Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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länder, so wenig, wie sie sich augenblicklich als Russen, Polen oder Rumänen fühlen. Es ändert sich also in Wirklichkeit nichts. Im Gegenteil darf man mit hervorragenden. Führern der deutschen Judenheit wie Eugen Fuchs und Paul Nathan anerkennen, daß dieser Umstand uns erst die Beteiligung an der Palästina-Aufbauarbeit ermöglicht. Würden die Juden in Palästina etwa anglisiert, so hätten wir an der Errichtung einer englischen Kolonie als deutsche' Juden nicht das mindeste Interesse. Daß England diese Absicht verfolgt, ist'bisher nicht nachweisbar. Die Erlaubnis, die den deutschen Templern zur Rückkehr nach Palästina gegeben wurde, während, andere englische Kronländer und Kolonien den Deutschen fest verschlossen sind, zeigi die bisherige Neutralität Englands bezüglich Palästinas: Wir dürfen aus allen diesen Gründen heraus uns unseren amerikj nischen Brüdern und Führern anschließen und behaupten, daß wir mit einer Beteiligung am Palästi lawerke. unsere Neutralität nicht verletzen, sondern im Gegenteil ein allgemein jüdisches humanitäres Werk fördern. .Entscheidender könnte der zweite Einwand erscheinen, der gegen unsere Beteiligung an der Palästinaarbeit geltenp gemacht wird: „Solange die sozialen und geistigen Einrichtungen des deutschen Volkes und die religiösen und kulturellen - Bedürfnisse des deutschen Judentums bitterste Not leiden und solange zahlreiche heimatlose Juden unserer augenblicklichen und dringenden Hilfe bedürfen, hat jüdischer Gemeinschaftsgeist und " Wohltätigkeitssinjn überreichhche Gelegenheit, und Pflicht zu fruchtbarer Arbeitfnnerhalb der deutschen Volksgemeinschaft." Sollten wi* diesen Standpunkt teilen, so bedeutete das nicht mehr und nicht weniger als eine völlige Isolierung der deutschen Judenheit, die weder in jüdischem noch in deutschem Interesse liegt. Mehr ..denn je sind wir heute darauf angewiesen, uns dort, wo man uns überhaupt zuläßt, an allgemeinen internationalen Veranstaltungen zu beteiligen und damit einen Geist des Wohlwollens für uns zu verbreiten, ohne den wir, wie es der Weltkrieg bewies, verloren sind.. Wir glauben damit bessere Patrioten zu sein als jene deutschnationalen Chauvinisten, die die Beteiligung an internationalen Angelegenheiten, an Völkerversöhnung und Völkerbund als undeutsch ablehnen. Hilfe empfi man hätte genug m heiten zu tun, die H abhäjigig sind und in ojer Welt irgendv Wir sind heute auf die Amerikas angewiesen und müssen es bitter inden, wenn dopt unter der Begründung, t den eigenen Angelegen- Ife abgelehnt würde. Wir hoffeh als deutsche Juklen^nie in die Lage unserer unga ischen Brüder zu kommen, die aus guten politischen und sozialen Verhältnissen herausgeris;en und auf die Stufe von Parias hinabgedrücl t, mehr denn je von der Hilfe des Auslandes vielleicht glücklich wären, . o ein jüdisches Heim zu finden, däs sie nocn vor wenigen Jahren als vollberechtigte magyarische Staatsbürger weit von sich" gewiesen hätten. Jüdisches Pflichtbewußtsein hat nie an den Greven des eigenen Vaterlandes halt gemacht. Jüdischer Gemeinschaftsgeist darf nicht kurzsicht g an den gegenwärtigen Augenblick denken — wie deutsche Politiker, die vährend des Krieges nur die Siege und Eroberungen des Tage» in Rechnung setzten — sonc em er soll mit Jahrhunderten rechnen, auch uns<re Propheten haaen nicht Augenblicksideale verkjndet. Halten wir uns ebenso fern von eine Kirchturmspolitik, die nur die Interessen der eigenen Stadt ve tritt, wie von einer mißverstandenen nationalen Politik, die nicht weiß, daß es noch jenseits des Staatsbürgertums etwas gibt, für das alle jüdische Herzen schlagen, is ist nicht nur eine rein soziale Frage, uns Bne Briss veranlaßt, uns an dem Ibau Palästinas zu beteiligen, nicht nur, weil den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu die Au wir — 40 - es auch sei, sondern auch unsere Ordensdevise „Einallgemein jüdische Fragen korftmen haben, wo aus Gehorsam gegen trarht" müssen wir zu den unseren mächen. Wir haben die Aufgabe auch innerhalb des Judentums die streitenden Parteien mit einander zu versöhnen, aber nirgends findet so leicht eine Versöhnung statt win bei gemeinsamer Arbeit. Grade jetzt, da nach der Absage, des Z.V. wiederum die Spaltung zwischen zionistischen und nichtzionistischen Juden schärfere: Formen anzunehmen droht, müssen, wir versuchen, die Einheitsfront, die wir im Kampf für unsere gemeinsamen Jnteressen heute dringender denn je brauchen, herzustellen und durch unsere Beteiligung an dem höchsten Id :al, das ein große* Teil der deutschen Juden, besonders der Jugerid hat, zu zeigen, daß wir r