Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 98 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Verbältnisse und eine falsche Assimilationskur sittlich blutarm gewordenen — Volkskörper den alten Eisengehalt und die alte Wärme des jüdischen Blutes zurückzugeben. Armut ist stets ein Mutterboden des Vergehens gewesen, die innere noch viel sicherer als die mite r i eile. Der Protz ist ein innerlich verarmter Mensch, der seinem Ehrgeiz nur deshalb die äußerlichsten Ziele setzt, weil er - keine anderen kennt. Soll das Prolzentum bekämpft werden, so gilt es, den Ehrgeiz (den wir weder austilgen wollen noch können) auf würdige Aufgaben zu lenken, nicht nur in theoretischer Zielsetzung, sondern, was wichtiger ist,: in praktischer Arbeit. 'Solche Hochziele, vor : deren echtem Glanz der Flittertand eines rein äußerlichen Prunkens verblassen muß, weist die Loge unserem Stieben, und sie lehrt uns, den Wert des Bruders, ohne Rücksicht auf seine äußere Stellung, nach seiner Beziehung zu diesen unseren Idealen zu bemessen. Der volle Erfolg unserer selbsterzieherischen Arbeit kann freilich erst allmählich eintreten, zumal wenn diese unsere „Logenbewertungen" auch auf unsere Frauenwelt energischer wirken können, als es heute noch möglich ist. Aber schon die Erkenntnis des Zieles ist von hohem Wert, und ausbleiben kann die verinnerlichende Wirkung bei keinem, der vom Geiste unserer Logenarbeit wahrhaft ergriffen ist. Die Hinwendung an das wahre Ideal aber lehrt l notwendig das falsche überwinden: der Tanz um das goldene Kalb muß aufhören, wenn Moses, der zeitweilig entschwundene, wieder zu seinem Volke niedersteigt. Echter Stolz — ich versuchte jüngst, im Nachrul rj unseren heim gegangenen Br. Rabb. Dr. M. Horo Vitz es zu zeigen*) — erzeugt notwendig die Sicherheit und die Vornehmheit, die den Adelsmenschen vom Plebejer unterscheidet. Was der Mangel an solchem Stolz uns geschadet hat, wird unsere heutige Betrachtung gezeigt haben: er hat unseren inneren Wert wie unsere äußere Stellung in gleicher Weise untergraben. Es ist die vornehmste Aufgabe unseres Ordern, jenen echten Stolz zu begründen, der nie in Dünkel ausartet — gerade die gewaltigsten Propheten jüdischer Größe sind zugleich die schärfsten Kritiker der Menschlichkeiten ihres Volkes gewesen! —, aber im Bewußtsein einer geschichtlichen Sendung unser Leben mit Kraft und Größe zu erfüllen und alle Mängel, alte wie neue, uns abstreifen lehrt — nicht aus Furcht vor dem Anderen, sondern aus „Ehr' (im Sinne der Forderung Goethes): vor dem Adel unseres Blutes und der Oröße unserer Aufgabe I ■ *) Vergleiche die März d. J. Beri:hte der Großloge Nr. 2 vom r ' Loge und Wirtschaftsleben. Von Br. Regie rungirat Hans Die Geschichte - der Juden in der Diaspora und insbesondere in Deutschland ist zugleich ein Stück Wirtschalts- und Kulturgeschichte Europas und , Deutschlands. Zahlreiche neue Gebiete des Wirti Schaftslebens sind von den Juden erschlossen, andere ausgeweitet und die aus ihnen erzielten Resultate und Erfahrungen fortentwickelt und in erhöhtem Maße dem Volksganzen nutzbar gemacht worden. Ea ist gleichgültig, ob im wissenschaftlichen Meinungsstreit die Theorie von der ursprünglichen rassenmäßigen Prädestination oder die von der entscheidenden Miti Wirkung des Milieus die Oberhand gewinnen wird; die Diaspora-Geschichte der Juden mit ihrer ständigen , - 98 mäblich die (gewiß oft herausarbeiten und aufs Ooilar (Mon(efiorc-Loge). Unsicherheit für Leben und Eigentum mußte all nur latenten) Eigenschaften höchste entwickeln, welche der Händler und überhaupt der mit Risiken Wirtschaftende besitzen muß, um vorwärts zu kommen Anpassungsfähigkeit an widrige Verhältnisse, persönliche Bedürfnislosigkeit, kommende (politische ein feines 'Tastgefühl . für oder wirtschaftliche) Konjunkturen, zähe Ausdauer] und schließlich eine — bit zur Nervosität und Sensibilität gesteigerte — geistige Beweglichkeit, die allem Mechanischen, Unselbständigen und Bürokratischen abhold Ist. Mit diesen Eigenschaften, unterstützt durch ihre überlegene u