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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-10-01 · Nr. 8/9 - Oktober · p. Seite 101

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 8/9 - Oktober
Date
1920-10-01
Page
Seite 101 (sequence 13)
Language
German
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lieben, ohne Vernichtung ihrer Existenz den Sabbat zu halten. Durch die gedachte Organisation IieSe es sich erreichen, daß die betreffenden Firmen, die die Ausfälle des Sabbats nicht ertragen können, dem . Kreise der an der Wirtschaftsorganisation beteiligten Juden zur besonderen und vorzugsweisen Berücksichtigung bei Auftragserteilungen empfohlen werden, und daß ferner dis Verantwortlichkeitsgefübl der angeschlossenen selbständigen Kaufleute und Industriellen dafür gestärkt wird, daß sie auf die religiösen Bedenken stellungsuchender Juden die von der einfachsten jüdischen Pllicbt gebotene Rücksicht nehmen. Ich habe in Rußland gesehen, wie kleine jüdische Händler und Handwerker in der Zeit des grölten wirtschaftlichen Elends durch Geldsammlungen dafür sorgten, daß fromme, aber von der Not ihrer Familie zur Verzweiflung getriebene Juden nicht den Sabbat durch Arbeit entweihen mußten, und meine, daß jüdische Chefs in Deutschland gern die kleine Unannehmlichkeit auf sich nehmen sollten, auch solche jüdische Angestellte zu den üblichen Bedindingungen einzustellen, die den Sabbat feiern. 5. Erichtung resp. Kreditierung von jüdischen genossenschaftlichen Kreditkassen und Sparbanken. Für weite Kreise des selbständigen jüdischen Handwerks- und Mittelstandes wird die Erlangung ausreichender Kredite zu Zins- und Provisionssätzen, die ein rentables Arbeiten ermöglichen, immer schwerer. Je mehr im Bankwesen die Konzentration und Aufsaugung der Kleinbetriebe zunimmt, vergrößern sieb diese Schwierigkeiten für die von den Orot]- und Mittelbanken vernachlässigten' kleinen Kreditnehmer. 6. Tatkräftige Unterstützug aller wissenschaftlichen Arbeiten und Untersuchungen ausdem Bereiche der Sozialwissenschaft mit Beziehung auf das Wirtschaftsleben der deutschen Juden und Begründung eines großangelegten Wirtschaftsarchivs m i t Bibliothek. Als Krönung des ganzen Werkes wäre ein: Jüdische Wirtscbaftskonferenz nach dem Musler des Reichswirtschaftsrates zu schaffen, die einmal im Jabr und sonst bei besonderen Anlässen zusammentritt und teils von sachkundigen Vertretern der jüdischen Organisationen beschickt wird, teils von vorgeschlagenen, gewählten jüdischen Sozialpolitiken], Wirtschaftspraktikern und Wissenschaftlern. Diese Konferenz wählt K o m m i s s i o n e n, die in Permanenz erklärt werden. Insbesondere gehört hierzu eine Kommission, die neue gesetzgeberische Maßnahmen im Reich und in den Bundesstaaten studiert und gegebenenfalls, wenn schwerwiegende jüdisch-wirtschaftliche Interessen bedroht sind, Gegenvorschläge ausarbeitet, die von der „Zentrale" dem Parlament oder der Regierung übergeben werden. (Ich denke da z. B. an bannigfache Gefahren wie die des Betriebsrätegesetzes, durch das den jüdischen Chefs in mancher Hinsicht die Entschlußfreibeit . beim Engagement und der Entlassung von Angestellten eingeschränkt worden ist, so daß sie von einer geschlossenen antisemitischen Organisation eines erheblichen Bruchteils ihrer Angestellten terrorisiert werde« können und dem jüdischen Angestellten der schmale Arbeilsmarkt noch weiter eingeengt werden kann) Diese Vorschläge können und wollen nur eine ■ Skizze, des großen Werkes geben, zu dem die deutsche Judenbeit sich entschließen muß, wenn sie nicht kampflos die Waffen vor den wirtschaftlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus strecken und ihre in langer mühevoller und für das ganze Land ungemein segensreicher Arbeit geschaffenen Positionen räumen will. Besitzen wir wirklich in Deutschland noch jüdisches Solidariiätsgefühl, Lebens- und Tatkraft, so muß der große Wurf gelingen; Geht die Loge energisch und zielbewußt voran, legt sie die ersten Grundsteine zu dem Bau, zieht sie alle hierzu geeigneten Brüder zu den verschiedensten, ihren Kenntnissen und ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeiten heran (so manches ist schon -geleistet worden; ich denke da insbesondere an die ausgezeichneten und unentbehrlichen Arbeiten des fir.Dr. Jacob Serail-Berlin), so werden auch bald>die jüdischen Großgemeinden und die kommende Gesamtorganisation der deutschen luden folgen. Dann wird die Loge, neben dem Verdienst, das Prinzip der W o B.-1 r t ä t i g k e i t und Bruderliebe in einem gewaltigen sozialpolitischen Werk zur glücklichsten Konsequenz, gebracht zu haben, auch das noch erworben haben, die deutsche Judenbeit unter dem Zeichen, der Eintracht zu einem nicht nur auf „Rachtnonus", sondern auf zielbewußte wirtschaftspolitische Arbelt gegründeten Werk vereinigt zu haben! 101 -

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