlsmäßigen Aufbau geartet und begründet sind, wie sie mit der| Landschaft in Harmonie stehen, zu welchen Höhen und Tiefen sie ihre Öläubigen führen, welche Werte und Fähigkeiten sie ihrer Seele einfügen. So wird das Buch beinahe zu einer Schilderung der verschiedenen Religioas-Systeme der Welt, aber eben nicht zu einer trockenen nüchternen Schilderung, sondern zu einer ver ständnisreichen und seelisch bewegten. Dem dem Verfasser gelingt "die schwere Kunst, siel in die Seelen fremder Menschen einzufühlen, sc einzufühlen, daß er, unter welchem Volk unc unter welcher Denk- und Gefühlsform er gerade weilt, nahezu mit ihnen eins wird, eins im. Nach empfinden des Grundgefühls und doch wieder nicht so eins, daß er nicht beobachten und ver gleichen könnte. Man wird also in ein religiöses Ringen hineingestellt Und das gehört mit zu dem Besten und Wertvollsten, was man unserer vom Materialismus zermürbten und seiner überdrüssigen, nach Idealismus sich sehnenden Zeitgenossen geben kann, ihnen zu zeigen, welche Rolle das Religiöse, das man so oft tot gesagt, spielt, welche Macht es in den Seelen ist; an diesem Ringen lesend und arbeitend teilzunehmen, muß Gewinn und Erhöhung des eigenen Seelengutes geben. Wenn es nun schon einen Juden an und für sich interessieren muß, einem solchen Durchkämpfen religiöser Probleme zuzuschauen, wir Juden von heut sollen doch auch unsere Ehre und unseren Ruhm darin suchen, das Volk der Religion zu sein/ sollten es wenigstens als unsere Aufgabe empfinden, für das religiöse Sehnen unserer Zeit den klassischen Ausdruck zu finden, — wenn also einem Juden ein solches Buch besonders interessant sein muß, so gesellt sich hier zu dem Interesse ein starkes Befremden. Man wird in dem ganzen zweibändigen Werk nicht einmal ein Wort von Joden und Judentum finden. Der Verfasser sieht und beobachtet, was auf der Welt an Kultur erzeugenden und Seelen formenden Religionssystemen vorhanden ist, er versenkt sich liebevoll in den Buddhismus indischer und japanischer Prägung, er beobachtet japanische und chinesische Frömmigkeit er versteht die Eigenart des amerikanischen Christentums herauszuarbeiten, er hat bei jeder Gele] ^enheit den Vergleich des Beobachteten mit Islam und Protestantismus und Katholizismus in ihren verschiedenen Schattierungen bei der Hand, aber daß es lauf der Welt ein Juden tum gibt das doch wahrhaftig seine Spuren tief in die Seele und das Gedächtnis der Menschen eingegraben hat kannte man aus diesem Buch nie erfahren. Und warum soll man es nicht eingestehen, daß einen das tief schmerzt; um so tiefer, je ernster das Buch ist Sein Autor ist nicht erst wer; wenn im politischen Kampf irgend ein Partei-Antisemit abfällig über Juden und Judentum spricht so kann man entweder sich darüber ärgern und darob zur Wehr sc zen, oder man kann mit einem Achselzucken zur Tagesordnung übergehen, je nach der Qualität des Betreffenden. Wenn aber ein so err ister Mensch, wie es Graf Kayserling ist, der tief in Seele und Kulturen hineinschaut und selbständig sich ein Urteil bildet, bei der Vergleichung von religiösen Erscheinungen, di; er beobachtet, die kleinste theosophische Sekte vrohl kennt und in den Kreis seiner Beobachtur gen zieht, des Judentums aber nicht einmal gedenkt, gar nicht auf den Gedanken kommt, ob rieht manches, was er als Postulat moderner Entwicklung der Religion aufstellt, dort vielleicht sc lion verwirklicht oder angebahnt ist so kann einen das nur mit einem tiefenSchmerz erfüllen. Schlief, lieh ist ja das Judentum denn doch nicht eine so che quantite negligeable, ist es ja trotz der klei nen Anzahl seiner Bekenner eine starke'Geistesmacht. Was man gegen solche Ignorierung tun kam? Im Grunde nichts, sie, ist ja nur die Folge der auch im modernsten Staat trotz aller Emanzipa ion betriebenen Nichtachtung der jüdischen Relig ion und des Judentums, wie sie am schärfsten in dem Fehlen jedis Lehrstuhls für ' jüdische Religion an den Universitäten, bei solcher Fülle von evangelisch-theologischen und katholis chtheologischen Fakultäten, zum Ausdruck kommt. Man kann gegen all solche Nichtachtung nur Verwahrung einlegen und seinen eigenen w >hlbegründeten und berechtigten Anspruch im ner aufs neue erheben, nicht aus einer kleinlichen Eitelkeit, sondern! aus dem Vollgefühl dessen heraus, was in dem bunten Gewebe der Mem diso —