Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 110 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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likc aufzutreten; sollte nur das Aeußere zum Oentlemin gehören und nicht' auch die vornehme Oesinnung, von der das Wort seinen Namen bat? Soll nur die Elepbantennatur den Menschen treiben oder soll Selbstbeherrschung, sittliche Einsicht und sittliches Uneil Macht über ihn gewinnen? Einsicht und Urteil aber sind Outer, deren die Menschen von heute sich stark entwöhnt haben, wenigstens soweit sittliche Fragen in Betracht kommen. Wir lassen andere für uns denken, andere für uns handeln, in unserer kapitalistischen Zeit ist allts Ware geworden, auch sittliche Aufgaben meint man nur mit Geldopfern ohne Einsatz der Persönlichkeit lösen zu können. Qeld ist, wenn man es einigermaßen beredt fordert, für alles, auch für weniger gute Zwecke, zu haben, es wird ebenso leicht und gedankenlos hergegeben wie erworben — aber wenn man Menschen braucht, sind sie nicht zu finden. Männer und Frauen, die Ihre Zeit und ihre Person in den Dienst einer guten Siehe stellen, die sind mit Aufgebot .aller Rhetorik schwer zu rinden. Das ist das Elend der Zeit, die so viel Personenkultus treibt und' so wenig Persönlicbkeitskuitur. Wir sehen in uns die geborenen Gesetzgeber und Staatenleoker — und lassen uns in der wichtigsten Angelegenheit unseres Lebens gängeln wie die kleinen Kinder. Nicht nur In den Aeußerllcbkeiten unterwerfen wir uns urleilsios der öffentlichen Meinung, ohne danach zu fragen, wer sie macht und wie viel sie taugt, in den Fragen, die unser Innerstes berühren, uns.ans Herz geben, ist unser Verhalten nicht löblicher. Wir beteiligen uns an tausend Dingen, für die wir kein Interesse haben, und bringen für die Dinge, die unser Interesse haben, nicht die reebie Teilnahme auf. Es gibt ein Zauberwort in unserer Zeit, das iit „Organisation" uud bedeutet, daß wir bezahlen und andere für uns denken und arbeiten lassen. Wir sind durch dea alten Beamtenstaat verzogen, wo der gute Bürgersmann sich auf das Heer von Beamten mit .ihrer zuverlässigen Arbeit verließ und. meinte, runig schlafen zu können, da ailes gut bestellt wäre, bis er eines Morgens lyiianlt geweckt und gewahr wurde, daß keineswegs alles gut war. In den politischen Einrichtungen bat sich da wohl manches'geändert, aber in unserer moralischen Verfassung sind wir de Allen geblieben, vertrauen wir weiter auf d e „bewährten" Organisationen und ihre Bürokratie, glauben wir immer noch, mit einer elenden Beisteuer auskommen, aber unsere Kraft, unsere Perton entziehen zu können. Wir merken es nicht, wie unsere gemeinnützigen Einrichtungen erstarren, verknöchern und zu Grunde gehen — weil sie in Ihrem Fundament erschüttert sind, weil das Pflichtgefühl, das Bewußtseih der sittlichen Verantwortung, die freie Mitarbeit aller fehlt. Es mag früher eine Entschuldigung für die Ün'iigea gegeben haben, den Mangel an Zeit und das Uebermaß an Geschäften. Heute bei verkürzter Arbeitzeit ist es ein dringendes Gebot, da Wandel zu schalen und eine gründliche Erneuerung eintreten zu lassen, die bürokratische Routine ans unseren Kultur- und Wohlfabrtselnrichtungen auszuschalten und die persönliche, teilnehmende Mitarbeit der Gesamtheit an ihre Stelle zu setzen. Was will es sagen, daß jemand von .'■einem Ueberfluß ab und zu etwas herg b:, wenn er sich nicht einmal um die Verwendung Sorge macht? Das sittliche Gewissen muß sich durch Handlungen bekunden, Interesse in sachlicher Vertiefung und Betätigung Ausdruck finden. Hier ist der Zusammenhang dieser allgemein gültigen Oedanken mit Unserem Orden gegeben. Der Orden soll ein Jungbrunnen der sittlichen Erneuerung sein. Die Eigenart des Ordens beruht darauf, daß wir anders sind als die Menschen von beute. Der Orden ist nicht ein Wobläiigkeits- oder Oeselligkeitsverefn wie irgend ein anderer, wo man mit der Entrichtung des Beitrags seinen Mitgliedspflichten genügt sondern fordert, daß die Persönlichkeit eingesetzt wird — nicht die Gabe, sondern auch der Geber — nicht die Gabe — sondern auoh die Gesinnung. Der Orden strebte danach,, echte Menschen von einheitlicher sittlicher Lebensanschauung und -füarung heranzubilden, denen die Devise W. Bv E. ein Teil ihres Seins ist und nicht nur ein Schmuck für einige Fest- und Mußestunden. Täuschen wir tins nicht, des Ordens Losung ist vielfach zur Porase geworden, wir sind keine Vereinigung von nur „edeldenkenden Israeliten" — darum ist es an der Zelt, daß wir'auch hier nach Erneuerung streben, den Idealen des Ordens im Orden und Im Leben der Brüder wieder Kraft einflößen. Fragen von außerordentlicher Tragweile für die Organisation und die Tä igkeit des Ordens werden die nächste Zusammenkunlt der Großloge .beschäftigen. Wii Wollen sie lösen mit dem Ziele, die Tendenzen des Ordens in seinen: Anhängern zu-kräftigen,, mit dem - Ziele, uns zu besseren Menschen, zu wahren Bnei Briss zu erzieuen, zu Trägern einer segensreichen Mission!