Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 120 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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machten. Br. Leon Schwarz freilich, der als amerikanischer Hauptmann der Okkupationsarmee In Koblenz weilte, besichtigte zwar die dortigen Logenräume; der Besuch einer Logensitzung und persönliche Fühlungnahme mit deutschen Brüdern jedoch bät'e — wie er behauptet — ibn in Zwiespalt mit seinem vom Orden gelehrten Patriotismus gebracht und außerdem gegen den militärischen Geist, der ein Fraternisieren mit der „feindlichen" Bevölkerung nicht kennt, verstoßen! Br. Kraus würde in ähnlicher Lage sicherlich nicht so gebandelt haben. A le Festartikel zu seinem Ehrentage rühmen fibereinstimmend sein treues Bekenntnis zu seinem neuen Vaterlande, aber auch seine allezeit bewährte Bruderliebe, die auch in dem „Feinde" in erster. Linie den Bruder sieht Adolf Kraus wurde am 26 Februar 1850 zu Biowitz bei Pilsen geboren. Als der Knabe fünf Jahre alt war, fibersiedelten seine Eltern nach Rokyan, gleichfalls in Böhmen, wo sie ein Schniitwarengescbäft errichteten. Kurz nach seiner Barmizwah starb ihm der Vater. Da der Knabe schon (rübzeitig ein selbstsicheres Wesen verriet, ließ ihn die Mutter mit fünfzehn Jahren alle n nach Amerika auswandern — aufs Gerate wohl! Allerlei versuchte er; vor keiner, noch so geringen Arbeit schreckte er zurück, bis es ihm gelarg; eine Steile als Lehrling bei einem Z'garrenmache r zu erhalten, wo er nebst freier Verpflegung wöchentlich tflnf Zigarren bekam 1 Die eintönige Arbeit sagte dem jungen Einwanderer j docti nicht zu, und oft genug mußte er sich sagen lassen: Junge, zum Zigarrer macber b st du zu dumm;' lern' was Leichteres!" Darauf verdingte sich Adolf als Tagelöhner auf eine Farm, später in eine Fabrik. Inzwisrben hatte er soviel Englisch gelernt, um einer kleinen Knabenklasse deutschen Unterricht zu erteilen. Das hierdurch ersparte Honorar verwendete er zu einer Reise nach dem Wetten, wo er tagsfiber in einem Oesebi t tilg war, während er die Abende dem Studium der Oyrxnasialläcber widmete. 1874 finden wir ihn auf der Universität des Staates Illinois als Studenten der Rechte. Nach glänzend bestandener Suatiprfi'uug (1877) wurde er als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht in Chicago zugelassen, wo er noch heut eine umfangreiche Praxis ausübt. Bald wurden die Stadtbehörden auf den vielseitig gebildeten, geistig beweglichen, für alle sozialen Probleme interessierten Advokaten aufmerksam. 1881 wählten sie ihn zum Mitgliede der sädiischen Schuldepuution, zwei Jahre später zum Vorsitzenden dieser i'perschaft. Körperschaft. 1895 wurde er Besitzer und redakeur der "Chicago - Times", der damals z ältesten Zeitung der Hauptstadt. AHe möglichen Ehrenämter des Staates, der Stadt und der Gemeinde wurden ihm überfragen, aberaa keinem soilte ihm so viel Ehre und Freude erblühen, wie an dem Pos'en, mit denen ihn der .Orden- B'nai B'rlth betraute. 1877 war er in die Oriental - Hille! - Loge in „Adolf Bereits S kretär, wiilte Orleans Br. Si böebste her Chicago — welche seit dem 26. FebrnW 192< Kraus-Loge" beißt — eingeführt word nach 14 Tagen wurde er protokollierender zum näch ten Termin Vizepräsident, ein, Jabr später Präsident. Als solcher wurde er kurz danach De egieMer seiner' Loge bei der OroßlOge des 6. Distrikts, die ibn sogleich zum zweiten Vize Präsidenten ernannte —, alles dies fünfviertel Jahre seit seit er Aufnahme in den Orden, ein Avancement in echt ame ikmiscTem Tempo! Bei der Tagung der Konstitt tions-Großloge 1880 vertrat er seinen . Distrikt als dessen Delegierter; danach wurde er zum Mit gliede des AppellationsgeriAtshofes des Orlens, endlich 1904 zum zweiten Male zum Großpräsidenten des 6. Distrikts gewällt. Nach dem Hinscheiden des vieibetrauerten Ordenspräjideniea Leo N. Lev ibn die Konstitutionsgroßloge -1905 in New zum Präsidenten des Ordens B. B., nachdem mon Wolf Tiurze Zeit interimistisch dies Ehrenamt des Ordens verwaltet hatte. Seit- Br. Kraus zweimal, in Washington und in San francisco, 1910 und 1915, wiedergewählt worden Unter Br. Kraus' ebenso umsichtiger wie zielbewußter (Leitung bat sich die Mitgliederzabi allein m Amerika von 17000 im Jabre 1905 auf 40C0Q im Jibre 11920 vermehrt. Nicht nur die „Monatsberichte der Grobloge" sondern auch die allgemein jüdischen Zeitungen Deutschlands, haben die Verdienste des Ordenspräsidenten Kraus um den großen Bruderband ausführlich gekennzeichnet und dabei die außerordenl lieh geschickte Art betont, mit der Br. Kraus sich au dem glatten Parkett der Diplomatie bewegte." Bein Friedensschluß zwischen Rußland und Japan Ja Portsmouth hatte der Ordenspräsident in Begleitung von Jacob H. Schiff und drei anderen projmi nenten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheii eine Unterredung mit dem Grafen Witte, di( auf eine Milderung des unerträglichen Loset de russischen Juden abzielte und tin Jahr spä er schritt liebe Verhandlungen mit dem russischen Premler minister nach sich zogen. Auf Br. Kraus' Betreiben amerikanische Regierung im Jahre 1911 ihrea hat die '"• i . i *v '