Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 100 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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periodisch erscheinenden Blättern berichtet.- -Erst dann werden wir imstande sein, eine wirklich wertvolle Berufi- .'j beraiiHig zu leisten. Die amtlichen Statistiken genügen uns für unsere Zwecke nicht. Wir missen sie benutzen, um zur Konjunkturkunde zu gelangen, braueben aber darüber hinaus das fündige Orientiertsein über die wachsenden oder sinkenden Chancen jüdischer, Bewerber in den einzelnen Berufszweigen. Unter dem Vorantritt und der evtl. Leitung der einzelnen Logen könnten in den einzelnen Städten Komitees und Büros geschaffen werden, die an die Zentrale fortlaufend über die Erfahrungen aus den beimischen Industrie-Gewerbzweigen und auch aus den freien Berufen (Niederlässungschancen für Aerzte, Zahnärzte, Anwälte) berichten. Die Aussichten neuer Industrien müssen in einer handelswissenschaftiieben Kommission der Zentrale beobachtet und abgeschätzt werden, um rechtzeitig bei der Berufsberatung'junge jüdische Leute auf diesen Erwerbszweig aufmerksam machen zu können. 2. Organisierung von jüdischen Gegenaktionen gegenantisemitische Politik im Wirtschaftsleben, j Meine vor sieben Jahren verschiedentlich in der jüdischen Presse u. a. a. O. gemachten Vorschläge erscheinen mir hier auch heute noch richtig. Wir können uns nicht gegen . antisemitische Angestelltenpolitik von Privatfirmen wenden, weil das einen unstatthaften Eingriff in die Rechte der Firmeninhaber bedeuten würde, können das aber sehr wohl gegenüber Aktiengesellschaften und anderen juristischen Personen' tuir, die zur Beschaffung ihres Kapitals an den offenen Geldmarkt appellieren und aus diesem Grunde zur Neutralität verpflichtet sind. Gegenüber Iadustrie-Aktiengesellschaften, die bewußt antisemitische Politik (reiben, grundsätzlich keine Juden engagieren usw., gibt es dasausgezeicbnete Mittel, daß Rechtsvertreter der pZentrale" mit einigen für diesen Zweck geliehenen, oder gekauften Aktien des Unternehmens in die Generälversammlung geben und dort unter schärfstem Protest als Aktionäre auftreten und Remedur fordern. Da die groß: Presse iber die Generalversammlungen berichtet, so würden derartige Vorfälle und etwaige schroffe Weigerungen der Verwaltung, ihre Politik zu ändern, durch die Zeitungen bekannt werden. Die Wirkung solcher Debatten auf die jüdischen Abnehmerkreise im Großhandel, Kleinhandel und Konsum würde aber dann I < zumeist für die Aktiengesellschaft Resultate zeltigen, die es ihr ratsam erscheinen lassen müssen, sich künftig in der Judenfrage neutral zu verhalten. Banken gegenüber, die in der Angestellten - politik oder Kreditgewährung bewußt antisemitische Richtlinien verfolgen, muß rücksichtslos mit dem leicht zu organisiererden demonstrativen Abziehen der Depositen- und Spargelder jüdischer Einleger und dem Kündigen von Kontokorrent - Verbindungen geantwortet werden. Im Jahre 1913 wurde mit diesem Mittel, das noch dizu nicht organisiert, sondern impulsiv angewandt wurde, bei einer rheinischen1 Großbank, die seit 20 Jahren keinen Juden engagiert halte und als stramm antisemitisch galt, aber viel jüdische Depositen- und Kontokorrent- Kundschaft besaß, innerhalb ganz weniger Tage ein ausgezeichneter Erfolg errungen. Eine Unterstützung der nicht wenigen jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, die durch die Taktik des vielfach terroristisch vorgehenden deutsch - nationalen Handlungsgehilfen - Verbandes oft in Personalschwierigkeiten und Konflikte geraten, ist durch eine gut aufgebaute Reichs stellen - Vermittlung und Auskunftei gleichfalls erforderlich. 3. Schaffung und reicher Stipen 'junge Kaufleu treibende etc. Ein Jude muß, um die Gewährung zahldien für jüdische t e und Gewerbeihm in so reichem Maße entgegengebrachten Antipathien überwinden zu können, weit mehr können und wissen als der Nichljude Ein jüdischer Stdlenbewetber, der in Wettbewerb mit christlichen Kollegen steht, hat zumeist nur dann Aussicht auf Anstellung, wenn er bei gleichen Ansprüchen eine bessere Vorbildung bat und mehr leistet als die Nichtjuden. -Unser Ziel tnul es daher sein, möglichst vielen unbegüterten jungen Juden durch finanzielle Beisteuer den Besuch von Handelshochschulen, technischen Hochschulen, Textilschulen chemischen Instituten, handelswissenschaftlichen Kurser r^ i und Sprachkursen zu ermöglichen, damit sie dor; ihre Bildungsbasis erweitern können. 4. Weitestgehende Unterstützung der selbständigen jüdischen Existenzen und der Angestellten, die den Sabbat halten und dadurcii ins Hintertreffen kommen. Es ist beiligste Pflicht der gesamten deutschen Judenheit, es den gesetzestreuen Brüdern zu ermöj