Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kenntnis anderer Länder and Marklverbältnisse, < die ein Produkt der zahlreichen Wanderungen des ständig bin- und her wogenden, durch Jahrhunderte fluktlerenden jüdischen Elementes in Europa und Asien war, haben sich die Juden überall dort, wo sie längere Zeit verweilen konnten, wirtschaftliche Positionen geschalten, die mit ihrer Macht- und Einflußsphäre in gar keinem Verhältnis zu dem zumeist geringen Prozentsatz standen, den. die Juden zahlenmäßig innerhalb der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachten. Ohne die ständigen Oeldnöte und gewalligen finanziellen Bedürfnisse der Fürsten und Landesherren, die die luden gleichsam als Bienenstöcke benutzten, die sie durch einen brutalen Eingriff von Zeit zu Zeit immer wieder der angesammelten goldenen Honigwaben beraubten und dadurch zu neuen krampthaiten Anstrengungen im Kampf ums Dasein zwangen, wäre aber doch wohl auch trotz der zum Geld- und Warenhandel zwingenden judenfeindlichen Gesetzgebungen des Mittelalters und der Neuzeit nicht das finanzielle Filigranarbeit leistende jüdische Spezialistentum gezüchtet worden, von dem man heute in seltsam unhistorischer Begriffsverwirrung auf die eigentlichen und hervorstechendsten Begabungen der Juden rückwärts schließen zu können glaubt. f Durch die ganze jüdische Geschichte gebt deutlich erkennbar eine Erscheinung, die man als Lehrsatz empirisch wie folgt formulieren könnte: „Die Nlchtjuden lernen von den luden neue Wirtschaftsformen finden, ausgestalten und intensivieren und suchen sie nach Ableistung ihrer Lehrtätigkeit auszuschalten oder doch merklicn beiseite zu schieben." Auch bei uns. In Deutschland sind die Juden vielfach im Bank- und Börsenwesen, im Engros- und Detailhandel, als Finanziers der Eisenbahnen und Begründer ganzer Industrien und Einzelgesellschaften, als Warenhaus- Erdenkcr, schöpferisch hervorgetreten; ihnen ist der gewaltige Aufschwung, den Deutschlands Wirtschaft bei der überraschend schnellen Umformung vom Agiarzum Industriestaat in den 50 Jahren vor dem Weltkrieg genommen bat, in einem weit höheren Maße zu danken, als es heute bereits die Wirtschaftsforschung erweisen kann. Und doch hat auch hier, parallel weitergehend mit der vielfach die gleichen Resultate zeitigenden, rein wirtschaftlichen Entwicklung der Konzentrationsbewegung Im Bankwesen, in Handel und Industrie, der Prozeß der planmäßigen Rückdrängung der Juden eingesetzt, der zum Endziel die Einschränkung der — wie aus dem Gesagten hervorgeht — unverfaältnismäßig weilgezogenen jüdisch-wirtschaftlichen Einflußsphäre hat und diesen Zweck inabesondere durch Abdrängung der Juden aus den selbständigen Berufen | und leitenden Stellungen in die mehr subalterne Angestelltenlaufbahn, gleichzeitig aber auch durch den ständig an Stärke gewinnenden Boykott der — wachsenden — jüdischen Angestelltenmassen erreichen will. Diese Entwicklung ist für uns deutsche Juden außerordentlich gefährlich. Nicht deshalb etwa, weil, wie törichtes Geschwätz der Antisemiten es glauben machen will, wir unseren wirtschaftlichen Einfluß für irgend welche dunklen und geheimnisvollen machtpolitischen Ziele-des internationalen Judentums einsetzen wollen, sondern weil bei seiner ganzen sozialen Struktur und -der Eigenart der Diaspora-Verhältnisse das deutsche Judentum ganz überwiegend auf die Betätigung in Handel'und Industrie eingestellt ist und daher den denkbar-schwersten Krisen und Erschütterungen ausgesetzt sein-müßte, wenn vor einer — nur sehr langsam und mit zweifelhaftem Erfolge — vorzunehmenden allmählichen Umschichtung innerhalb des deutschen Judentums bereits eine überstürzte Räumung der allen wirtschaftlichen Positionen notwendig würde. Und weiter, weil nur ein starker und leistungsfähiger Stand jüdischer Chefs und Direktoren der großen Masse der jüdischen Angestellten, für die im Zeitalter des zielbewußten wirtschaftlichen Antisemitismus der Arbeitsmarkt sehr viel kleiner ist als für die christlichen Kollegen-und Kolleginnen, eine sichere Aussicht auf Anstellung und somit Schutz] vor, der drohenden Gefahr der Proletarisierung bieten kann. Orund genug, um die deutsche Judenheit zu veranlassen, der sie bedrohenden Entwicklung nach Möglichkeit durcheine zielbewußte jüdische Wirtschaftspolitik entgegenzuarbeiten. Die Loge, die einerseits als neutrale jüdische Organisation die Achtung Und das Vertrauen der verschiedenen jüdisch-politischen Parteien besitzt und auf der anderen Seite eine bedeutende Anzahl von Männern in ihrer Mitte zählt,-'die im deutschen Wirtschaftsleben an einflußreichen Stellen stehen und denen ein Einblick in viele Teile unseres Wirtschaftsorganismus möglich ist, scheint mir dazu berufen zu sein, die Führung der Aktion zu übernehmen. Folgende Programmpunkte müßten einer jüdischen Wirtschaftspolitik in Deutschland zugrunde gelegt werden: , 1. SchaffungeinerOrganisation , d 1 e den Arbeitsmarkt genau beobachtet und über ihre Feststellungen und Prognosen fortlaufend in