Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sträuben wird. In Palästina dagegen wird jeder wurzelfassende Ostjude neue Ansiedler dorthin ziehen und so erst die heute aufgewendeten Kosten in der Zukunft ertragreich machen. Grade bei der augenblicklichen Geldknappheit sind unproduktive Anlagen aber grundsätzlich zu vermeiden. Erwägungen dieser Art haben bedeutende Kreise der nichtzionistischen judenheit dem Palästina-Gedanken geneigt gemacht. Auc(i der Orden B. B., der es sich zur Aufgabe gernacht hat, den Opferfi der Verfolgung zu Hüte zu kommen, hat sich durch den Mund äeines Ordenspräsidenten für die Palästina-Aktion erklärt. In der am 20—22. Februar in Portland stattgefundenen Großlogentagung des 4. Distrikts wurde folgende Resolution angenommen: „Die 58. Tagung der Großloge des 4. Distrikts des U. O. B. B. erfährt mit tiefer Freude von deV Annahme des Mandats für Palästina durch England. Sie empfindet, daß alle Juden mit gutem Gewissen dazu helfen können, daß Palästina instand gesetzt wird, diejenigen unserer Glaubensbrüder aufzunehmen und zu versorgen, die sich berufen fühlen, in das Land Israels großer Traditionen einzuwandern. Der U. O. B. B., der Juden aller Parteirichtungen in sich vereinigt, erhebt nicht den Anspruch, eine Entscheidung zu treffen in Sachen der Politik, die einzuschlagen ist, um den besten Gebrauch zu machen von den Möglichkeiten, die vielen Juden in Palästina geboten sind. Aber er begrüßt aufrichtig die Gelegenheit zu freigebiger Hilfe und brüderlicher Ermutigung unseres Volkes aller Parteirichtungen für den Wiederaufbau des Landes Zion und die Eröffnung ehrenhafter Lebenswege für die, welche dort ihr Heim aufschlagen wollen." Auch die Logen in Bulgarien, Rumänien und Galizien haben sich offiziell der Palästinabewegung angeschlossen. In Deutschland kam die Anregung an die Großloge, sich an dem Wiederaufbau Palästinas zu beteiligen von nichtzionistischer Seite durch Kommerzienrat Ladewig und die Saxonia-Loge in Chemnitz. Es war dem G. A., der die Frage zunächst zu behandeln hatte, von vornherein klar, daß sich gegen unsere Beteiligung zwei Einwände erheben werden, die auch dazu geführt haben, daß der Hauptvorstand des Z.V.d.S.J.G. am 10. April d. J. die Beteiligung seinerseits glaubte ablehnen zu müssen. Der erste dieser Einwände lautet in der Fassung des Z- V.: „Wäre die Besiedlung von Palästina ein großes soziales Hilfswerk, so nichts weiter als wäre vorn Standpunkt des Z.V. gegen die .Förderung dieses Besiedlung von das Ziel national- Werkes nichts zu sagen. Die Palästina ist aber in erster Linie i jüdischer Politik." Es ist selbstverständlich, daß, wenn dieser Gesichtspunkt ausschlaggebend ist, auch der Orden sich nicht an der. Paläsfiria- Arbeit beteiligen dürfte. Selbst qie B e s c h ä f't ymit politiscHen Fragen uns durch unsere Satzjungen untersagt. zuzugeben, daß parteipöTi tischer" gung Art ist Es ist aber nicht ohne weiteres eine Hilfsaktion dadurch ihren liumanilären Charakter verliert, daß Parteien sich ihrer aus politischen- Gründen annehmen. So sind z. B. die ungeheueren charitativen Leistungen der katholischen Kirche zweifellos von der Zentrumspartei aus politischen Gründen geschaffen und gefördert, ohne daß man sagen dürfte, sie seien politische Veranstaltungen geworden. Selbst wenn die Zionisten das Palästinawerk als ihre Domäne beanspruchten, müßten wir ihnen die Berechtigung hierzu aufs entschiedenste bestreiten. Sobald die Besiedlung Palästinas uns aus nichtnationalen, allgemein jüdischen Gründenals praktisch und aussichtsreich erscheint, dürfen wir nie und nimmer weniger aussichtsreiche Ziele nur deswegen verfolgen, weil zufällig andere Parteien aus anderen Gründen dasselbe Ziel verfolgen. In Wirklichkeit verlangen dagegen die Zionisten die Mithilfe der ganzen Judenheit aus der Erkenntnis heraus, daß ihre eigenen Kräfte zur Erreichung des Zieles nicht ausreichen. Unter den Zionisten selbst sind weite Kreise mit der nichtnationalen Judenheit in dem Punkte einig, daß als letztes Ziel Palästina nicht als ein rein nationales Zentrum erstrebenswert y "f . sei, sondern nur als ein Mittel, um die religiösen und ethischen Potenzen, die im Judentum schlüm- In dem Mandats merrf, zum Leben zu erwecken, vertrag ist ausdrücklich hervorgehoben,' daß die Besiedlung Palästinas die Rechte der Juden, in den einzelnen Ländern in keiner Weise .tangieren solle. Richtig ist aber — das xi uß ohne weiteres zugegeben werden — an der Argumentation des- Zentralvereins so viel, daß in Palästina die Juden, die dorthin kommen, zweifellos zu einer Nation werden. Sie werden weder Araber, noch Eng- — 39 -